Ausland

Malediven: Eine Erfolgsgeschichte ohne die Einheimischen

Interview: Monica Fahmy. Aktualisiert am 08.02.2012

Der Präsident der Malediven ist nach putschartigen Unruhen zurückgetreten. Wolfgang-Peter Zingel, Politikwissenschaftler am Südasien-Institut der Universität Heidelberg, gibt eine Einschätzung der Lage im Ferienparadies.

1/5 Stellen sich gegen die Regierung: Polizisten werfen in der Hauptstadt Malé Tränengaspetarden. (7. Februar 2012)
Bild: AFP

   

Touristen haben wenig zu befürchten

Auf den Malediven ist zurzeit die Tourismus-Hochsaison. Von den Unruhen in Malé haben Touristen wenig zu befürchten. «Wir verfolgen die Lage vor Ort und denken zurzeit nicht, dass es direkt Auswirkungen auf den Tourismus haben wird», sagt Simon Marquard, Mediensprecher Kuoni Schweiz. «Die Unruhen finden in Malé statt. Am Flughafen ist davon nichts zu spüren. Unsere Gäste fliegen vom Flughafen direkt weiter auf die Inseln.» Den Touristen wird empfohlen, sich von den Demonstrationen in Malé fernzuhalten.

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Wie werten Sie die aktuelle Entwicklung auf den Malediven?
Die Unruhen scheinen auf die Hauptinsel Malé beschränkt zu sein. Wie Sie sich selbst überzeugen konnten, ist das meiste Material, was Sie im Internet finden, in Dhivehi. Es ist daher schwer einzuschätzen, ob in der einheimischen Presse die gleichen Diskussionen geführt werden wie in den englischsprachigen Seiten der maledivischen Medien. Die Unruhen haben vermutlich ökonomische und soziale Ursachen.

Die wären?
Die Malediven waren früher ein sehr elitäres Reiseziel. Letztes Jahr hatte es über 900'000 Besucher. Eigentlich eine Erfolgsgeschichte, von der die Einheimischen jedoch wenig haben. Die Feriensresorts sind kleine Inselmonopole der maledivischen Elite. Der ehemalige Präsident Gayoom hat die Touristen und die Einheimischen getrennt, um die Einheimischen vor schädlichen Einflüssen der Touristen zu schützen. Auf den Inseln arbeiten hauptsächlich Ausländer. Die Inseln der Einheimischen durften nur tagsüber besucht werden. Die Trennung von Touristen und Einheimischen und die Beschäftigung so vieler Ausländer in der Touristik verhinderte die Teilhabe des grössten Teils der Bevölkerung am einträglichen Geschäft mit den Touristen. Die Frage ist, ob es bei den Unruhen nicht auch ums Geld geht, ob es sich um die Auseinandersetzung lokaler Eliten handelt oder um eine allgemeine Unzufriedenheit.

Gibt es einen Zusammenhang mit der Beschuldigung von Islamisten, Wellness-Bereiche von Resorts seien ein «Hort der Prostitution»?
Bei Unruhen werden die üblichen Vorwürfe wegen des Alkoholkonsums und der freizügigen Lebensweise der Ausländer laut. Auf den Malediven kann sich nur dauerhaft aufhalten, wer ein Muslim ist. Der sunnitische Islam wird sehr konsequent gehandhabt und es besteht eine starke Verbindung zur arabischen Welt. Ob internationale Einflüsse Malediver zu den Protesten zusätzlich ermuntert haben, ist ein stiller Verdacht.

Präsident Mohamed Nasheed ist heute zurückgetreten. War das die richtige Entscheidung?
Die Polizei und das Militär standen sich gegenüber. Wenn man die Grösse von Malé betrachtet, dürfte Nasheed klar geworden sein, dass er sich nicht halten kann. Möglicherweise wollte er ein Blutvergiessen vermeiden. Wie eingangs erwähnt, gibt es auf Malé sicher Diskussionen, die ein Aussenstehender nicht mitbekommt.

Was bedeuten die Unruhen für den Tourismus?
Sie finden auf der Hauptinsel statt. Die Politik hat ja Einheimische und Touristen voneinander getrennt. Zurzeit läuft die Tourismus-Saison in vollen Zügen. Eine Reisewarnung würde das Land stark treffen. Die Machthaber werden darauf achten, diese wichtige Einnahmequelle nicht zu gefährden. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.02.2012, 14:13 Uhr

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