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Japan schaltet ab
Aktualisiert am 05.05.2012 63 Kommentare
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Zum ersten Mal seit 1970 wird Japan ab morgen Samstag vollständig ohne Atomenergie auskommen müssen. Der einzige derzeit betriebene Atomreaktor soll dann für Wartungsarbeiten für mehr als 70 Tage heruntergefahren werden.
Japan verfügt über 54 Reaktoren, der Meiler im Atomkraftwerk Tomari auf der Nordinsel Hokkaido war jedoch der einzige, der nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe im vergangenen Jahr noch in Betrieb war. Japanische Reaktoren werden alle 13 Monate für eine Wartung heruntergefahren. Ans Netz dürfen die Anlagen erst wieder, wenn die lokalen Regierungen zugestimmt haben.
Zunehmendes Misstrauen
Die Abschaltung von Reaktor Nummer 3 in Tomari wird von Anti-Atom-Demonstrationen in ganz Japan begleitet werden. Bis zur Katastrophe vom März 2011 bezog Japan etwa ein Drittel seines Stroms über die Atomkraft.
Durch das Erdbeben und den Tsunami im März 2011 wurde jedoch eine Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima und damit die schwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl 1986 ausgelöst. Nach dem Ausfall der Kühlung und den Kernschmelzen war Radioaktivität in die Luft, den Boden und ins Meer gelangt.
Seit dem Super-Gau gibt es in Japan zunehmendes Misstrauen gegenüber der Atomkraft. Aus Sicherheitsgründen wurden alle Reaktoren bis auf den im AKW Tomari heruntergefahren. Zudem weigern sich die lokalen Behörden seit der Katastrophe von Fukushima, nach erfolgter Wartung grünes Licht zum Hochfahren der Atommeiler zu geben. Zu gross sind die Ängste in der Bevölkerung.
Engpässe möglich
Mit dem Aussetzen der Atomkraft werden zugleich Engpässe in der Stromversorgung des Landes in den heissen Sommermonaten befürchtet. Nach Angaben der japanischen Regierung sind allerdings zwei Einheiten im AKW Oi im Westen des Landes sicher genug, um im Sommer wieder in Betrieb genommen zu werden. Das AKW hat kürzlich einen Stresstest bestanden. Doch gegen ein Hochfahren der Reaktoren von Oi wehren sich die Bewohner der Region.
Die Regierung argumentiert, Oi könne helfen, Engpässe in der Stromversorgung zu vermeiden. Ob oder wann die Behörden grünes Licht für eine Wiederinbetriebnahme erteilen, ist offen.
Stromkonzerne machen Druck
Auch die Stromkonzerne argumentieren mit drohenden Versorgungsengpässen im Sommer, um eine Wiederinbetriebnahme ihrer Reaktoren zu erreichen. Zuletzt hatte zudem die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Japan aufgefordert, die sicheren Reaktoren wieder in Betrieb zu nehmen, da im Falle von Engpässen in der Stromversorgung wirtschaftliche Risiken drohten.
Als Ausgleich für die Abschaltung der AKW musste Japan für die Stromgewinnung auf Energie aus Verbrennungskraftwerken zurückgreifen. Stillgelegte Thermalkraftwerke wurden wieder hochgefahren. Der dazu notwendige Import von Brennstoffen wie Erdgas und Rohöl und führte dazu, dass die Exportnation Japan zum ersten Mal seit mehr als 30 Jahren ein Handelsdefizit vorwies. Zudem stieg der Ausstoss Japans von Treibhausgasen. (ami/sda)
Erstellt: 04.05.2012, 20:12 Uhr
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63 Kommentare
Wenn die Stromkonzerne mit "Stromengpässen" Panik verbreiten wollen bleibts mit Sicherheit eine Ente. Man siehts am Beispiel in Deutschland.
Dort konnte man dank EE sogar noch Frankreich vorm Strom-blackout bewahren.
Übrigens hat die jap. Regierung aktuell eine Solarstromvergütung von 39 Cent/kwh eingeführt. Meiner Ansicht nach zuviel, aber das wird auf jeden Fall einen Boom auslösen.
Antworten
Einfach abwarten. Wenn dann der Strom ausfällt werden die Menschen schon wieder ihr rationales Gehirn einschalten und merken: Wir können gar nicht auf diese Form der Energie verzichten. Der Ausbau der grünen Energie erfolgt parallel zu den anderen Energien. Denn so wie die Bevölkerung wächst und sich entwickelt brauchen wir auch den Atomstrom. Antworten


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