In Pakistan beginnt bald der Winter – was dann?
Aktualisiert am 06.09.2010 6 Kommentare
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Neben der Nothilfe rückt nun in Pakistan der Aufbau winterfester Unterkünfte ins Zentrum der Hilfsbemühungen. Doch es fehlt an Zelten, Holz, Bambus, Plastikplanen. Viel Baumaterial muss importiert werden und das braucht Zeit, wie Debora Neumann, humanitäre Hilfskoordinatorin des Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SAH), sagt. «Das einzige, was es im Übermass hat, ist Lehm», so Neumann zur Nachrichtenagentur SDA.
Aus Lehm waren die meisten der zerstörten 1,2 Millionen Häuser gebaut. Als das Wasser kam, hielten sie den Fluten nicht stand. Viele andere Häuser und Hütten sind nur noch teilweise bewohnbar.
«Die Flutopfer leben in behelfsmässigen Camps, in öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder gar am Strassenrand», sagte die 33-Jährige nach ihrer Rückkehr aus Pakistan, wo sie drei Wochen lang als Helferin im Einsatz war.
Das SAH werde deswegen in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa im Nordwesten Pakistans 800 temporäre Unterkünfte aus Bambus bauen, die die Menschen dann mit Lehm isolieren können. Weitere Projekte, auch für die von der Flut hart getroffene zentrale Provinz Punjab, werde sie bei ihrer Rückkehr nach Pakistan aufgleisen helfen, sagte Neumann.
Schulbeginn verschoben
Noch stehe bei der UNO und den Hilfswerken die Nothilfe – sauberes Wasser, Nahrung und Medizin – für die 15 bis 20 Millionen Flutopfer im Vordergrund, doch auch der Aufbau von Unterkünften werde immer dringender, nicht nur wegen des Winters.
Viele Menschen haben in Schulen Unterschlupf gefunden, wo sie mangels Alternativen nach wie vor wohnen. Eigentlich wären in Pakistan die Schulferien am 15. August zu Ende gegangen, sagte Neumann. Wegen der Flut habe die Regierung den Schulbeginn bereits um einen Monat verschoben. «Doch wir denken, dass es Ende September wird.»
Die Regierung bemühe sich derzeit, für die in den Schulen hausenden Menschen andere Unterkünfte zu finden, «damit wenigstens für die Kinder etwas Alltag einkehren kann».
Nächste Ernte: Herbst 2011
Diese Kinder wie auch alle anderen Flutopfer werden noch lange auf Hilfe angewiesen bleiben angesichts des Ausmasses des «schleichenden Tsunamis», wie UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon die Flutkatastrophe genannt hat.
Ein Grund: Die Flut hat die Ernte des Landes vernichtet. Dies in einem Land, in dem nach Angaben des pakistanischen Statistikamtes über 44 Prozenten Menschen von der Landwirtschaft leben. Derzeit müssten die Bauern beginnen, die Wintersaat auszubringen. Doch das Wasser hat auch das Saatgut zerstört.
Zwei Drittel des Landes verwüstet
«Die nächste Aussaat können die Bauern deshalb erst im kommenden Frühjahr ausbringen, was bedeutet, dass sie erst im Oktober 2011 eine Ernte einfahren können», sagte Neumann. Dazu komme, dass die Felder von einer zwei Meter dicken Sand- und Schlammschicht bedeckt und mit Steinen, Bäumen und Abfall übersät seien.
Auch die Schäden an der Infrastruktur sind enorm: Das Hochwasser hat zwei Drittel des Landes verwüstet. «Für die Bewältigung dieser Katastrophe kann niemals genug Geld da sein», sagte Neumann. «Es braucht so viel, wie wenn man Grossbritannien drei Mal wiederaufbauen müsste.» (bru/sda (Daniela Karst))
Erstellt: 06.09.2010, 15:29 Uhr
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6 Kommentare
Es ist ein unsägliches Leid was da passiert. Es fehlt an Allem in diesem Land - nur nicht an Waffen. Kaum ein anderes Land in der Welt ist so arm und der Besitz von Schusswaffen so hoch wie in Pakistan. Waffen sind dort kult und Status Symbol wie bei uns z.B. Schmuck. Armut und Hunger wegen Waffen... mögen diese in der Flut verrosten und die Menschen ihre Wertvorstellung korrigieren. Antworten
Das der Wintereinbruch kommt ist sehr, sehr schlecht. Es wäre interessant zu sehen, wie die Taliban's und die "Ungläubigen" sich zusammen raufen und gemeinsam der Bevölkerung hilft. Es wäre allzu schön aber warum nicht. Bin nicht ein Träumer aber das könnte ein Zeichen für den Frieden sein. Antworten
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