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Familien-Stellen bei den Kims

Aktualisiert am 29.12.2011

Aus dem innersten Führungszirkel in Pyongyang dringt so gut wie nichts nach aussen. Von der Zeremonie zu Kim Jong-ils Beerdigung erhoffte man sich zumindest Anhaltspunkte über die künftigen Machtverhältnisse.

1/8 Jang Song-thaek (hinter Kim Jong-un in zivil, 65 Jahre alt): Der Ehemann von Kim Jong-ils einziger Schwester war 2004 vorübergehend in Ungnade gefallen und musste im Zuge seiner «Umerziehung» in der Stahlindustrie arbeiten, bevor er rehabilitiert wurde. Vergangenes Jahr wurde er zum Vizevorsitzenden des mächtigen Nationalen Verteidigungsausschusses berufen. Er leitet zudem die Verwaltung der Arbeiterpartei und könnte der starke Mann hinter Kim Jong-un werden. Bei der Trauerprozession jedenfalls war er immer dicht bei ihm. (28. Dezember 2011)

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Wer läuft wo mit im Trauerzug für Kim Jong-il? Wer marschiert in der Nähe seines Sohnes Kim Jong-un? Und wie verhält sich der Nachfolger des verstorbenen Machthabers selbst? Vom Alltag im weitgehend abgeschotteten Nordkorea dringt allgemein nur wenig an die Aussenwelt – was aber im innersten Führungszirkel des stalinistisch regierten Staates passiert, ist ein absolutes Geheimnis.

Von der pompös inszenierten Beisetzung des verstorbenen langjährigen Machthabers Kim Jong-ils erhofften sich Beobachter daher zumindest einige Hinweise auf die Frage, wer in den kommenden Monaten und Jahren an den Hebeln der Macht sitzen wird. Überraschungen aber blieben aus.

«Einige Anhaltspunkte geliefert»

«Die Beisetzung hat einige Anhaltspunkte dafür geliefert, wer neben Kim Jong-un stehen und ihn beschützen wird», sagt Kim Yong-hyun von der Dongguk-Universität in Seoul. Denn Kim Jong-un ist gerade einmal Ende 20 – das genaue Alter ist unbekannt –, er hat so gut wie keine politische und, trotz des Ranges eines Vier-Sterne-Generals, nur wenig militärische Erfahrung.

Kim Jong-un, der trotz der Winterkälte auf Mütze und Handschuhe verzichtete, lief am Anfang und Ende des Trauerzugs neben der schwarzen Limousine her, auf welcher der Sarg seines Vaters durch die Hauptstadt Pyongyang fuhr. Begleitet wurde er von hohen Würdenträgern aus Armee und der allmächtigen kommunistischen Arbeiterpartei, die hinter ihm oder auf der anderen Seite der Limousine liefen.

Beschützer und Förderer

Die beiden hohen Parteifunktionäre Kim Ki-nam und Choe Thae-bok, die zum exklusiven Zirkel gehörten, hätten lediglich eine symbolische Funktion als Vertreter der Arbeiterpartei, erklärt der Nordkorea-Experte Kim Yong-hyun. Anders lägen die Dinge bei den anderen Männern: Diese würden künftig «vermutlich eine Schlüsselrolle» spielen. «Sie werden die Beschützer und Förderer von Kim Jong-un sein, damit dieser sich durchsetzen kann.»

In erster Linie gilt das für Jang Song-thaek, der direkt hinter Kim Jong-un lief. Der Ehemann von Kim Jong-ils Schwester Kim Kyong-hui – und damit Onkel des neuen Machthabers – galt in den vergangenen Jahren bereits als zweitmächtigster Mann im Staat. Er ist unter anderem Vize-Vorsitzender des mächtigen Nationalen Verteidigungsausschusses und könnte so etwas wie der Strippenzieher hinter Kim Jong-un werden.

Minutiös durchgeplante Parade

Ebenfalls neben der Limousine liefen der Chef des Generalstabs der Armee, Ri Yong-ho, Armeeminister Kin Yong-chun und der für die Militärverwaltung zuständige Kim Jong-gak. Alles Figuren also, die bereits unter Kim Jong-il hohe Posten innehatten und die nun zu «Pfeilern des Regimes von Kim Jong-un werden dürften», wie es der Nordkorea-Experte Yang Moo-jin ausdrückt.

Die minutiös durchgeplante Parade vor den Augen hunderttausender Nordkoreaner sollte deswegen womöglich vor allem ein Signal aussenden: das der Kontinuität. «Er weiss, dass er noch nicht den vollen Respekt der Öffentlichkeit geniesst», sagt Baek Seung-joo vom koreanischen Institut für Verteidigungsanalysen über Kim Jong-un. «Es wird erwartet, dass er die Politik seines Vaters fortsetzt, der etwa trotz internationalen Drucks nie die Atomwaffen aufgegeben hat.» Kim Jong-un habe noch einen langen Weg vor sich, um seine Macht zu festigen – und könnte in Schwierigkeiten geraten, wenn er versucht, neue Pfade zu betreten.

In einem aber hob sich Kim Jong-un bei der Trauerprozession dann doch von seinem Vater ab. Denn bei der Beisetzungszeremonie von Staatsgründer Kim Il-sung vor 17 Jahren – die ähnlich ablief wie die Parade heute Mittwoch – hatte Kim Jong-il den Leichenwagen nicht begleitet. Dass Kim Jong-un nun neben dem Sarg seines Vaters herlief, sehen Experten aber nicht als Zeichen der Abgrenzung, sondern als Versuch, in der Bevölkerung um noch mehr Zuspruch zu werben. (ami/AFP)

Erstellt: 29.12.2011, 00:02 Uhr

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