«Die Flut betrifft 20 Millionen Menschen»
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«Die Flut betrifft 20 Millionen Menschen, hat Getreide auf den Feldern und Lebensmittelvorräte im Wert von Milliarden Dollar zerstört und verursacht einen riesigen Verlust für die nationale Wirtschaft», sagte Pakistans Regierungschef Yousuf Raza Gilani in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die Nation.
Der Regierungschef rief das Ausland auf, Pakistan «eine helfende Hand zu reichen, um dieses Unglück zu bekämpfen». Die Überschwemmungen seien die schwerste Katastrophe in der Geschichte Pakistans, sagte Gilani. Der Regierungschef warnte vor dem Ausbrechen gefährlicher Krankheiten in den betroffenen Gebieten. Dies sei eine «ernste Bedrohung», die die Lage noch verschlimmern könne.
Aus Rücksicht auf die Opfer der verheerenden Flutkatastrophe verzichtete Pakistan am Samstag auf die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag. Lediglich an öffentlichen Gebäuden sollen in einer kleinen Zeremonie zum 63. Jahrestag des Endes der britischen Kolonialherrschaft die Fahnen gehisst werden.
Indien will helfen
Pakistans Erzfeind Indien, der seinen Unabhängigkeitstag am Sonntag begeht, bot Hilfe an. Islamabad wartete offenbar mit einer Antwort auf das Angebot zu. Die pakistanische Zeitung «Dawn» berichtete am Samstag unter Berufung auf Regierungsquellen in Islamabad, das Angebot des Nachbarstaats sei nicht umgehend abgelehnt worden. Es werde demnächst entschieden, wie damit umzugehen sei.
«Dawn» berichtete weiter, der indische Aussenminister S.M. Krishna habe seinem pakistanischen Amtskollegen Shah Mehmood Qureshi bei einem Telefonat fünf Millionen Dollar Fluthilfe angeboten. Das sei eine «Geste der Solidarität mit dem pakistanischen Volk in dessen Stunde der Not».
Ban Ki Moon kommt
Nach Schätzungen der UNO warten sechs Millionen Menschen auf Soforthilfe wie sauberes Trinkwasser, Nahrung und ein schützendes Obdach. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon will sich am Wochenende vor Ort selbst einen Überblick über den Bedarf verschaffen.
Die UNO hat zu Nothilfen in Höhe von 459 Millionen Dollar aufgerufen. Sollte nicht bald Hilfe eintreffen, werden die Opferzahlen weiter steigen. Bislang sind mehr als 1600 Menschen ums Leben gekommen.
Hilfsgelder verutreut?
Während derzeit Millionen Menschen in Pakistan auf Spenden aus dem Ausland hoffen, sind gegen die pakistanische Regierung schwere Vorwürfe im Umgang mit internationalen Geldern laut geworden. Die britische Tageszeitung «Daily Telegraph» berichtete am Samstag unter Berufung auf «ranghohe Vertreter», dass nach dem schweren Erdbeben vor fünf Jahren im Nordwesten des Landes 300 Millionen Pfund (492 Millionen Franken) an Hilfsgeldern veruntreut worden seien. Die Finanzmittel seien bis heute nicht in die Kassen der für den Wiederaufbau betrauten Behörde ERRA geflossen.
Pakistans Präsident Asif Ali Zardari, der seit September 2008 an der Staatsspitze steht, habe diese Summe in andere Kassen umgeleitet, schrieb die Zeitung. Die Schulen, Spitäler und Strassen, die mit dem Geld eigentlich wiederaufgebaut werden sollten, seien immer noch zerstört. Vier Millionen Menschen seien seit dem Beben im Oktober 2005 immer noch ohne Obdach. (jak/sda)
Erstellt: 14.08.2010, 12:16 Uhr
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