Ausland

Das Werk eines Familienclans

Aktualisiert am 16.04.2012 8 Kommentare

Die terroristischen Angriffe in Afghanistan forderten rund 50 Tote und viele Verletzte. Hinter der grossangelegten «Frühjahrsoffensive» soll das Haqqani-Netzwerk stehen – ein berüchtigter Familienclan.

1/16 Als Drahtzieher der Anschläge wird das Haqqani-Netzwerk vermutet: Afghanischer Polizist inspiziert ein zerstörtes Auto in Pul-e-Alam. (16. April 2012)
Bild: Reuters

   

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Das Haqqani-Netzwerk ist nach Aussage eines Aufständischen für die Angriffsserie auf Kabul und drei weitere afghanische Städte verantwortlich. Der Mann sei während der Kämpfe in der Provinz Nangarhar gefangen genommen worden und habe erklärt, die in Pakistan ansässige Gruppe mit Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida stecke hinter der Offensive, sagte der afghanische Innenminister Besmillah Mohammadi am Montag.

«Die Terroristen versuchen, die Übertragung der Sicherheitsverantwortung an die afghanischen Streitkräfte zu stören, aber das schaffen sie nicht», sagte Mohammadi. Tags zuvor hatten sich die Taliban zu den Angriffen bekannt.

Karzai: Die Nato hat versagt

Ein «Versagen unseres Geheimdienstes und besonders der Nato» sei für die Angriffsserie verantwortlich gewesen, sagte der afghanische Präsident Hamid Karzai am Montag. Dieses Versagen habe den Aufständischen erlaubt, Kabul und die anderen Städte zu betreten, sagte er. Das rufe nach einer vollständigen Untersuchung. Allerdings lobte Karzai auch die afghanischen Sicherheitskräfte für ihre Reaktion auf die Angriffe.

Ein «Familienclan»

Beim grössten Angriff der Aufständischen auf die afghanische Hauptstadt seit September kamen 36 Rebellen, acht Angehörige der Sicherheitskräfte sowie drei Zivilpersonen ums Leben, sagte Mohammadi. Auch für die Angriffe auf die US-Botschaft und das Nato-Hauptquartier im September war das Haqqani-Netzwerk verantwortlich.

Das Haqqani-Netzwerk wurde während der sowjetischen Besatzung Afghanistans von Jalaluddin Haqqani gegründet und wird heute von seinem Sohn Sirajuddin Haqqani geführt. Die 10'000 Kämpfer des Netzwerks operieren vor allem im Grenzgebiet zu Pakistan. Nato-Sprecher Carsten Jacobson beschrieb das Netzwerk einmal als ein «Familienclan», ein kriminelles Netzwerk und eine Terrororganisation.

Angriffsserie vor Sonnenaufgang beendet

Am Montagmorgen konnten afghanische Truppen die letzten Kämpfer überwältigen und die 18-stündige Angriffsserie damit beenden. Vor Sonnenaufgang feuerten Kampfhubschrauber Raketen und Soldaten Granaten auf ein Gebäude im Stadtzentrum ab, von wo aus die Taliban ihre Offensive auf Botschaften, Regierungsgebäude und Nato-Stützpunkte und die östlich gelegenen Städte Paktia, Logar und Nangarhar begonnen hatten. Kurz vor 08.00 Uhr (Ortszeit) endeten die Kämpfe. Nach Angaben aus Geheimdienstkreisen wurden mindestens vier Extremisten getötet.

Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachteten auch einen morgendlichen Rebellenangriff auf ein weiteres Gebäude in der Nähe des Präsidentenpalastes. Auch die Botschaften Deutschlands, Grossbritanniens und der USA seien unter direkten oder indirekten Beschuss genommen worden, sagte der Nato-Sprecher Oberstleutnant Jimmie Cummings. Eine Verbindung zum Haqqani-Netzwerk sei eine Möglichkeit, könne jedoch nicht mit Sicherheit bestätigt werden, sagte der Nato-Sprecher. Er kündigte eine Untersuchung an.

Taliban kündigen Frühjahrsoffensive an

Die Taliban erklärten, zahlreiche Selbstmordattentäter hätten den Nato-Stützpunkt, die deutsche und die britische Botschaft, das Parlamentsgebäude, zwei Hotels und Ziele entlang der Darulaman-Strassen, an der die russische Botschaft liegt, angegriffen. Auch in den Hauptstädten der Provinzen Nangarhar, Logar und Paktia würden afghanische und Nato-Einrichtungen von schwer bewaffneten Kämpfern attackiert, hiess es in einer Erklärung von Talibansprecher Sabiullah Mudschahid.

Die Taliban wollten ihre Stärke beweisen, nachdem sie von Nato-Truppen als geschwächt bezeichnet worden seien, sagte Mudschahid der AP. Die Angriffe seien der Vorbote der vor kurzem angekündigten Frühjahrsoffensive der Taliban.

In der Provinz Logar sei einer von neun Selbstmordattentätern festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Der Polizeichef der Provinz, Ghulam Sakhi Roogh Lawanai, sagte, die Ermittler seien überzeugt davon, dass das Haqqani-Netzwerk hinter den Angriffen stecke. «Wir haben Mobiltelefone und Dokumente gefunden und die Telefonnummern zeigen, dass es Kontakt zwischen einer abgelegenen afghanischen Region und der pakistanischen Seite der Grenze gab», sagte er.

Ein Sprecher des afghanischen Geheimdiensts erklärte, drei am Sonntag festgenommene Aufständische hätten sich zu einer Mitgliedschaft beim Haqqani-Netzwerk bekannt. Sie stünden zudem im Verdacht, einen Mordanschlag auf einen der zwei afghanischen Vizepräsidenten, Karim Chalili, geplant zu haben.

(mrs/dapd, afp)

Erstellt: 16.04.2012, 19:29 Uhr

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8 Kommentare

Alois Amrein

16.04.2012, 21:57 Uhr
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Immer, wenn in Afghanistan die Regierung von Karzai unter Beschuss gerät, sind die anderen schuld, entweder die ISAF/USA oder die Taliban, nur nie das korrupte Regime selbst. Ein grosser Fehler von den USA und NATO war, auf diesen korrupten Politiker zu setzen, der sich selber auf Kosten des Westens bereichert und an der Macht hält und auch am Heroinhandel mitverdient. Seine Tage sind gezählt. Antworten


Curt Mast

17.04.2012, 02:58 Uhr
Melden 6 Empfehlung 0

Karzai wendet sich langsam aber sicher von seinen Befreiern ab. Hatten wir das nicht schon mal? Antworten



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