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Ausland

China wirbt wieder für mehr Babys

Von Henrik Bork, Peking. Aktualisiert am 27.07.2009

China, seit langem für seine Ein-Kind-Politik bekannt, hat erstmals mit einer lokalen Kampagne zur Geburtenförderung begonnen.

Beamte in Shanghai seien seit kurzem von Tür zu Tür unterwegs, um eine Ausnahmeregelung der Geburtenkontrollpolitik besser bekannt zu machen, berichtete die Zeitung «Shanghai Daily» am Freitag.

Elternpaare, die beide als Einzelkinder aufgewachsen sind, dürfen seit mehreren Jahren in vielen Provinzen Chinas ein zweites Kind haben. Neu ist, dass die Behörden in Shanghai nun versuchen, solche Familien aktiv zu einem zweiten Kind zu überreden. Der Grund für die Aktion sei die «rasche Überalterung der Gesellschaft», sagte ein Beamter. Dies sei keinesfalls eine Umkehr der landesweiten Ein-Kind-Politik, zitierte die Zeitung «China Daily» den Leiter der Shanghaier Familienplanungskommission Xie Lingli.

Wer darf, muss auch wollen

In der Tat ist die Regelung nicht neu. Sie wurde nach und nach in verschiedenen chinesischen Provinzen eingeführt, schon 2002 in der bevölkerungsreichen Provinz Anhui.

Überhaupt gilt die Ein-Kind-Politik wegen all ihrer Ausnahmen nur noch für rund 36 Prozent der Chinesen. Bauernfamilien in 19 Provinzen dürfen ein zweites Kind haben, wenn das erste ein Mädchen war. Dies allein betrifft 52,9 Prozent der chinesischen Bevölkerung. Weitere 11 Prozent, vor allem Angehörige von Minderheiten, dürfen zwei oder mehr Kinder bekommen.

Ernstes Problem

Überbevölkerung bleibt gleichzeitig ein ernstes Problem für China. Bis zum Jahr 2033 wird die Bevölkerung offiziellen Angaben zufolge auf 1,5 Milliarden wachsen - und dies bei einer schon jetzt akuten Ressourcenknappheit. So haben Millionen von Chinesen kein sauberes Trinkwasser.

Doch die ungewöhnliche Aktion in Shanghai zeigt, wie sehr die Überalterung der Gesellschaft die Behörden beunruhigt. Im Jahr 2040 wird es Regierungsprognosen zufolge 320 Millionen Chinesen geben, die älter als 65 Jahre sind. Das wären 22 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr 2007 waren es noch gut 8 Prozent.

In Shanghai sind bereits jetzt 22 Prozent 60 Jahre oder älter. Mit der neuen Propaganda-Offensive sollten «künftige Beschäftigungsengpässe» gelindert werden, sagte Xie. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.07.2009, 07:24 Uhr

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