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Aus 54 wurden 3

Von Jan Knüsel. Aktualisiert am 25.01.2012 173 Kommentare

Der ungeplante Atomausstieg: In Japan sind nur noch 3 von 54 AKW-Reaktoren in Betrieb. Bis April könnten gar alle vom Netz genommen werden. Wie stillt nun das Land seinen Energie-Hunger?

1/5 Der letzte Meiler: Reaktor Nummer 3 des AKW Tomari auf der Nordinsel Hokkaido.(7. April 2012)
Bild: Keystone

   

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Japans Atomproduzenten erleben diese Woche einen doppelten Rückschlag. Gleich zwei Reaktoren werden wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet. Dies hat zur Folge, dass nur noch 3 von 54 Reaktoren in Betrieb sein werden. Alle 13 Monate müssen die Atommeiler einer Kontrolle unterzogen werden, bevor sie das Okay zur Wiederinbetriebnahme erhalten. Früher war dies eine Routineprozedur. Doch seit der Katastrophe von Fukushima weigern sich die lokalen Behörden, ihre abgeschalteten Reaktoren wieder hochzufahren. Zu gross sind die Sorgen in der Bevölkerung.

Die Regierung versucht mit zusätzlichen Stresstests, die Öffentlichkeit von der Sicherheit ihrer AKW zu überzeugen. Bislang vergeblich. Den Lokalregierungen sind diese Tests nicht ausreichend. Wann die betroffenen Anlagen wieder ans Netz gehen, ist ungewiss. Bis Ende April könnte nur ein Jahr nach Fukushima gar kein Reaktor mehr am Netz sein.

Stromproduzenten satteln um

Japans Regierung sorgt sich daher um die Energieversorgung. Industrieminister Yukio Edano sagte dem «Wall Street Journal», es müssten Massnahmen getroffen werden, falls im Sommer keine Atomanlagen zur Stromerzeugung mehr in Betrieb seien. Ansonsten sei mit häufigeren Stromausfällen zu rechnen. Die Regierung rechnet mit einer Deckungslücke von bis zu 9 Prozent. Vor der Tsunami-Katastrophe stammten 30 Prozent der Energie aus Atomstrom, momentan sind es noch weniger als 8 Prozent.

Die Stromproduzenten satteln seit Monaten um. Eingemottete konventionelle Wärmereaktoren werden wieder in Betrieb genommen. Entsprechend gross ist der Hunger nach fossilen Energieträgern. So stiegen 2011 die Ausgaben für Rohöl im Jahresvergleich um 21,3 Prozent, für Flüssiggas um 37,5 Prozent und für Erdölprodukte sogar um 39,5 Prozent. Dies hat auch dazu beitragen, dass die Exportnation Japan zum ersten Mal seit mehr als 30 Jahren ein Handelsdefizit vorweist. Die Einfuhren überstiegen die Ausfuhren nach offiziellen Angaben um 2,49 Billionen Yen (25 Milliarden Euro).

Die Sorgen der Wirtschaft

Um diese zusätzlichen Kosten zu kompensieren, plant Tepco gemäss der «Yomiuri Shimbun», seine Strompreise um rund 17 Prozent zu steigern. Der japanische Wirtschaftsverband Keidanren sorgt sich um die Folgen der Kostenexplosion. Mit den höheren Produktionskosten sei die Konkurrenzfähigkeit der japanischen Exportindustrie vollends gefährdet. Hinzu komme noch die Last des teuren Yen.

Mit Kostenargumenten der Wirtschaft wird die japanische Öffentlichkeit nach der Katastrophe von Fukushima kaum zu überzeugen sein. Den Sicherheitsversprechen der Regierung und der Betreiber glaubt sie genauso wenig. Eine Mehrheit der Bevölkerung ist gemäss Umfragen gegen die Wiederinbetriebnahme der Reaktoren. Zumal die Angaben über die Gefährdung der Stromversorgung widersprüchlich sind.

So berechnete der Tokioter Stromkonzern Tepco gemäss der Nachrichtenagentur Kyodo, dass die Stromversorgung für sein Gebiet auch ohne Atomkraftwerk gesichert sei. Durch Investitionen in Wärme- und Wasserkraftwerke könne der Stromverlust kompensiert werden. Die Wahrscheinlichkeit für Stromausfälle sei gering. Dies bedeute aber nicht, dass der Betreiber des havarierten AKW Fukushima von seiner Atompolitik abrücke, so ein Tepco-Offizieller weiter.

Export in Schwellenländer

Die japanische Regierung versucht derweil, die Bevölkerung mit einem Gesetz zu überzeugen, das die Lebensdauer eines AKW auf maximal 40 Jahre beschränken würde. Industrieminister Yukio Edano hat zudem die Verstaatlichung aller AKW vorgeschlagen. Gleichzeitig muss die Regierung die heimische Atomlobby zufriedenstellen und forciert daher den Export ihrer Atomtechnologie. Mit Vietnam sind die Gespräche bereits weit fortgeschritten. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.01.2012, 21:58 Uhr

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173 Kommentare

Jürg Allemann

25.01.2012, 23:02 Uhr
Melden 189 Empfehlung

Das grösste Potential liegt nicht darin, neue Kraftwerke zu bauen, sondern darin, Energie sinnvoll zu sparen. Solange es sich lohnt, Milch von Deutschland nach Italien zu karren, um dort Yoghurt daraus zu machen, der wiederum nach Deutschland gefahren wird um ihn dort zu verkaufen, ist Energie zu billig und reizt zur Verschwendung. Das Gleiche gilt für Hausisolation und Wärme und für viel anderes. Antworten


Daniel C. Gartmann

25.01.2012, 22:22 Uhr
Melden 118 Empfehlung

Wer Atomausstieg will, muss die Folgen akzeptieren: Teurer Strom und mehr CO2 bei höherer Gefahr von Blackouts. Und die Einsicht, dass manche Nachbarn nicht denselben Weg gehen und stattdessen sogar neue AKWs bauen, was den eigentlichen Sinn des Ausstiegs sehr in Frage stellt. Nicht jedes Vorhaben mit guter Absicht macht auch in der Praxis Sinn. Antworten



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