Ausland
Atommacht Indien droht angrenzenden Nachbarn
Indiens Premierminister Manmohan Singh.
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Attacke auf Mumbai
Am Mittwochabend haben islamistische Terroristen in einer konzertierten Aktion zugeschlagen. In einem grossen Bahnhof, dem Oberoi Hotel und dem Taj Mahal Hotel, in dem bei Ausländern beliebten Leopold-Café, in einem Restaurant und auf einer Polizeistation warfen die Angreifer Handgranaten, schossen um sich und zündeten Bomben. Sie fordern die Freilassung sämtlicher in Indien inhaftierten Islamisten.
Bisher ist bestätigt, dass 125 Menschen ihr Leben verloren haben, 327 weitere sind verletzt in Krankenhäuser eingeliefert worden.
Zwar kommt es in Indien - und auch in Mumbai - immer wieder zu schweren Sprengstoffanschlägen. Doch die jüngsten Angriffe hätten «eine vollkommen neue Dimension», sagte ein westlicher Indien- Experte, der anonym bleiben wollte.
«Das war kein hinterletzter Markt, sondern ein Hochsicherheitsgebiet.» Er sprach von einem «totalen Scheitern der indischen Sicherheit».
Harte Worte
In ihrer Hilflosigkeit griffen Politiker der gedemütigten Regionalmacht zu harten Worten. «Wir betrachten die Terrorangriffe in Mumbai als Krieg und behandeln die Situation wie einen Ausnahmezustand zu Kriegszeiten», sagte Indiens Vize-Innenminister Sriprakash Jaiswal.
Sandeep Bhardwaj vom Institut für Friedens- und Konfliktforschung (IPCS) in Neu Delhi meinte: «Diese Angriffe zeigen, dass der Terrorismus in Indien die nächste Ebene erreicht hat. Es ist auch ein klarer Versuch, der Moral der Inder einen schweren psychologischen Schlag zu versetzen.»
Das ist den Terroristen gelungen. Die Angriffe «haben die Nation tief geschockt», sagte Premierminister Manmohan Singh in einer Fernsehansprache. Was dann kam, dürfte die pakistanische Regierung bereits geahnt haben. Sie hatte sich schon zuvor beeilt, die Anschläge zu verurteilen.
Nachbarländer beschuldigt
Pakistans Aussenminister Shah Mehmood Qureshi, der sich im Rahmen des fragilen Friedensprozesses der beiden verfeindeten Atommächte in Indien aufhielt, warnte in weiser Voraussicht vor Schuldzuweisungen. Für frühere Anschläge hatte Neu Delhi islamistische Gruppen vor allem aus Pakistan, aber auch aus Bangladesch verantwortlich gemacht.
Singh nannte Pakistan in seiner Ansprache an die Nation zwar nicht beim Namen, die Regierung in Islamabad dürfte sich aber trotzdem mit angesprochen gefühlt haben. Der indische Premierminister betonte, die Terrorangriffe von Mumbai hätten ihren Ursprung im Ausland.
Er warnte die angrenzenden Staaten, man werde es nicht dulden, wenn von ihrem Territorium aus Anschläge auf Indien verübt würden. Drohend fügte er an die Adresse der Nachbarn hinzu: «Wenn keine angemessenen Massnahmen von ihnen ergriffen werden, wird das seinen Preis haben.»
Pakistaner festgenommen
Inzwischen haben Sicherheitskräfte in dem von bewaffneten Terroristen besetzten Taj-Mahal-Hotel drei Männer festgenommen, unter ihnen einen Pakistaner.
Wie die Nachrichtenagentur Press Trust of India unter Berufung auf amtliche Angaben meldete, handelte es sich bei dem Pakistaner um einen Mann aus der pakistanischen Stadt Multan. Er und seine Mitkämpfer seien Mitglieder der in Pakistan ansässigen Rebellengruppe Lashkar-e-Taiba, die für die Unabhängigkeit Kaschmirs kämpft.
Sowohl Indien als auch Pakistan erheben Anspruch auf die zwischen den beiden Atommächten umstrittene Grenzregion.
Erstellt: 27.11.2008, 23:11 Uhr
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