Und jetzt?

Um 17 Uhr (MEZ) hält Donald Trump seine erste offizielle Pressekonferenz. Da dürfte er sich mit den angeblichen Russen-Papieren auf etwas gefasst machen.

Hier wird er sich heute Abend den vielen Fragen stellen: Donald Trump in der Lobby des Trump Tower in New York. (Archiv)

Hier wird er sich heute Abend den vielen Fragen stellen: Donald Trump in der Lobby des Trump Tower in New York. (Archiv) Bild: Reuters

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Sex-Tapes und anderes Erpressungsmaterial: Donald Trump muss sich heute vor den Medien brisanten Fragen stellen. Ausgerechnet an seiner ersten Medienkonferenz als designierter US-Präsident wird sich Trump zu den Russland-Berichten der vergangenen Nacht äussern müssen. Die Medienkonferenz ist auf 17 Uhr (MEZ) angesetzt (DerBund.ch/Newsnet berichtet live), sie könnte allerdings ein paar Stunden später stattfinden nach den neuesten Medienberichten. Auf Twitter hat sich der gewählte Präsident schon geäussert:

In der Lobby des New Yorker Trump Towers dürften auf ihn Fragen rund um die Rolle Russlands bei den Hackerangriffen während des US-Wahlkampfes zukommen. Zuletzt hatte Trump vor fast sechs Monaten einen offiziellen Termin mit Journalisten mehrerer Medien wahrgenommen.

Die russische Regierung soll laut den in der Nacht publik gewordenen Berichten kompromittierendes Material über Donald Trump in der Hand haben. Dabei geht es um pikante Informationen zu den Russlandgeschäften sowie zum Privatleben des designierten amerikanischen Präsidenten. Unter anderem soll der russische Geheimdienst im Besitz eines Videos sein, das den Immobilienmilliardär bei einer Sexorgie mit Prostituierten in einem Moskauer Hotel zeigt. Der Wahrheitsgehalt der geheimdienstlichen Berichte muss noch geprüft werden. Von offiziellen Stellen gibt es bisher keine Stellungnahmen.

Wie schlimm könnte es für Trump mit den Russen-Papieren kommen? Die Analyse:

«Trump könnte in die Honigfalle getappt sein»: Christoph Münger, Co-Leiter des Ressorts International bei DerBund.ch/Newsnet.

Träfen die Vorwürfe zu, dass die Unabhängigkeit des angehenden US-Präsidenten dadurch kompromittiert sei, dann wäre dies «schockierend» und «explosiv», sagte der Senator Chris Coons von den Demokraten zu CNN. Von einer «ausserordentlichen Entwicklung» sprach Reporterlegende Bob Woodward, der den Watergate-Skandal mit enthüllt hatte. Doch es fehlten zufriedenstellende Antworten auf viele Fragen.

Material stammt von Ex-Agent des MI6

Das brisante Material über Trump war von einem ehemaligen Agenten des britischen Geheimdienstes MI6 zusammengestellt und im vergangenen August dem FBI übergeben worden. Der Ex-Agent verfügt laut «Guardian» über exzellente Kontakte und ist seit Jahrzehnten in Russland und im postsowjetischen Raum aktiv. Der Ex-Agent wurde von US-Geheimdienstmitarbeitern als vertrauenswürdig eingestuft.

Das Newsportal «Buzzfeed» hat ein belastendes Dokument veröffentlicht, dessen Authentizität allerdings nicht geklärt ist. «Die Amerikaner hätten ein Recht darauf, sich selbst über die Anschuldigungen zu informieren, die auf höchster Ebene über den künftigen Präsidenten kursieren», begründete «Buzzfeed»-Chefredaktor Ben Smith die Veröffentlichung. Smith sagte aber auch, es gebe «ernsthafte Gründe, an den Vorwürfen zu zweifeln». Die «Buzzfeed»-Publikation wurde in einigen Medien kritisiert, weil auch Trump ein Recht auf journalistische Fairness haben müsse.

Das 35-seitige Dokument soll schon in den vergangenen Wochen unter Washingtoner Journalisten kursiert sein. Das linke Magazin «Mother Jones» hatte Ende Oktober als erstes Medium über das Trump-Dossier berichtet. Gemäss CNN-Angaben übergab der republikanische Senator John McCain eine Kopie des Materials am 9. Dezember FBI-Chef James Comey. McCain gilt als harscher Kritiker von Trumps Russlandpolitik.

Unter Berufung auf verschiedene Quellen berichtete CNN, dass es gemäss den Geheimdienstinformationen während des US-Wahlkampfs regelmässige Kontakte zwischen dem Trump-Team und Kreml-Leuten gegeben hatte. Laut CNN wurden sowohl Nochpräsident Barack Obama als auch Trump vergangene Woche von Geheimdienstkoordinator James Clapper sowie den Chefs von FBI, CIA und NSA über das belastende Material informiert. Dies erfolgte im Zusammenhang mit den Berichten über mutmassliche Hackerangriffe im Auftrag des Kremls während des Wahlkampfs.

Erste Medienkonferenz von Präsident Trump

Erwartungsgemäss reagierte Trump via Twitter auf die neuesten Vorwürfe. Er sprach von «Fake News» und einer «totalen politischen Hexenjagd» gegen seine Person. Auch der in den Berichten erwähnte Trump-Anwalt Michael Cohen wies die Vorwürfe entschieden zurück. Und Trumps Topberaterin Kellyanne Conway sagte dem Sender CNN, dass die Berichte «keine Quellen nennen» und «nichts bestätigt ist».

Trump hatte sich im Wahlkampf immer wieder lobend über den russischen Staatschef Wladimir Putin geäussert, um die Beziehungen zu Russland zu verbessern. Seine milde Haltung gegenüber Moskau hatte in den vergangenen Monaten viele Spekulationen ausgelöst, dass Trump möglicherweise geheim gehaltene Geschäftsinteressen in Russland habe oder dort in einer anderen Weise kompromittiert sein könnte.

Russland hat inzwischen die Existenz von Anti-Trump-Informationen dementiert. Der Kreml spricht von «Pulp Fiction», wie das staatsnahe Nachrichtenportal Sputnik News berichtet. Moskau betrachtet die Meldungen, dass Russland über belastendes Material gegen Trump verfüge, «als einen Versuch, den bilateralen Beziehungen der beiden Länder zu schaden», wie Kreml-Sprecher Dmitri Peskow verlauten liess. Auch Wikileaks äusserte via Twitter grosse Zweifel an den Medienberichten aus den USA.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.01.2017, 12:42 Uhr

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