Trump stösst an Grenzen

Nordkorea und die USA müssen ihren Konflikt diplomatisch lösen. Den Schlüssel dazu hat China.

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Nordkorea nervt. Seit Monaten provoziert Kim Jong-un die Weltöffentlichkeit mit seinen Raketentests. Nun soll es sogar ein Geschoss gewesen sein, mit dem er angeblich die USA treffen könnte. Und das am amerikanischen Unabhängigkeitstag und kurz vor dem G-20-Gipfel – ein Gespür fürs Timing kann man dem Diktator nicht absprechen.

US-Präsident Donald Trump fragte trotzdem zu Recht: «Hat dieser Typ nichts Besseres zu tun in seinem Leben?» Doch, hätte er: Sein Volk hungert, hinkt allem hinterher und leidet unter dem totalitären Regime des pausbäckigen Herrschers – Nordkorea ist ein Gefängnis. Man wünscht sich, dass das Regime der Steinzeitkommunisten endlich verschwindet, wie auch immer.

Der Preis wäre zu hoch

Doch so einfach ist das nicht. Klar, die USA würden einen Krieg gegen Nordkorea gewinnen. Der Preis dafür wäre jedoch eine Katastrophe – inklusive der möglichen Bombardierung Seouls, allenfalls gar Tokios. Abgesehen davon, endeten die letzten grossen Feldzüge der Amerikaner in Desastern – Trump dürfte langsam realisieren, dass seine Macht und seine Möglichkeiten begrenzt sind.

Das gilt aber auch für Kim Jong-un: Sollte er Südkorea, Japan oder gar die USA angreifen, würde nicht nur sein Regime, sondern Nordkorea überhaupt aufhören zu existieren – so vernichtend wäre der US-Gegenschlag. Deshalb ist der Einsatz der Atombombe keine realistische Option für ihn.

Es kann rasch eskalieren

Wer nun meint, also alles halb so wild, der irrt: Ein Kräftemessen mit nordkoreanischen Raketentests und US-Militärmanövern, untermalt durch kriegerische Rhetorik, kann rasch ausser Kontrolle geraten. Sei es wegen Fehlwahrnehmungen, einer Überreaktion oder eines Missverständnisses. Umso dringlicher ist es, diese Krise diplomatisch zu lösen.

Den Schlüssel dazu hat China, der einzige und mächtige Verbündete Nordkoreas. Peking hat bisher halbherzig agiert, was Trump nicht länger hinnehmen will. Dennoch: Nur Staatschef Xi Jinping kann den Jungspund aus Pyongyang zur Räson zwingen, von Kommunist zu Kommunist eben. Auch wenn der US-Präsident nun mit dem Alleingang droht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.07.2017, 22:44 Uhr

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