«Lasst uns alle kämpfen wie Polen»

Bei seiner Rede in Warschau bekannte sich Trump zur Beistandspflicht der Nato. Gleichzeitig teilte er gegen die anderen Mitgliedsstaaten aus.

Trump nimmt Ivanka mit nach Polen. Video: Tamedia/AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In einer Rede vor Tausenden Menschen auf dem Warschauer Krasinski-Platz hat US-Präsident Donald Trump die Polen als die Seele Europas bezeichnet. An historischer Stelle pries er den Willen des polnischen Volks, jeden Versuch seiner Unterdrückung oder Zerstörung zu überwinden. Der Platz war das Zentrum des verlustreichen Warschauer Aufstands 1944 gegen Nazi-Deutschland.

Trump stellte Polen in seiner Rede am Donnerstag als Beispiel für andere Nationen dar. Der Triumph des Landes über Härte und Bedrängnis biete Hoffnung auf eine Zukunft, in der das Gute das Böse besiege und Frieden den Krieg, sagte er.

«Europa muss mehr tun»

Zugleich würdigte er die Verteidigungsausgaben des Landes im Rahmen der Nato. Warschau gebe damit ein «wahrhaft grossartiges Beispiel» und zähle zu den Mitgliedern des Bündnisses, die sich am meisten engagieren. Polen habe «seinen Platz als eine führende Nation in einem starken, ganzen und freien Europa wieder eingenommen». Polen ist eines der fünf Nato-Mitglieder, die wie vom US-Präsidenten angemahnt mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für das Militär ausgeben. Trump forderte die anderen Nato-Staaten auf, ihre Rüstungsausgaben zu erhöhen. «Europa muss mehr tun», verlangte Trump.

Gegen Ende seiner Rede betonte Trump, der Westen werde «nie gebrochen». Der Kampf gegen den Extremismus werde gewonnen, sagte Trump. «Unser Volk wird prosperieren, und unsere Zivilisation wird triumphieren», erklärte der US-Präsident. In Erinnerung an den Widerstand der Polen während der Nazi-Herrschaft und zu Zeiten der Sowjetunion forderte er: «Lasst uns alle kämpfen wie Polen».

Verbalattacke gegen Putin

Ausserdem hat US-Präsident Donald Trump Russland scharf kritisiert. Er warf Moskau «destabilisierendes» Verhalten vor, wie aus dem am Donnerstag vorab verbreiteten Text seiner Warschauer Rede hervorgeht. Trump will den russischen Präsidenten Wladimir Putin am Freitag am Rande des G-20-Treffens in Hamburg erstmals zum persönlichen Gespräch treffen.

Zudem droht Trump Nordkorea nach dem Test einer Interkontinentalrakete mit «Konsequenzen», wie das Weisse Haus weiter mitteilte. In seiner Rede hinterfragt er zudem die Führungsrolle des Westens: «Die grundlegende Frage unserer Zeit ist, ob der Westen den Willen zum Überleben hat», heisst es demnach in dem Text. Trump will seine Ansprache am Donnerstagmittag in Warschau in der Nähe des Denkmals für den Warschauer Aufstand gegen die Nationalsozialisten halten.

Nordkoreas «sehr, sehr schlechtes Benehmen»

Ausserdem drohte Trump Nordkorea mit einer harten Reaktion auf dessen Raketentests. Er erwäge einige «sehr schwerwiegende Dinge», sagte er in Warschau. Das bedeute aber nicht, dass er sie auch umsetze, schränkte er ein. Das Verhalten Nordkoreas sei eine Schande und sehr gefährlich. Die internationale Gemeinschaft solle diesem «sehr, sehr schlechten Benehmen» entgegentreten.

Nordkorea hatte den Start einer Interkontinentalrakete bekanntgegeben. Diese könnte nach Ansicht von Experten auch US-Gebiet bedrohen.

Trump findet Reise «grossartig»

Trump ist zum Auftakt seines Kurzbesuchs in Polen von Staatspräsident Andrzej Duda empfangen worden. Im Warschauer Königsschloss reichten beide einander am Donnerstag die Hand vor einer weissen Marmorbüste des letzten polnischen Königs Stanislaw August Poniatowski. Anschliessend zogen sich Duda und Trump zu einem vertraulichen Gespräch zurück.

Auf die Frage, was er von der Reise halte, sagte Trump: «Grossartig». Er war am Mittwochabend in der polnischen Hauptstadt eingetroffen. Nach seinem Treffen mit Duda war ein Gipfel der Drei-Meere-Initiative geplant. Dabei will Trump Staats- und Regierungschefs von zwölf mittel- und osteuropäischen Ländern treffen, die ihre Energie- und Handelspläne ausbauen und modernisieren wollen, um sich von Gas- und Öllieferungen aus Russland unabhängiger zu machen. Anschliessend hält Trump seine Rede auf dem Krasinski-Platz nahe dem Zentrum des Warschauer Aufstands 1944 gegen Nazi-Deutschland.

Duda betonte am Mittwoch, Trumps Besuch werde «historischen Charakter» haben. Dessen Rede werde «nicht nur für Polen, sondern für die gesamte Welt» sein. Die Medien des Landes berichteten, die polnische Regierung habe dem Weissen Haus bei der Einladung nach Warschau jubelnde Massen versprochen. Die Regierungspartei sowie Regierungsanhänger planten demnach, grosse Gruppen von Menschen in Bussen zu der Ansprache zu transportieren.

Knapp 16 Stunden hat der US-Präsident Zeit, um in Warschau den Auftakt für seine zweite Europareise zu setzen. Die polnische Regierung hat angeblich schon vorab für begeistertes Publikum gesorgt. Noch am Donnerstag reist Trump zum G-20-Gipfel nach Deutschland weiter.

(chk/AP)

Erstellt: 06.07.2017, 15:25 Uhr

Artikel zum Thema

Trump stösst an Grenzen

Kommentar Nordkorea und die USA müssen ihren Konflikt diplomatisch lösen. Den Schlüssel dazu hat China. Mehr...

Trump Junior teilt gefälschtes Top-Gun-Video

Der Präsidentensohn Donald Trump Jr. hat ein Fake-Video weiterverbreitet. Es zeigt, wie sein Vater einen CNN-Jet vom Himmel holt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Krankenschwester sucht erotische Abenteuer

Gute Neuigkeiten für Herren: Gerade Krankenschwestern sind oft sehr einsam und daher immer häufiger auf Erotikkontaktportalen anzutreffen.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Fly-In-Restaurant: Pollen und Blütenstaub hängen schon an ihrem Körper, doch instinktiv steuert diese Biene die nächste Sonnenblume auf einem Feld in norddeutschen Fresdorf an. (17. Juli 2017)
(Bild: Ralf Hirschberger/DPA) Mehr...