Maulwürfe in Moskau

Womöglich verrieten geheime Informanten die russische Rolle bei den Cyberangriffen im US-Wahlkampf. Sind sie nun enttarnt und angeklagt worden?

Der russische Präsident Wladimir Putin: US-Geheimdienste sind überzeugt, dass er die Cyberangriffe anordnete, um Donald Trump zu unterstützen. Foto: Keystone

Der russische Präsident Wladimir Putin: US-Geheimdienste sind überzeugt, dass er die Cyberangriffe anordnete, um Donald Trump zu unterstützen. Foto: Keystone

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Die Anklageerhebung gegen zwei hochrangige Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes FSB sowie einen Experten der russischen Computersicherheitsfirma Kaspersky am Mittwoch hat in Washington zu Spekulationen über einen Zusammenhang mit dem Hacking demokratischer E-Mail-Konten während des US-Präsidentschaftswahlkampfs geführt. Laut Angaben der Zeitungen «Komersant» und «Novaya Gazeta» waren der stellvertretende Leiter der Abteilung für Computersicherheit beim FSB, Oberst Sergei Mikhailow, sein Stellvertreter Dimitry Dokuchayew sowie der Kasperski-Angestellte Ruslan Stoyanow bereits im Dezember wegen Verrats festgenommen worden.

Mikhailow sei während einer Sitzung von Top-Mitarbeitern des FSB ein Sack über den Kopf gestülpt worden, danach habe man ihn abgeführt, berichteten russische Medien. Der russische Parlamentsabgeordnete und Kreml-Vertraute Sergei Markow bestätigte den Vorgang am Mittwoch gegenüber dem US-Webportal «Daily Beast». Mikhailow und seinem Stellvertreter werde vorgeworfen, «ihren Amtseid verletzt und für die CIA gearbeitet zu haben», berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax. Gegenüber dem russischen Nachrichtendienst Tass bestätigte der Strafverteidiger Iwan Pavlow, der einen der drei Angeklagten vertritt, dass ihnen Verrat zur Last gelegt wird. Zwar, sagt Pavlow, werde «der Name CIA in dem Fall nicht erwähnt, aber wir reden von Amerika».

Putin soll Cyberangriff angeordnet haben

Die Anklagen in Moskau haben in US-Medien Vermutungen ausgelöst, wonach die drei Festgenommenen in den Hackingskandal während des US-Wahlkampfs verwickelt gewesen seien. Neben den E-Mail-Konten von John Podesta, dem Vorsitzenden des Clinton-Wahlkampfs, und des Demokratischen Nationalkomitees war auch ein Server Hillary Clintons gehackt worden. Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte die gestohlenen Mails im Verlauf des US-Wahlkampfs veröffentlicht.

US-Geheimdienste sind überzeugt, dass der russische Präsident Wladimir Putin die Cyberangriffe anordnete, um Donald Trump zu unterstützen. Trump hatte sich lange gegen den Vorwurf gewehrt, war nach einem Briefing durch CIA und FBI im Dezember jedoch umgeschwenkt. Im Report der US-Dienste hiess es, man sei «mit grosser Sicherheit» zum Schluss gelangt, dass Moskau hinter der Cyberattacke stehe. Diese Formulierung hatte Spekulationen ausgelöst, dass FBI und CIA in Moskau über Quellen innerhalb des FSB verfügten.

Die «New York Times» hatte am Wochenende berichtet, «ein aktiver sowie ein früherer US-Regierungsmitarbeiter» hätten bestätigt, «dass Informanten in Moskau eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung der Cyberangriffe spielten». Falls es sich dabei um Mikhailow und Dokuchayew handelte, wäre es der CIA oder dem FBI gelungen, Spione im Zentrum der russischen Sicherheitsdienste anzuwerben.

Ungeklärt aber bleibt nicht nur, warum der Kreml die Festnahmen und Anklageerhebungen in einem ungewöhnlichen Ausmass publik machte. Ungeklärt bliebe überdies, wer die US-Informanten enttarnt hätte. Der öffentliche Bericht der US-Dienste über die Hackingaffäre blieb klare Beweise für die Rolle Russlands schuldig, um geheimdienstliche «Quellen und Methoden» zu schützen. Die drei am Mittwoch Angeklagten erwartet nun ein geheimer Prozess in Moskau. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.02.2017, 15:33 Uhr

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