Das abrupte Ende der Romanze mit Russland

Vor dem Besuch des US-Aussenministers in Moskau hat sich das Verhältnis zwischen den Ländern abgekühlt.

«Wir werden über Sanktionen sprechen»: US-Aussenminister Rex Tillerson. Foto: Reuters

«Wir werden über Sanktionen sprechen»: US-Aussenminister Rex Tillerson. Foto: Reuters

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Was wurde nicht alles über die amerikanisch-russischen Beziehung geschrieben. Eine «neue Ära» bahne sich an, hiess es vor Wochen in der «New York Times». Mit Donald Trump ziehe ein Bewunderer Wladimir Putins ins Weisse Haus. Die beiden Männer würden künftig die Welt regieren, äusserte sich der politische Kommentator Van Jones auf CNN und sprach von einer nie da gewesenen Achse zwischen Washington und Moskau.

Tatsächlich liess Trump im Wahlkampf keine Gelegenheit aus, den russischen Präsidenten zu loben. Er sei ein «echter Führer», sagte Trump und äusserte die Hoffnung, Putin könne «ein guter Freund» werden. Karikaturisten begannen, das Weisse Haus mit den Zwiebeltürmen der Basilius-Kathedrale in Moskau zu malen, seit bekannt wurde, dass Russland hinter den Cyberattacken auf die Demokratische Partei während des Wahlkampfs stand. Donald Trump sei erpressbar, hiess es, weil Putin ihm zum Sieg in den Wahlen verholfen habe. Auch sein Aussenminister Tillerson wurde für seine Russlandnähe kritisiert. Tillerson wurde im Jahr 2013, damals war er noch CEO des Ölgiganten Exxon Mobil, mit dem Freundschaftsorden der Russischen Föderation ausgezeichnet.

Verstoss gegen Völkerrecht

Doch seit dem mutmasslichen Giftgasanschlag der syrischen Regierung in Idlib und der Reaktion der Amerikaner ist das Verhältnis abgekühlt. Die Romanze sei schon wieder vorbei, schrieb die «Washington Post», und das Verhältnis zwischen dem Weissen Haus und dem Kreml sei an dem Punkt, an dem es schon so oft gewesen sei, was vor allem eines bedeute: Es herrscht grosses gegenseitiges Misstrauen.

Russland sieht nach dem amerikanischen Angriff in Syrien die Beziehungen zu den USA signifikant beschädigt. «Präsident Putin hält die Luftschläge für eine Aggression gegen einen souveränen Staat, gegen das Völkerrecht, dazu noch mit einem erdachten Vorwand», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau vergangene Woche. Die syrische Armee habe keine Chemiewaffen mehr, das habe nach der Entwaffnung auch die zuständige UNO-Organisation bestätigt.

Tillerson nennt Russland «unfähig»

US-Aussenminister Rex Tillerson hingegen sieht das anders. Kurz vor seinem Antrittsbesuch in Moskau Mitte Woche sagte er, Russlands Passivität habe den Giftgasangriff erst ermöglicht, «denn jedes Mal, wenn wieder eine dieser grausamen Attacken geschieht, wie jüngst in Idlib, wächst auch die Verantwortung des Kreml. Er wählte ungewohnt deutliche Worte und nannte Russland «unfähig», weil es Syrien nicht davon abgehalten habe, Chemiewaffen einzusetzen. Tillerson gab dem Kreml zumindest eine Teilschuld am Tod der Zivilisten. Herbert Raymond McMaster, der neue Sicherheitsberater von Donald Trump, sagte, es könne nicht sein, dass Bashar al-Assad ein solches Massaker ausführe, «ohne dass die russische Regierung im Vorfeld davon wusste».

In den Gesprächen zwischen den Aussenministern Rex Tillerson und Sergei Lawrow am Mittwoch in Moskau wollen die Amerikaner die Russen darauf drängen, die Unterstützung Assads aufzukünden. «Wir werden auch über die Sanktionen sprechen», sagte Tillerson, die die USA seit dem Ukrainekonflikt gegen Russland verhängten. «Wir werden viel über unser Verhältnis sprechen. Ich glaube nicht, dass die Russen an einer weiteren Verschlechterung unserer Beziehung interessiert sind.»

«Ein Dieb und ein Mörder»

Schon George W. Bush und Barack Obama haben bei ihrem Amtsantritt eine Neuausrichtung des amerikanisch-russischen Verhältnisses angekündigt. Und sie sind beide an Putin gescheitert. Bush äusserte sich nach seiner ersten Begegnung mit Putin zuversichtlich: «Ich schaute in seine Augen und sah seine Seele», sagte Bush damals. Doch die Freundschaft währte nicht lange. Bush empörte sich über Russlands Georgienkrieg, Putin wiederum kritisierte den Einmarsch in den Irak und Bushs Pläne, ein Raketenabwehrsystem in Polen zu stationieren.

Barack Obama wiederum liess dem Kreml sogar symbolisch einen Reset-Knopf zukommen und erklärte: «Wir wollen unsere Beziehungen neu starten.» Doch Putins Annexion der Krim und seine Unterstützung für das Assad-Regime führten endgültig zu einer neuen Eiszeit, die nun unter Donald Trump zu Ende schien. «Doch auch unser aktueller Präsident merkt allmählich, mit wem er es zu tun hat», sagte John McCain, republikanischer Senator aus Arizona.

Er verfolge den Weg von Putin schon so lange, sagte McCain in einem Interview, dass er an keine Annäherung mit Russland mehr glaube. «Putin ist ein Dieb und ein Mörder, mehr gibt es nicht zu sagen.» Die gute Nachricht aber sei, so McCain, dass Trump nicht sehr lange gebraucht habe, um dies einzusehen. Nicht einmal hundert Tage. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2017, 23:16 Uhr

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