Wikileaks: Bradley Manning gegen das Pentagon

Aktualisiert am 27.07.2010

Er war Gefreiter im Irak und inzwischen ist er der wohl meistgehasste Mann im US-Militär: Bradley Manning, mutmasslicher Wikileaks-Informant. Noch ist unklar, ob er alleine gehandelt hat.

Weigert sich, die Identität seines Informanten zu verraten: Wikileaks-Gründer Julian Assange.

Weigert sich, die Identität seines Informanten zu verraten: Wikileaks-Gründer Julian Assange.
Bild: Reuters

Der 22-jährige Soldat Bradley Manning wirkt auf dem Foto harmlos. Gemäss verschiedenen Medienberichten soll er aber derjenige sein, der für die Veröffentlichung der über 90'000 geheimen Dokumente über den Afghanistan-Krieg verantwortlich ist. Zurzeit steht er in Kuwait vor einem US-Militärgericht. Von Manning soll auch das Video des US-Helikopterangriffs auf Zivilisten in Bagdad stammen.

Manning war ursprünglich 40 Kilometer östlich von Bagdad stationiert gewesen. Seine Aufgabe war es, für die Armee geheimes Informationsmaterial zu durchforsten und zu analysieren. «ABC News» vermutet, dass er dank seiner hohen Sicherheitsstufe Zugang zu derart heiklem Material hatte, dass die Informationen ihn überforderten und schliesslich desillusionierten.

Manning vertraut sich einem Hacker an

Obwohl er ein Geheimnisträger der obersten Stufe war, hätte Manning darauf im Internet jemanden gesucht, dem er sich anvertrauen konnte. So sei er an den ehemaligen Hacker Adrian Lamo geraten. Manning sei vermutlich davon ausgegangen, dass Lamo wegen seiner Vergangenheit die richtige Person sei, um über solche vertraulichen Informationen zu reden.

Wie jetzt Protokolle von Online-Chats und E-Mails zeigen, soll Manning Lamo gefragt haben, was er tun würde, wenn er acht Monate lang unbeschränkten Zugang zu geheimen militärischen Netzwerken hätte. Er habe so «unglaublich schreckliche Dinge entdeckt». Solche Sachen müssten an die Öffentlichkeit gebracht werden und dürften nicht einfach auf irgendeinem Server in einem dunklen Zimmer in Washington D.C. gespeichert werden. In einem solchen Online-Gespräch liess Manning anscheinend auch durchsickern, dass er derjenige gewesen sei, der 2007 das Video des Helikopterangriffs in Bagdad an Wikileaks weitergegeben habe.

Kopien als Lady-Gaga-CD getarnt

Der ehemalige Sicherheitsanalyst hat Lamo auch erzählt, wie er vorgegangen war. So sei er jeweils mit einer leeren CD in der Hülle einer Musik-CD von Lady Gaga ins Büro und habe so getan, als würde er zu den Liedern mitsingen, während er die Daten kopiert habe. Dass Manning das so einfach tun konnte, sei gemäss Lamo erst durch die unglaublich schlechte Sicherung der militärischen Netzwerke möglich gewesen.

Über das Motiv des Informanten mutmasst Lamo, dass sich Manning sozial völlig isoliert gefühlt habe. Er sei zunehmend mit seinen Vorgesetzten in Konflikt geraten, weil er die Entwicklung der Kriege im Irak und in Afghanistan infrage gestellt habe.

Der Hacker verpfeift den Informanten

Die Behauptung Mannings, dass er bereits rund 250'000 vertrauliche Dokumente kopiert habe, wurde Lamo schliesslich zu viel. Wie die britische Zeitung «Telegraph» schreibt, sei er daraufhin mit den Chat-Protokollen zum FBI gegangen. Der ehemalige Hacker hätte befürchtet, dass Mannings Informationen das Leben von US-Soldaten gefährden könnten.

Gemäss «Telegraph» glaubt Lamo nicht, dass der junge Analyst der US-Armee alleine gehandelt hat. Seiner Meinung nach soll Manning nicht über das nötige technische Wissen verfügen, um an alle Informationen zu gelangen, die er behauptete zu haben.

Bradley Manning wurde im May 2010 festgenommen und sitzt in Kuwait in einem US-Militärgefängnis. Er wird angeklagt, Geheiminformationen veröffentlicht zu haben. Wikileaks-Gründer Julian Assango weigert sich zu bestätigen, dass Manning der Informant im US-Militär ist.

(mt)

Erstellt: 27.07.2010, 10:41 Uhr

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