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Wie die US-Armee im Irak Kriegsmaterial verschenkt

Aktualisiert am 11.11.2011 45 Kommentare

Beim Abzug aus dem Irak hat sich für die US-Armee besonders die Ausfuhr des Materials als logistische Knacknuss erwiesen. Deshalb hat sie bereits Geräte im Wert von 250 Million Dollar zurückgelassen.

Millionen Dollar an Material: Auf dem Stützpunkt Camp Victory abgestellte Fahrzeuge der US-Armee.

Millionen Dollar an Material: Auf dem Stützpunkt Camp Victory abgestellte Fahrzeuge der US-Armee.
Bild: AFP

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Die US-Militärbasis Balad nördlich von Bagdad umfasst eine Gesamtfläche von etwa 39 Quadratkilometern. Nebst dem grössten Militärflugplatz der US-Streitkräfte im Irak verfügt der Stützpunkt über drei fussballfeldgrosse Esshallen, ein Hallenbad mit Sprungturm, mehrere Sportzentren und ein Kino. Balad ist eine von Hunderten von Basen, für deren Bau die US-Armee zwischen 2004 und 2010 laut dem Pentagon mehr als 2,4 Milliarden US-Dollar ausgegeben hat. Mit dem bevorstehenden Abzug der Truppen aus dem Irak stellt sich nun die Frage, was damit geschieht.

In etwas mehr als drei Monaten sollen die US-Streitkräfte aus dem Irak abgezogen sein. Dies stellt die Armee vor eine logistische Aufgabe sondergleichen. Eine Aufgabe, der sie offenbar so weit wie möglich aus dem Weg gehen will. Wie das US-Magazin «Huffington Post» berichtet, hat das Verteidigungsministerium bereits vor einem Jahr damit begonnen, den Irakern im grossen Stil Material zu schenken. Material, nota bene, welches mit US-Steuergeldern angeschafft worden war.

Transportkosten sparen

Wie der Sprecher der US-Streitkräfte im Irak, Barry Johnson, gegenüber dem Magazin bekannt gab, sind von den ursprünglich 505 Militärposten und -Stützpunkten momentan lediglich noch 39 im Besitz der US-Streitkräfte. Statt dass man die nicht mehr benötigten Basen zurückbaute und das Material in die Vereinigten Staaten schaffte, überliess man diese mitsamt den Gerätschaften dem irakischen Staat oder, wie in manchen Fällen, Plünderern.

Der Hauptgrund für die grosszügige Geste dürfte vor allem das Sparen von Transportkosten für die Rückführung sein. Zwischen September 2010 und August dieses Jahres hat das Verteidigungsministerium der USA somit bereits Material mit einem geschätzten Wert von 250 Millionen Dollar verschenkt. Gemäss dem Logistikchef der Streitkräfte, Thomas Richardson, war aber bereits vor dem Bekanntwerden des Abzuges Equippment für rund 160 Millionen weggegeben worden. Bei den Beträgen geht Richardson vom Wiederverkaufswert der Ware aus. Der Anschaffungspreis wird einiges höher liegen.

Toilettenhäuschen und gepanzerte Fahrzeuge

Ausgeführt werden nur gerade die teuersten Sachen sowie schwere Waffensysteme. Im Irak bleibt der ganze Rest: Gewehre, Splitterschutzwesten und gepanzerte Fahrzeuge. Wohncontainer, Klimaanlagen und Betten. Benzingeneratoren, Kühlschränke und Toilettenhäuschen. Noch hat Oberbefehlshaber Barry Johnson etwa 800'000 Posten auf der Liste jener Ausrüstungsgegenstände, welche bis in drei Monaten aus dem Land gebracht werden müssten. Johnson spricht von einer Herkulesaufgabe, die in dieser Zeit kaum zu bewältigen sei.

Realistisch gesehen müssten die USA die Liste zudem noch um einige Seiten erweitern. Denn laut eines Untersuchungsausschusses des Kongresses hat sich seit 2003 das Armeematerial im Irak beinahe unkontrolliert angehäuft. Gegenstände seien entweder in den Stützpunktbüchern nicht verzeichnet worden oder abziehende Einheiten hätten manchmal einfach Seriennummern abschleifen und Erkennungsmarken demontieren lassen, um die Sachen zurücklassen zu können.

Die grossen Basen sind noch nicht geräumt

Mitten in der amerikanischen Schuldenkrise kommt die Diskussion um das verschenkte Material zu einem reichlich ungünstigen Zeitpunkt. Die Frage, ob die USA auch nach dem offiziellen Abzug in Form von Armeeausbildnern in den Irak investieren sollen, ist laut der «New York Times» höchst umstritten. Das Ausmass der Materialschlacht und die verschwenderische Schenkpolitik sorgt für einige rote Köpfe.

Zum einen handelt es sich laut der «Huffington Post» beim verschenkten Armeematerial teilweise um solche Geräte, welche der Nationalgarde nach dem Hurrikan Kathrina 2005 teils fehlten, um beispielsweise der Flutkatastrophe Herr zu werden. Zum anderen dürfte der wenig optimistische Ton von Barry Johnson bezüglich der Ausfuhr von Equipment darauf hindeuten, dass die US-Armee auch in den kommenden Monaten noch so einiges an Steuergeldern verschenken werden. Die grössten Stützpunkte, etwa die Basis Balad, sind nämlich noch nicht geräumt. (kpn)

Erstellt: 26.09.2011, 21:12 Uhr

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45 Kommentare

Patrick Meier

26.09.2011, 21:26 Uhr
Melden 80 Empfehlung

Schon nach dem zweiten Weltkrieg wurden von den Amerikanern massenweise, teils ungebrauchte, Ware hier in Europa zurückgelassen bzw. zu Schleuderpreisen abgestossen. Der Rücktransport wäre zu Kostspielig gewesen. Offensichtlich wurde nichts dazu gelernt. Freuen tut es heute wie damals findige Geschäftsleute die daraus ihr Kapital schlagen werden. Antworten


Thomas Tschan

26.09.2011, 22:54 Uhr
Melden 74 Empfehlung

Eine hervorragende Strategie der Amerikaner - so lässt sich von den Republikanern zu Hause die nächste Sinnlos-Aufstockung des Militäretats legitimieren, man braucht ja schliesslich wieder neues Material. Ich bin gespannt, welches Land die USA als nächstes unter dem Deckmantel des "Feindes der Demokratie" attackieren. Antworten



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