Ausland
Wettkampf der besseren Hälften
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 17.04.2012 3 Kommentare
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Das Hauptinteresse an der amerikanischen Präsidentschaftswahl mag der Frage gelten, wer Präsident wird. Der Präsident aber lebt zumeist nicht allein im Weissen Haus, sondern mit der First Lady. Und erstmals entbrannte in den vergangenen Tagen eine amerikanische Diskussion über die Qualitäten der beiden Bewerberinnen Michelle Obama und Ann Romney, die Frau des wahrscheinlichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney.
Frau Romney, so hetzte die demokratische Strategin Hilary Rosen, habe «in ihrem ganzen Leben nicht einen einzigen Tag gearbeitet» und sei mithin unfähig, die «wirtschaftlichen Anliegen zu verstehen, mit denen eine Mehrheit der Amerikanerinnen konfrontiert ist». Daraufhin erhob sich ein Sturm der Entrüstung, selbst Rosens demokratische Parteifreunde rückten eiligst von ihr ab. Ann Romney wiederum verteidigte sich als Mutter von fünf Söhnen, die sie grossgezogen habe: «Glauben Sie mir, das war harte Arbeit».
Streit über Privilegien und Frauenarbeit
Man glaubt es ihr schon, doch half es nicht im Geringsten, dass Gatte Mitt noch im Januar bei einer Wahlveranstaltung in New Hampshire «die Würde der Arbeit» gepriesen hatte – für arme Frauen mit Kindern allerdings. Wer ein Kind im Alter von zwei Jahren habe und vom Staat Sozialfürsorge erhalte, müsse «zur Arbeit gehen», befand Romney. Die Frau an seiner Seite zehrt dagegen von des Gatten Viertelmilliarde Dollar Vermögen, sie reitet, um sich zu entspannen – und arbeitete tatsächlich niemals.
Der Streit über Privilegien und Frauenarbeit rückte einmal mehr ins Schlaglicht, welche Art von First Lady die Amerikaner eigentlich wollen – eine eher emanzipierte oder eine, die frei nach Tammy Wynettes Country-and-Western-Schmonzette «Stand by Your Man» stets und unweigerlich ihrem Mann beisteht. Sogar wenn dieser die Ehefrau im Stil Bill Clintons wie eine Fussmatte behandelt. Was das Arbeiten ausser Haus angeht, gehört Ann Romney einer kleinen Minderheit an: Von allen im 20. Jahrhundert geborenen First Ladies verweigerte sich neben ihr nur Mamie Eisenhower der «Würde der Arbeit».
Lehrerin, Reporterin, Schauspielerin
Immerhin aber zog Mamie als Frau eines Soldaten und späteren Präsidenten geschlagene 28 Mal um und verbrachte während des Zweiten Weltkriegs Jahre im Hotel, derweil der General in Grossbritannien ein knisterndes Verhältnis zu seiner Fahrerin Kay Summersby pflegte. Der Rest der First Ladies arbeitete, zumindest in Ansätzen und dann und wann: Jackie Kennedy als Reporterin, Ladybird Johnson als Besitzerin einer texanischen Radiostation, Pat Nixon in vielerlei Positionen, Nancy Reagan als Schauspielerin, Barbara Bush als junge Frau in einer Fabrik, ihre Schwiegertochter Laura, die Frau George W. Bushs, als Lehrerin und Bibliothekarin.
Betty Ford war ein Model, Rosalynn Carter malochte schon als Teenie bei einem Friseur. Und Michelle Obama sowie Hillary Clinton gingen als Anwältinnen in die grosse weite Welt hinaus, wo die «Würde der Arbeit» winkt. Mehr als durch Arbeitserfahrungen ausser Haus oder das Fehlen derselben aber wird die First Lady durch ihre Haltung gegenüber dem Gatten definiert: Unterwürfig und selbstbescheiden wie Mamie Eisenhower oder Pat Nixon, selbstbewusst und fordernd wie Abigail Adams, die Frau des zweiten Präsidenten John Adams. «Vergesst die Ladies nicht und seid grosszügiger und positiver als eure Vorfahren!», beschwor sie John brieflich, als der zu den Beratungen über die politische Struktur der neuen Nation 1776 in Philadelphia weilte.
«Zwei zum Preis von einem»
Es gab First Ladies wie Dolley Madison, die selbstbewusste Frau von James Madison, die sich als Gastgeberin in Washington einen Namen machte – und solche wie Martha Washington oder Bess Truman, die brav das Kreuz der Präsidentschaft ihres Gatten trugen. Kein Bewerber um das höchste Amt im amerikanischen Staat aber verkaufte seine Ehefrau ähnlich frech wie Bill Clinton: Wer ihn wähle, so Clinton 1992, bekomme «zwei zum Preis von einem», da die Gattin eben eine höchst formidable Person sei. Hillary wiederum verprellte die Verehrerinnen von Barbara Bush, deren Ehemann George der Gegner Bill Clintons war, als sie frech bekannte, nicht im Weissen Haus herumsitzen und Tee servieren und Plätzchen backen zu wollen.
Mit Hillary zog eine feministische Note ins Weisse Haus ein, obschon sie ihren Bill niemals ähnlich im Griff hatte wie Nancy Reagan ihren Ronald. Der fragte die von ihm hoch verehrte Gattin stets auch um politischen Rat und behauptete, Männer hätten nur dank der zivilisierenden Kraft der Frauen ihre Höhlen verlassen. Nun also darf wieder einmal gegenübergestellt werden: Auf der einen Seite Ann Romney, Tochter eines Einwanderers aus Wales, die niemals «die Würde der Arbeit» erlebte, vom Gatten jedoch heiss geliebt wird.
Und auf der anderen Seite steht Michelle Obama, gleichfalls eine Mutter, die eine formidable Karriere hinter sich hat und ausserdem petzte, dass des Ehemanns Füsse nicht immer gut dufteten. Als erste schwarze First Lady hat sie bereits Geschichte geschrieben, auch drängt sich bisweilen der Gedanke auf, sie bilde einen Gutteil von Barack Obamas Rückgrat. Man ahnt, dass die Beziehung der Romneys konventioneller ist, und wüsste mehr, falls Ann und Mitt im Januar 2013 ins Weisse Haus einzögen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.04.2012, 14:04 Uhr
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3 Kommentare
Ich hoffe sehr,Obama gewinnt!Wäre er nicht unter dem Joch der reichen Rebuplikaner in den Räten,er könnte viel mehr erreichen,aber da werden ihm rechte Betonklötze vor die Füsse geworfen!Vieles liegt nicht an Obama sondern nur an den Rebuplikanern und wird noch der Präsident von denen gewählt,tut mir das Volk der USA sehr leid!Das Volk hätte sich das selbst eingebrockt leider! Antworten
Und wieso wird nicht Eleanor Roosevelt erwähnt? Es heisst, dass die Frau von F. D. Roosevelt, dem angeblich grössten US-Präsidenten nach Lincoln, viel einflussreicher als der Präsident selber gewesen sei. Dabei hat sie sich wie kaum eine First Lady vor ihr für eine soziale Gesellschaft, Menschen- und Frauenrechte engagiert. Und nach dem Tod ihres Mannes 1945 war sie US-Diplomatin in der UNO. Antworten
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