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Ausland

Wer bei den Obamas das Sagen hat

Von Nina Merli. Aktualisiert am 10.01.2012 11 Kommentare

Heute erscheint das Enthüllungsbuch «The Obamas» der US-Journalistin Jodi Kantor. Es soll zeigen, wie gross Michelle Obamas Einfluss auf ihren Mann und warum sie anders als die anderen First Ladies ist.

1/6 Neben jedem grossen Mann steht eine starke Frau: Die US-Präsidentengattin würdigt an der offiziellen Zeremonie in Fort Bragg das Ende des Irak-Krieges. (14.12.2011)
Bild: Reuters

   

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Weiss, wie die Obamas funktionieren:
Jodi Kantor, geboren 1975, ist Journalistin und schreibt seit 2003 für die «New York Times». Als Washington-Korrespondentin ihrer Zeitung berichtet sie seit 2007 vor allem über gesellschaftspolitische Themen. Besondere Beachtung finden ihre Artikel über das amerikanische Präsidentenpaar. Jodi Kantor lebt mit ihrer Familie in New York.

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«Sie ist Bill Clinton und er ist Hillary.» Dieser Satz fasst zusammen, was die «New York Times»-Korrespondentin Jodi Kantor in ihrem heute erschienenen Buch «Die Obamas – ein öffentliches Leben» auf über 400 Seiten über das Ehepaar Obama zusammengetragen hat.

Für ihre Recherchen hat die Autorin mit 33 aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern des Weissen Hauses gesprochen. Das Bild, das Kantor vom Power-Couple zeichnet, schmeichelt dem US-Präsidenten nicht sehr. Denn es impliziert, dass der Einfluss Michelle Obamas auf ihren 50-jährigen Gatten nicht nur in privaten Angelegenheiten sehr gross ist. Hätte sie 2007 ihrem Mann nicht grünes Licht zur Präsidentschaftswahl gegeben, so wäre Barack Obama gar nicht erst angetreten. «Sie ist Bill Clinton und er ist Hillary», auf diese Weise habe ihr, Jodi Kantor, eine «gute Quelle» das Verhältnis von Barack und Michelle Obama beschrieben, sagte die Autorin in einem Interview mit dem «Chicago Magazine».

Streit mit Obama, Streit mit seinen Beratern

Seit sechs Jahren verfolgt die Journalistin die Auftritte des US-Präsidenten und seiner Gattin, auch hatte sie die Gelegenheit, beide unabhängig voneinander zu interviewen – allerdings nicht im Zusammenhang mit Recherchen zu ihrem aktuellen Buch. Sie hatte sogar Einblick in die Chicagoer Eigentumswohnung der Obamas, wo sie vor ihrem Einzug ins Weisse Haus lebten. Eine ziemlich kleine Wohnung, wie die Autorin im Interview betont, mit einer äusserst kleinen Garderobe, kaum zu glauben, dass «Michelle darin Platz für ihre Kleider hatte».

Doch dies sind nur unwichtige, allenfalls unterhaltende Details. Interessant sind vor allem die Schilderungen Kantors über anhaltende Konflikte Michelle Obamas mit engsten Beratern ihres Mannes. So war ihr zum Beispiel seit dem Einzug ins Weisse Haus der damalige Stabschef Emanuel Rahm ein Dorn im Auge gewesen. Dieser habe die Umsetzung von Obamas Politik (allem voran seine Gesundheitsreform) nur in kleinen Schritten gefördert, was Michelle zunehmend frustriert habe. Laut Kantor sei es Michelle Obama wichtiger gewesen, sich selbst treu zu bleiben, als um jeden Preis eine Wahl zu gewinnen, zitierte die «New York Times» vor einigen Tagen aus dem Buch. Sie habe aus ihrer Abneigung kein Geheimnis gemacht und sich zunehmend gegen Rahm gestellt. Die ständigen Spannungen motivierten Rahm zu einem baldigen «Jobwechsel»: Er verliess das Weisse Haus, um Bürgermeister von Chicago zu werden.

Doch nicht nur von Michelles äusserst aktiver Einbindung in die Politik ihres Mannes ist im Buch die Rede, sondern auch von lautstarken Ehekrächen in den Fluren des Präsidentensitzes und von Auseinandersetzungen mit dem ehemaligen Pressesprecher Robert Gibbs, den Michelle Obama regelmässig zur Weissglut gebracht haben soll. Und auch von geheimen rauschenden Partys – etwa eine von Tim Burton inszenierte Halloween-Party mit hochkarätigen Gästen wie Johnny Depp oder George Lucas.

Kaum erschienen, bereits Skandal

Gar nicht erfreut über Kantors Enthüllungsbuch zeigte sich das Weisse Haus, das letzte Woche offiziell Stellung zum Inhalt nahm. «Dieses Buch, eine Überzeichnung von alten Begebenheiten, beschreibt eine Beziehung von zwei Menschen, mit denen die Autorin seit Jahren nicht mehr gesprochen hat», liess Pressesprecher Eric Schultz in einem Communiqué verlauten. Die im Buch beschriebenen Emotionen, Gedanken und privaten Momente, die dem Präsidenten oder der First Lady zugesprochen werden, brächten «nicht mehr als die eigenen Gedanken der Autorin zum Ausdruck», heisst es im Schreiben weiter. Und auch die Geheimhaltung der umstrittenen Party sei der Fantasie der Autorin entsprungen. Ansonsten hätte das Weisse Haus kaum Pressevertreter zum Fest eingeladen und ein Video des Anlasses auf die Homepage des Weissen Hauses geladen, so Schultz.

Jodi Kantor wehrt sich gegen das Dementi des Weissen Hauses und hält in einem Interview in der «Today Show» des Senders NBC an ihren im Buch aufgedeckten Fakten fest. Und bemängelt, dass in der ganzen Diskussion der eigentliche Kernpunkt ihres Buches, nämlich die Wandlung von Michelle Obama zur First Lady und ihres damit verbundenen unermüdlichen Einsatzes, völlig untergegangen sei. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.01.2012, 13:54 Uhr

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11 Kommentare

Hans Iseli

10.01.2012, 15:02 Uhr
Melden 36 Empfehlung

Ich habe irgendwie den Eindruck, dass Journalisten und politische Schreiber ausschliesslich die schwarze Brille tragen und mit der Lupe nach allem suchen, was sich aufbauschen lässt. Bleibt da nicht der einfache menschliche Anstand, die minimale Achtung vor dem Nächsten, zwangsläufig auf der Strecke? Antworten


Konrad Meissner

10.01.2012, 14:06 Uhr
Melden 32 Empfehlung

Wer bei den Obamas das Sagen hat? Die Wallstreet! Antworten



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