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Verordnete Lustlosigkeit
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 09.05.2012 185 Kommentare
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Getrieben von sozialkonservativen Christen zieht die Republikanische Partei in amerikanischen Bundesstaaten neuerlich in die Schlacht gegen die vermeintlich sexuelle Libertinage sowie die seit 1973 durch ein höchstrichterliches Urteil verbriefte Abtreibungsfreiheit. Indem sie einem befruchteten Ei den Status einer Person zuweisen möchte, versucht die sogenannte Personhood-Bewegung jegliche Abtreibungen als Mord an ungeborenem Leben zu kriminalisieren.
Im Südstaat Alabama ermöglicht ein Gesetz über die «chemische Gefährdung» von Kindern und Ungeborenen zudem die Inhaftierung von Frauen, deren Babys wegen ihres Drogenkonsums während der Schwangerschaft krank geboren wurden oder starben. So verurteilte ein Gericht in dem konservativen Staat die 32-jährige Amanda Kimbrough zu zehn Jahren Haft, nachdem ihr Frühchen kurz nach der Geburt gestorben war und ein Test Spuren von Methamphetamin ergeben hatte.
Sexuelle Abstinenz im Mittelpunkt
Im Staat Oklahoma scheiterte ein Personhood-Gesetz vergangene Woche am obersten Staatsgericht: Zwar hatte eine entsprechende Vorlage den Staatssenat bereits passiert, das Gericht aber erkannte, dass das Gesetz mit der Abtreibungsfreiheit unvereinbar und deshalb rechtswidrig sei. In mehreren anderen US-Staaten sind derzeit Bestrebungen im Gang, ein befruchtetes Ei zur Person zu erklären. In Virginia scheiterten republikanische Abtreibungsgegner im März nur knapp mit einem Gesetz, wonach sich Frauen vor einer Abtreibung einer vaginalen Ultraschalluntersuchung hätten unterziehen müssen. Nach einem Aufschrei von Frauenverbänden und Demokraten knickte der republikanische Gouverneur des Staats ein und kassierte das Gesetz.
In Tennessee verabschiedete das Staatsparlament unterdessen in der letzten Woche ein Gesetz, das sexuelle Abstinenz in den Mittelpunkt der Sexualkunde an Schulen stellt und Eltern erlaubt, gegen einen Lehrer zu klagen, wenn dieser «die Tür zu sexueller Aktivität» öffnet. Als Türöffnung gilt dem neuen Gesetz zufolge jeder «sexuelle Kontakt, der ein Individuum zu nicht-abstinentem Verhalten ermutigt». Da die Duldung derartiger «Kontakte» gleichfalls verboten ist, macht sich in Tennessee womöglich strafbar, wer als Lehrer einen Kuss oder das Händchenhalten von Schülern übersieht. Beides könnte als «Türöffnung» zu verbotener sexueller Aktivität gedeutet werden.
Das Thema Homosexualität ist in Schulzimmern tabu
Bereits zuvor hatte der Senat Tennessees eine Vorlage verabschiedet, laut der in Elementar- und Mittelschulen in den Lehrbüchern sowie im Unterricht nur Heterosexualität diskutiert werden darf. Nach starker Opposition wurde die Vorlage zurückgezogen, ehe sie der zweiten Kammer des Staatsparlaments zur Verabschiedung zugestellt werden konnte. Im Staat Wisconsin unterschrieb der republikanische Gouverneur Scott Walker hingegen ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz, das die Behandlung von Empfängnisverhütung und Pubertät im Rahmen des Sexualkundeunterrichts nicht mehr zwingend vorschreibt und sexuelle Abstinenz empfiehlt.
Ein gleichartiges Gesetz im Staat Utah verbot jegliche Behandlung von Empfängnisverhütung und vorehelichem Sex sowie «den Feinheiten des Geschlechtsverkehrs, der sexuellen Stimulierung oder des erotischen Verhaltens» im Unterricht, wurde jedoch vom Gouverneur des Staats mit einem Veto belegt. In anderen US-Staaten sind ähnliche Vorlagen in den Parlamenten anhängig. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.05.2012, 21:24 Uhr
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185 Kommentare
Das passt doch wunderbar: Der Schutz des ungeborenen Lebens, damit man "es" in d.Krieg schicken kann! Die USA haben ja keine anderen Probleme als Keuschheit, 18 Selbstmorde/Tag von Kriegsveteranen, 20% unter d.Armutsgrenze, die höchste Rate weltweit bei Jugendlichenschwangerschaften, Abtreibungsgegner morden abtreibende Aerzte usw. Alles so schööön christlich. Die "Hexen" werden d.Nächsten sein... Antworten
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