USA starten Volkszählung
In den USA beginnt am Montag eine gross angelegte Volkszählung. In einer mehrmonatigen Aktion sollen alle rund 308 Millionen Einwohner erfasst werden - einschliesslich der vermutlich knapp elf Millionen, die sich illegal in «God's Own Country» aufhalten. Dabei handelt es sich nicht nur um eine rein bürokratische Veranstaltung. Wichtige politische Schlussfolgerungen hängen von der Zählerei ab - unter anderem die künftige Sitzverteilung in den beiden Parlamentskammern.
Auch sonst könnte die Zählung gravierende Auswirkungen auf die amerikanische Gesellschaft haben. So hängt etwa die Höhe von Bundeszuschüssen zu kommunalen Dienstleistungen wie Spitälern und Schulen von den Ergebnissen ab. Dabei geht es immerhin um rund 500 Milliarden Dollar.
Leben oder Tod
Für einen Amerikaner könnte die Volkszählung sogar über Leben oder Tod entscheiden: Floyd Wayne Williams, ein Afroamerikaner, ist in Georgia wegen Doppelmordes angeklagt, ihm droht die Todesstrafe. Seine Anwälte wollen das Verfahren jetzt stoppen.
Ihr Argument: Der Anteil der Schwarzen unter den Geschworenen im Prozess sei niedriger als der in der Bevölkerung des Bundesstaates. Sollte der neue Zensus das bestätigen, könnte die Jury «schwärzer» und damit - so hofft zumindest die Verteidigung - die Chance für einen Freispruch grösser werden.
In den USA gibt es seit 1790 alle zehn Jahre einen Zensus - das ist von der Verfassung so vorgeschrieben. Jetzt werden erst einmal Fragebögen an alle Haushalte geschickt. Die zehn Fragen zu Alter, Geschlecht, Herkunft und ethnischer Zugehörigkeit muss jeder beantworten.
Wer nicht rasch die Post zurückschickt, muss mit Besuch rechnen. Gut 700'000 «Census Takers» - Volkszähler - sollen bereitstehen, um auszuschwärmen und säumigen Einwohnern auf die Sprünge zu helfen. (vin/sda)
Erstellt: 14.03.2010, 23:26 Uhr















Die Welt in Bildern













