Ausland
Tee oder Kaffee?
So präsentieren sie sich auf YouTube: Coffee Party Movement.
Seine Leute schlagen zurück: Barack Obama. (Bild: Keystone)
Ihr hört die Tea Party ganz genau zu: Republikanerin Sarah Palin. (Bild: Keystone)
Duellieren sich um die Meinungsführerschaft in den USA: Tea und Coffee Party.
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Die «Tea Party Bewegung» ist ernst zu nehmen, überholt sie doch seit einigen Monaten die Republikaner von rechts. Die «Kaffeefreunde» wollen nun Amerika wachrütteln, um wieder Bewegung in die festgefahrene Politik zu bringen. Sie wollen eine parteiübergreifende Zusammenarbeit, um endlich Barrieren für Gesundheitsreform oder Klimaschutz zu überwinden.
Das «Coffee Party Movement» startet am Samstag eine landesweite Gründungsinitiative. Der Krieg der Heissgetränke läutet in den USA den nächsten Wahlkampf ein. «Lasst uns eine Kaffee-Party gründen, Smoothie-Party, Red Bull Party - alles, nur nicht Tee», rief vor einigen Wochen die Dokumentarfilmerin Annabel Park auf. Genervt von der rhetorisch Anti- Obama-Hetze der «Tea Party» tat die 41-Jährige ihrem politischen Frust auf ihrer Facebook-Seite im Internet Luft. «Lasst uns zusammen Cappuccino trinken und einen wirklichen politischen Dialog mit Substanz und Leidenschaft führen.»
Teeladungen im Hafenbecken
Seit Monaten dröhnt die konservative Graswurzel-Bewegung «Tea Party Movement» gegen den «Sozialisten» Barack Obama und seinen «übermächtigen Staat». Ihre Wut richtet sich gegen Lieblingsfeinde wie Steuererhöhungen oder die Gesundheitsreform.
Der Name der Bewegung geht zurück auf die Bostoner «Tea Party» von 1773. Siedler der neuen Welt lehnten sich damals gegen Steuerpläne ihrer britischen Kolonialherren auf. Aus Protest gegen die britische Herrschaft warfen die Revolutionäre Teeladungen ins Hafenbecken.
Sprachrohr der heutigen Möchtegern-Tee-Revolutionäre ist vor allem ihre Gallionsfigur, die erzkonservative Ex- Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin.
«Tea-Party repräsentiert nicht Amerika»
Die Tee-Kampagne stiess Dokumentarfilmerin Park auf. «Ihre Rhetorik schreckt viele Menschen in Amerika ab», schrieb sie über die «Tea Party». Sie verhindere eine wirkliche Diskussion, und die sei es schliesslich, die die amerikanische Politik brauche, um endlich ein Stück weiterzukommen.
In einem «You Tube»-Video liess die zierliche, aus Korea stammende Frau Dampf über ihren Kaffeebecher ab: «Die Tea-Party repräsentiert nicht Amerika.» Binnen weniger Tage bekam Park soviel Zuspruch von Gleichgesinnten, dass sie eine eigene Fan-Seite im Netz kreierte: «Trete dem Coffee Party Movement bei» («Join the Coffee Party Movement»), heisst sie.
Bis Freitag hatten darauf schon über 110'550 Fans reagiert. «Ich habe lange nach einem Refugium wie diesem gesucht», schreibt ein Texaner. «Ich kann einfach nicht glauben, dass die Tea Party für alle patriotischen Amerikaner spricht.»
«Ausdruck unseres gemeinsamen Willens»
Die Fans, die sich stündlich vermehren, kritisieren aber nicht nur die Tee-Bewegung. Sie vermissen die politische Kultur, die Präsident Obama ihnen versprochen hat und die ihrer Meinung nach durch viele Politiker unterbunden wird.
«Wir meinen, dass die Regierung nicht der Feind der Bevölkerung ist, sondern der Ausdruck unseres gemeinsamen Willens und dass wir an dem demokratischen Prozess teilnehmen müssen, um den Herausforderungen an uns Amerikaner zu begegnen», deklarieren sie.
Am Samstag wollen die Wachmacher diesen Prozess auf eine solide Basis stellen: Im ganzen Land sollen sich Anhänger der neuen Bewegung in virtuellen oder realen Cafés zum Kränzchen zusammen schliessen, um den Teetrinkern einen in ihren Kaffee zu tun. (sam/sda/)
Erstellt: 12.03.2010, 22:23 Uhr
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