Ausland
Mitt Romney und seine Steuern – die Schweiz inmitten des US-Wahlkampfs
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 25.08.2012
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Mitt Romney gilt als einer der reichsten Präsidentschaftskandidaten der US-Geschichte. Immer neue Details über das Vermögen des ehemaligen Chefs der Verteilungsfirma Bain Capital gelangen an die Öffentlichkeit – und sie bestätigen die Vorurteile des superreichen Steueroptimierers Romney, der sein Geld in der Schweiz und der Karibik parkiert. So sind diese Woche dem Blog «Gawker» 1000 vertrauliche Aktenseiten zugespielt worden, die weitere Details der obskuren Finanzgeschäfte Romneys aufzeigen.
Sein Vermögen hat er als «Heuschrecke», als CEO bei Bain Capital, verdient. Die Dokumente bestätigen erneut, dass er dabei keinen Trick ausgelassen hat, um möglichst wenig Steuern zu bezahlen. Aus den Dokumenten geht auch hervor, dass es möglicherweise geschäftliche Verbindungen zwischen Romneys Ehefrau und dem Casino-Mogul Sheldon Adelson gibt. Dieser gilt als wichtigster Mäzen des Wahlkampfes der Republikaner.
Schweizer Folklore und Steuerhinterziehung
Das Video heisst «Romney Girl». Darin tanzt neben einem Double des republikanischen Präsidentschaftskandidaten eine junge Frau im Dirndl und mit Zöpfen zu den Tönen von «I'm a Barbie Girl», einem Hit aus den 1990er-Jahren. Doch es geht nicht um Kitsch, sondern um Politik. Die junge Frau heisst nämlich «Miss Swiss Bank Account». «Ich bin ein Romney-Girl, in einer Romney-Welt. Das Leben ist steuerlos. Es ist fantastisch», trällert sie.
Schweizer Folklore in Zusammenhang mit Romney und superreichen Steuerhinterziehern wird zum festen Bestandteil des US-Wahlkampfes. Das Romney-Girl-Video ist bloss das letzte Beispiel. Auch die «Daily Show» von Jon Stewart hat Sketche in diese Richtung ausgestrahlt. Die Wirkung für das Image der Schweiz ist verheerend. «Romney Girl» ist ein Renner auf Youtube, die «Daily Show» die inzwischen erfolgreichste Comedy- und Politshow der USA. Kein Wunder, reagiert die offizielle Schweiz nervös.
Proteste der Schweizer Botschaft helfen nicht
Gegenüber der Nachrichtenagentur DPA hat das Aussenministerium bestätigt, sich beim Wahlkampfhauptquartier von Barack Obama beschwert zu haben. Das ist jedoch sinnlos. Der immer dreckiger werdende US-Wahlkampf wird mehrheitlich von sogenannten Super-Pacs (Political Action Committees) finanziert, zu denen die Kandidaten offiziell keine Verbindung haben dürfen. Auch das «Romney Girl»-Video wurde von einer politischen Non-Profit-Organisation hochgeladen, die sich The Agenda Project nennt. Man kann davon ausgehen, dass die Demokraten das Thema Romney/Schweiz noch lange nicht ausgereizt haben.
Im Vorfeld des Parteitages der Republikaner wird zudem immer deutlicher, wie klar sich die Partei inzwischen auf die Seite der Superreichen geschlagen hat. So liebäugelt sie neuerdings mit der Wiedereinführung des Goldstandards, dem Hauptanliegen ihres ewigen Präsidentschaftskandidaten Ron Paul. Paul galt bisher selbst bei den Republikanern als Aussenseiter, den man nicht wirklich ernst nehmen kann. Das beginnt sich zu ändern.
Beim Gold sind sich die Republikaner einig
Die republikanische Abgeordnete Marsha Blackburn, die ein Komitee zur Wiedereinführung des Goldstandards präsidiert, erklärt nun: «Die Frage des Goldstandards ist nicht wieder aufgenommen worden, um die Anhänger von Ron Paul zu beglücken. Sie ist aufgenommen worden, weil alle Republikaner sich darin einig sind.»
Es wird interessant, was Romney zu den neusten Goldplänen seiner Partei sagen wird. Sein Vize Paul Ryan ist ein bekennender Goldfan und gilt mittlerweile als das wirtschaftspolitische Gehirn der Republikaner. Romney ist bekanntlich flexibel, so flexibel, dass selbst der konservative «Economist» spottet, er könnte beim Flip-Floppen eine Goldmedaille gewinnen, sollte es einst eine olympische Disziplin werden. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.08.2012, 18:30 Uhr
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