Ex-Guerillera soll den Machismus beerdigen
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«Wir haben die Diskriminierung von Frauen besiegt. Sie existiert nur noch in den Köpfen von ein paar Reaktionären.» Mit diesen Worten präsentiert der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva seine designierte Nachfolgerin Dilma Rousseff. Sie soll nach seinem Wunsch das erste weibliche Staatsoberhaupt des grössten und einflussreichsten lateinamerikanischen Landes werden und mit der Kultur des Machismus ein für alle Mal aufräumen.
Kritik, dass es der 62-Jährigen an der Qualifikation für die Präsidentschaft fehle, weist Lula da Silva im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP zurück. «Wenn Dilma unfähig wäre, wenn sie Probleme hätte, dann hätte ich sie nicht vorgeschlagen», betont er. «Das brasilianische Volk hat mir stets eine aussergewöhnliche Zuneigung entgegengebracht - da würde ich ihm keinen Kandidaten beziehungsweise keine Kandidatin präsentieren, in die ich kein Vertrauen habe.»
Rousseff war in ihrer Jugend eine überzeugte Marxistin, die sich als Guerilla-Kämpferin ausbilden liess. Während der Militärdiktatur in Brasilien von 1964 bis 1985 wurde sie inhaftiert und gefoltert. Später studierte sie Wirtschaftswissenschaften und trat der Arbeiterpartei von Lula da Silva bei. In seiner Regierung war sie Ministerin für Bergbau und Energie, bevor sie zur obersten Beraterin des Präsidenten avancierte.
«Sie wird mein Vermächtnis perfektionieren»
Lula da Silvas zweite Amtszeit läuft am 1. Januar 2011 aus, bei der Präsidentenwahl im kommenden Oktober darf er nicht mehr antreten. Deshalb soll Rousseff dem konservativen Gouverneur des Staates Sao Paulo, José Serra, die Stirn bieten. Und dabei soll sie ihn nach dem Wunsch der Arbeiterpartei genau so schlagen, wie Lula da Silva dies 2002 getan hat. Zurzeit liegt Serra in den Umfragen noch in Führung, doch Rousseff konnte in letzter Zeit deutlich aufholen. Dabei hilft ihr Analysten zufolge nicht zuletzt die ungeheure Popularität von Lula da Silva.
Die Gegner der Präsidentschaftskandidatin schüren die Angst, sie werde das Land noch weiter nach links steuern, als der jetzige Amtsinhaber dies schon getan habe. Lula da Silva winkt jedoch ab. Auch ihm, dem ersten brasilianischen Präsidenten aus der Arbeiterklasse und langjährigen Gewerkschaftsführer, habe man seinerzeit angedichtet, er werde die Wirtschaft des Landes in den Ruin führen. Doch genau das Gegenteil sei eingetreten.
Beliebter Lula
In der Tat hat Lula da Silva einen Kurs der freien Marktwirtschaft verfolgt und einen konjunkturellen Aufschwung bewirkt. Damit konnte er umfangreiche Sozialprogramme finanzieren, um den Lebensstandard der Armen zu heben. Dies hat ihn überaus beliebt gemacht.
Rousseff werde diese Politik fortsetzen, erklärt der Noch-Präsident im Brustton der Überzeugung: «Sie wird mein Vermächtnis nicht nur weiterführen, sie wird es perfektionieren. Ich bin sicher, dass sie noch viel mehr tun kann als ich, weil sie auf unserer Erfahrung aus acht Regierungsjahren aufbauen kann. Sie hat in dieser Regierung an den Schaltstellen mitgearbeitet, und sie weiss genau, wo es noch etwas zu verbessern gibt.» (sam/ddp)
Erstellt: 10.03.2010, 14:27 Uhr













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