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James Bain: 35 Jahre unschuldig im Gefängnis

Von Dietmar Ostermann. Aktualisiert am 21.12.2009 12 Kommentare

Mehr als drei Jahrzehnte sass James Bain aus Florida unschuldig hinter Gittern. Er war wegen Entführung und Vergewaltigung eines Neunjährigen verurteilt worden. Dank eines DNA-Tests hat der 54-jährige Bain seine Freiheit wieder.

James Bain ist wieder ein freier Mann. Eine DNA-Analyse bestätigte seine Unschuld.

James Bain ist wieder ein freier Mann. Eine DNA-Analyse bestätigte seine Unschuld. (Bild: Keystone)

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Am Ende ging alles ganz schnell: Der Häftling James Bain habe nichts mit dem Fall zu tun, räumte der Staatsanwalt ein. Ein DNA-Test habe dies ergeben. Der Richter nickte kurz und unterschrieb die Entlassungspapiere: «Sie sind ein freier Mann. Gratulation.»

Kurz darauf blinzelte James Bain vor dem Gerichtsgebäude in Floridas gleissende Wintersonne und fühlte sich wie ein Astronaut nach der Mondlandung: »Wir sind angekommen.» In der Freiheit.

35 Jahre hatte Bain unschuldig im Gefängnis gesessen, verurteilt zu lebenslanger Haft für ein Verbrechen, das er nicht begangen hatte. Das ist in den USA trauriger Rekord. Keiner der 248 Verurteilten, die später dank Erbgutproben ihre Unschuld beweisen konnten, musste so lange hinter Gittern schmachten.

Fataler Irrtum

Als Bain 1974 verurteilt wurde, sass Präsident Richard Nixon im Weissen Haus, in den Kinos lief «Godfather II», Benzin kostete 50 Cents, es gab keine Handys, kein Internet. Damals war Bain 19 Jahre alt. Heute ist er 54. Aus dem Teenager ist ein Mann geworden, mit tiefen Furchen im Gesicht und grauem Stoppelhaar statt der langen schwarzen Locken. Ein halbes Leben hat er für einen Irrtum gebüsst, über den er sagt: «Ich kann nicht zornig sein.»

Ein neunjähriger Junge, der aus seinem Haus in Florida entführt, zu einem Baseballfeld gezerrt und dort vergewaltigt worden war, hatte ihn 1974 fälschlich als Täter identifiziert. Er erinnerte sich an einen schwarzen Mann mit Schnauzbart und Koteletten. All die Jahre im Gefängnis sei Gott in seinem Kopf gewesen, sagt Bain: «Ich habe gewusst, dass er mich eines Tages frei bekommt.»

Nicht Gott verdankt James Bain seine Freiheit, sondern dem «Innocence Project», einer Organisation, die in den USA zweifelhaften Schuldsprüchen nachgeht. Auch Bain hatte stets seine Unschuld betont. Insgesamt sechs Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens wurden abgelehnt. Schon 2001 hatte er auch einen DNA-Test beantragt. Da hatten in den USA bereits Dutzende unschuldig Verurteilte dank neuartiger Erbgutanalysen ihre Zellen verlassen können. Doch Floridas Justiz stellte sich stur. Erst als das «Innocence Project» sich einschaltete, kam Bewegung in die Sache. Anfang Dezember lag das Ergebnis der DNA-Tests vor. Was James Bain mit dem Rest seines Lebens macht, weiss er noch nicht. Reisen will er und viel Zeit mit seiner Familie verbringen.

50'000 Dollar für jedes Jahr

Laut den Gesetzen in Florida steht James Bain eine Entschädigung zu: 1,75 Millionen Dollar. 50000 Dollar für jedes verlorene Jahr. Für Barry Scheck, Direktor des «Innocence Project», ist die Sache damit freilich nicht erledigt. «Der Fall James Bain sagt uns, dass wir endlich ernsthaft Reformen angehen müssen», fordert Scheck. Die Organisation hat die von ihr betreuten Fälle unschuldig Verurteilter ausgewertet: Bei drei von vier Justizirrtümern spielte demnach die falsche Identifikation des Täters durch Zeugen oder Opfer eine Rolle. Ein Viertel legte unter dem Druck der Verhöre falsche Geständnisse ab. In 16 Prozent der Fälle trugen umstrittene Aussagen von Gefängnisspitzeln zur Verurteilung bei, die im Gegenzug oft Strafverschonung erhalten.

Und: Die Mehrheit der unschuldig Verurteilten, denen das «Innocence Project» nach durchschnittlich 13 Jahren Gefängnis zur Freiheit verhalf, sind schwarz, wie James Bain. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.12.2009, 08:39 Uhr

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12 Kommentare

Ruedi Egger

21.12.2009, 13:21 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Jean Weber beklagt das USA Rechtssystem. Ich bin der Meinung, dass unter den ueber 70% Auslaender in Schweizer Gefaengnissen, auch Menschen sind, die nicht schuldig sind. Also bitte, vor der eigenen Haustuere zuerst den Dreck wegwischen, als andere Laender, die man nicht kennt, anzugreifen. Positiv ist, dass der Mann sofort freigelassen wurde, in der Schweiz bekaeme er keine Millionen. Antworten


Heinz Jäggi

21.12.2009, 10:25 Uhr
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Die amerikanische Justiz ist eine Katastrophe! Die Mehrheit der Bevölkerung ist für die Todesstrafe. Das 5. Gebot der christlichen Lehre "Du sollst nicht töten" wird missachtet. Die unschuldig Verurteilten werden zu wenig entschädigt und die Richter für ihren Irrtum zu wenig bestraft. Gut, dass es mit Präsident Obama einen gerechten Präsidenten gibt.Gerechtigkeit auf unserer Erde gibt es nicht! Antworten



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