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«Ich dachte, ich müsste jemanden töten»

Es war ein fataler Irrtum: James Bain schmorte 35 Jahre lang unschuldig in einem amerikanischen Gefängnis. Seit Dezember ist der 54-Jährige frei. In einem Interview spricht er über seine Zeit hinter Gittern.

Dank einer DNA-Probe kam James Bain im Dezember 2009 frei.

Dank einer DNA-Probe kam James Bain im Dezember 2009 frei.
Bild: Keystone

«Die ganzen Geräte sind sehr faszinierend»: James Bain erlitt einen Kulturschock. (Bild: Keystone )

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Als James Bain 1974 verurteilt wurde, sass Präsident Richard Nixon im Weissen Haus, Benzin kostete 50 Cents, es gab keine Handys, kein Internet. Damals war Bain 19 Jahre alt. Heute ist er 54. Aus dem Teenager ist ein Mann geworden, mit tiefen Furchen im Gesicht.

35 Jahre hatte Bain im Gefängnis gesessen, verurteilt zu lebenslanger Haft für ein Verbrechen, das er nicht begangen hatte. Das ist in den USA trauriger Rekord. Keiner der 248 Verurteilten, die später dank Erbgutproben ihre Unschuld beweisen konnten, musste so lange hinter Gittern schmachten.

Ein Richter im US-Bundesstaat Florida sprach den 54-jährigen James Bain am 17. Dezember davon frei, ein Kind vergewaltigt zu haben. «Herr Bain, ich unterzeichne diese Anordnung und Sie sind jetzt ein freier Mann», sagte der Richter unter dem Jubel von Freunden und Angehörigen. In Florida erlaubt seit dem Jahr 2001 ein Gesetz, alte Kriminalfälle mithilfe von Gentests erneut zu untersuchen.

35 Jahre lang nicht durchdrehen

Jetzt hat Bain erstmals die USA verlassen. In einem Hamburger Hotel gibt er «Spiegel online» ein Interview. «Ich möchte Leuten mit meiner Geschichte Hoffnung geben.» Er beschreibt, wie er es geschafft hat, 35 Jahre lang nicht durchzudrehen. Er habe an seine Familie gedacht, an Gott und seine Freunde.

Als Teenager sei das Leben unter den Schwerkriminellen sehr hart gewesen: «Anfangs dachte ich, ich müsste vielleicht sterben. Oder selbst jemanden töten. Ich habe zwar versucht, mich von Ärger fernzuhalten. Aber das gelang nicht immer. Ich war oft in Prügeleien verwickelt.» Je länger er im Gefängnis sass, desto weniger Probleme quälten ihn aber.

Von der Technologie überrumpelt

Die Hoffnung auf Entlassung hatte er irgendwann einmal aufgegeben. «Als die Jahre vergingen, dachte ich: Du kommst hier nicht mehr raus. Du wirst im Knast sterben.»

Im Dezember ist er dann aber doch noch freigekommen. Die Welt ausserhalb der Gefängnismauern hat sich in den letzten 35 Jahren fundamental verändert. Für Brain ist das Leben in Freiheit ein Schock. Alles fühlt sich für ihn völlig neu an. Von der Technologie zeigt er sich überwältigt. «Die ganzen Geräte sind sehr faszinierend.» Er sagt gegenüber «Spiegel online» auch, dass die Menschen heute anders denken und handeln würden. «Im Gefängnis verpasst man so viel. Man fällt immer weiter zurück, während die Gesellschaft vorankommt. Nun muss ich versuchen, aufzuholen.»

Bain bereut vor allem, dass er nie die Chance hatte, eine Familie zu gründen. Heute ist er ein reicher Mann: Die USA zahlen ihm für jedes Jahr in Haft 50'000 Dollar Entschädigung – das macht total 1,75 Millionen. Auf den Strassen werde er erkannt. «Ich fühle mich beinahe wie ein Promi.»

Als nächstes will er seinen Führerschein neu machen und den Schulabschluss nachholen. Aber vor allem möchte er sich auf die Zukunft vorbereiten. Eine Zukunft in Freiheit. (bru)

Erstellt: 01.05.2010, 14:21 Uhr

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11 Kommentare

Ernst Fischer

31.07.2010, 19:49 Uhr
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Die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten gelobt bringt es fertig, einen Unschuldigen sein halbes Leben im Gefängnis schmoren zu lassen. Mich würde interessieren, wie manche Personen unschuldig hingerichtet wurden. Antworten


Nick Graf

30.03.2010, 09:33 Uhr
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So Unangemessen finde ich diese Entschädigung nicht. Das durchschnittliche Einkommen der Amerikaner beträgt weniger als 40'000 Dollar im Jahr. Da finde ich 50'000 Dollar für jedes jahr nicht wenig. Wenn sich Mr. Bain finanziell beraten lässt, wird er für sein Leben gut leben können. Andere Leute bringen eine Familie mit 3 Kinder durch, mit weniger als 30'000 Dollar. Antworten


Petra Fritschi

30.03.2010, 00:15 Uhr
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An diejenigen, die finden, dass dieser Betrag ein Hohn sei: Geld macht nicht glücklich - ich glaube, Bain weiss das besser als wir alle. Klar sind 35 Jahre Freiheitsentzug nicht mit 1.75 Millionen US$ aufzuwerten, aber welcher Betrag kann das? Die Hauptsache ist, dass er doch noch frei gekommen ist und ihm jetzt hoffentlich noch einmal mindestens 35 Jahre bleiben. @Tina Siegenthaler: DITO!!! Antworten


René Müller

29.03.2010, 20:24 Uhr
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Er ist halt schwarz. Ein "Nigger." Da wurde und wird es in den USA nie so genau genommen mit den Ermittlungen. Hauptsache ein Täter ist "gefunden." Antworten


Charles Dupond

29.03.2010, 20:05 Uhr
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Schade weigern sich in der Schweiz Politik und Juxitz penetrant, die - bei Bruderverrat versagenden - antropoluegischen Gutachten von pfuschgutachterlich gedeckten Kuckucksunterschiebungen durch DNA-Tests zu falsifizieren und die betruegerischen Alimentenabzockerinnen von finanziell ruinierten Nurzahlvaetern straf- und zivilrechtlich ins Recht zu fassen.... Antworten


Tina Siegenthaler

29.03.2010, 16:33 Uhr
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Wieder mal ein gutes Argument gegen die Todesstrafe! Antworten


Mike Glarner

29.03.2010, 16:26 Uhr
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Wenigstens wurde er nicht unschuldig hingerichtet, wie es in den USA auch schon vorgekommen ist. Antworten


Manuel Schaub

29.03.2010, 13:29 Uhr
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1.75 Millionen sind ein Witz! Ich bin jetzt 23 Jahre alt, schon nur die vergangenen vier Jahre seit ich so alt war wie er, als er eingeliefert wurde würde ich für dieses Geld nicht verpasst haben wollen. Antworten


Cerny Kern

29.03.2010, 13:15 Uhr
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Korrektur: Meinte natürlch $ 1.75 MILLIONEN! Antworten


Daniel Metzener

29.03.2010, 13:09 Uhr
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Ich finde 50000 pro Jahr auch ein Hohn. Dieser Mann hat es als Entschädigung verdient pro Jahr 1 Million zu erhalten! und sein ganzes Leben mit ein bisschen Luxus zu leben. Antworten


Cerny Kern

29.03.2010, 12:51 Uhr
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Diese Entschädigung von $ 1.75 ist ja geradezu lächerlich, wenn man bedenkt, dass in den USA schon für viel geringere Schädigungen x-fache Millionenbeträge eingeklagt werden und dann teilweise auch ausbezahlt werden müssen!!! Antworten



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