Ausland

Heisse Liebe zu Bibi

Von Martin Kilian. Aktualisiert am 15.12.2011 89 Kommentare

Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten geben sich israelischer als die Israelis. Sie wollen damit die Herzen evangelikaler Christen gewinnen.

Alle wollen «Bibi»: Benjamin Netanyahu hinter der US-Flagge.

Alle wollen «Bibi»: Benjamin Netanyahu hinter der US-Flagge.
Bild: AFP

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Wer die Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten am vergangenen Samstag in Iowas Staatshauptstadt Des Moines verfolgte, habe erst einmal «herausfinden müssen, ob die republikanischen Bewerber Präsident der Vereinigten Staaten werden wollen oder israelischer Premierminister», konstatierte irritiert das aussenpolitische Magazin Foreign Policy. In der Tat: Knapp ein Jahr vor den US-Präsidentschaftswahlen und nur Wochen vor dem Beginn der innerparteilichen Vorwahlen versteigen sich die republikanischen Kandidaten mit Ausnahme des Abgeordneten Ron Paul so angestrengt wie beflissen zu immer abenteuerlichen Treueschwüren gegenüber dem US-Verbündeten in Nahost und brechen dabei mit jahrzehntealter amerikanischer Politik.

Alles geht, nichts ist tabu. Gefallen will die israelfreundliche Schar dabei nicht so sehr den Israelis oder jüdischen Amerikanern, sondern vor allem der grossen Zahl evangelikaler republikanischer Christen. Nahezu 40 Prozent der Parteibasis machen sie aus, und ihre Liebe zu Israel kennt keine Grenzen, da Jesu Wiederkunft und das Jüngste Gericht unzertrennbar mit Israel verbunden sind.

«Ich kenne Bibi seit langem»

Dort mag Erstaunen erregen, dass sich die republikanischen Bewerber israelischer als die Israelis geben, im US-Wahlkampf aber sind ihre teils unerhörten Äusserungen zu politischem Alltagsgut geworden. Nachdem Kandidat Newt Gingrich, ehemals Sprecher des Washingtoner Repräsentantenhauses, forsch behauptet hatte, die Palästinenser seien «ein erfundenes Volk» und der Begriff des «Palästinensers» existiere überdies erst seit 1977 – was die 1964 gegründete PLO sicherlich überrascht haben dürfte - , schob Gingrich bei der Debatte in Des Moines kräftig nach.

Prompt waberte daraufhin Premierminister Benjamin Netanyahu über der Kandidatenschar: Sowohl Gingrich als auch Ex-Gouverneur Mitt Romney stritten darüber, wer Bibi wohl näher stünde. «Wenn Bibi sagen möchte, was Sie gesagt haben, dann soll er das tun», zürnte Romney, dem Gingrichs Rede vom «erfundenen Volk« zu weit ging. «Ich kenne Bibi seit 1984», verteidigte sich Newt, was Romney mit dem Hinweis konterte, er kenne Bibi «seit langem».

Der Nahost-Politik abträglich

Dann aber wurde es erst recht bedenklich: «Ich würde meinen Freund Bibi Netanyahu anrufen und fragen, ob es hilfreich wäre, wenn ich so etwas sagte – was soll ich tun, würde ich ihn fragen», sagte Romney und suggerierte damit, als Präsident würde er sich Äusserungen zum Nahostkonflikt zuerst von Netanyahu absegnen lassen. Dass Newt über die Palästinenser sagte, sie seien «Terroristen», mochte das Herz der Hardliner erwärmen, der amerikanischen Nahost-Politik ist derlei Pauschalverdammung jedoch höchst abträglich.

Schon vor dem Bibi-Fest in Des Moines hatten die Kandidaten bei einem Auftritt vor der Republican Jewish Coalition (RJC), einer Vereinigung jüdischer Republikaner, Absonderliches und Gefährliches verbreitet. Nur die Israelis, glaubte etwa der ehemalige Senator Rick Santorum, hätten das Recht, «zu bestimmen, was in ihrem Land geschieht – in ganz Israel, inklusive dem sogenannten Westjordanland». Bei soviel Liebe zu Israel mochte die Kongressabgeordnete Michele Bachmann, auch sie eine Kandidatin, nicht hintanstehen. Eine Bachmann-Administration – es wird sie niemals geben – werde unverzüglich die israelische Annektierung der Golanhöhen anerkennen «sowie der Siedlungen, die Israel sich als ein souveräner Staat einverleiben möchte».

Reagan hätte hier nichts verloren

Gingrich versprach unterdessen beim RJC-Palaver, er werde «am ersten Amtstag» anordnen, dass die US-Botschaft endlich von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt werde – was der Rest der Kandidaten gleichfalls zusagte. Selbst der texanische Gouverneur Rick Perry, der ursprünglich eine Überprüfung der massiven US-Hilfe für Israel verlangt hatte, kippte um und versicherte jetzt, die Verteidigungsbeihilfen an Israel im Falle seiner Wahl «erhöhen» zu wollen. Obendrein versuchten sich die Kandidaten mit ihrer Abscheu über die Nahost-Politik Barack Obamas zu übertrumpfen: Der übe unverschämten Druck auf Israel aus, lasse den Iran beim Bau der Bombe gewähren und sei überhaupt ein lauwarmer Freund Israels. Der demokratische Präsident, behauptete Perry, habe Israel «noch nie gehörte Bedingungen» auferlegt.

Solcher Unsinn zeigt, wie weit sich die Republikanische Partei von ihrem Idol Ronald Reagan entfernt hat. Der hatte 1982 einen unverzüglichen Stopp der israelischen Siedlungspolitik verlangt, den israelischen Angriff auf den Libanon verdammt und durch seinen Regierungssprecher 1987 ausrichten lassen, die Gewalt im Westjordanland sei für den israelischen «Selbstrespekt» ebenso schädlich wie für «die Meinung der Welt über das israelische Volk». Reagan hätte dieser Tage bei republikanischen Debatten nichts verloren. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.12.2011, 17:44 Uhr

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89 Kommentare

Andy Meier

15.12.2011, 19:23 Uhr
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Die Zionisten müssen endlich mal begreifen, dass Palästina nicht ihr Land ist und sie müssen endlich das seit 1967 besetzte Gebiet zurückgeben (was schon ein Riesenkompromiss seitens der Palästinenser ist). Solange die das nicht einsehen, wird es nie Frieden geben. Hoffen wir auf Ron Paul! Antworten


Andreas Kofler

15.12.2011, 18:58 Uhr
Melden 74 Empfehlung

Interessant wäre zu wissen, warum die westliche Presse kein Wort verliert über die derzeitigen Vorgänge in Israel, über Zusammenstösse zwischen Siedlern und Armee, und pogromartigen Uebergriffen auf Araber. Antworten




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