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Eine langjährige Freundschaft
Aktualisiert am 17.04.2012 17 Kommentare
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«Die beiden jungen Männer hatten beklagenswert wenig gemeinsam: Der eine war ein reicher Mormone aus Michigan, der andere ein Mittelklasse-Jude aus Israel», beginnt ein Bericht der «New York Times» über eine Freundschaft, die 1976 in Boston ihren Anfang nahm und die 2012 weitreichende Folgen haben könnte. Denn bei den Männern handelt es sich um keine Geringeren als Mitt Romney, den aussichtsreichsten republikanischen Kandidaten für das Amt des US-Präsidenten, und Benjamin Netanyahu, den amtierenden israelischen Ministerpräsidenten.
Die beiden Männer lernten sich 1976 in den Büros der Boston Consulting Group kennen, wo sie beide als Unternehmensberater arbeiteten. Über die Jahre, so die «New York Times», sei eine Freundschaft entstanden, von der Aussenseiter kaum etwas mitbekommen hätten. Die Beziehung, welche bei gemeinsamen Mahlzeiten in Boston, New York und Jerusalem gepflegt, durch ein «Netzwerk gemeinsamer Freunde gestärkt und von ihren konservativen Ideologien gesteigert» worden sei, habe zu einem «ungewöhnlich ehrlichen Austausch von Ratschlägen und Erkenntnissen» in politischen und wirtschaftlichen Themen geführt.
«Was möchtest du, dass ich tue?»
Dass zwei so gewichtige Politiker eine enge gemeinsame Geschichte haben, sei aussergewöhnlich. Und sie könnte durchaus die Entscheidungsfindung zu einem Zeitpunkt beeinflussen, in welchem sich für die USA die Frage stellen könnte, die iranischen Nuklearanlagen anzugreifen oder Israel bei einer solchen Aktion zu unterstützen, so die «New York Times». Problematisch sei, dass Romney selbst gesagt habe, er würde keine politische Entscheidung treffen, die Israel betreffe, ohne Netanyahu zu konsultieren.
In einer Debatte vergangenen Dezember habe Romney etwa seinen damaligen Widersacher, den Republikaner Newt Gingrich, wegen einer abschätzigen Bemerkung über die Palästinenser kritisiert. «Bevor ich ein solches Statement abgeben würde, würde ich meinen Freund Bibi Netanyahu anrufen und sagen: ‹Würde es helfen, wenn ich das sage? Was möchtest du, dass ich tue?›»
Dementi am Briefing über den Iran
Würde Romney US-Präsident, dürfte Netanyahu auf ein offenes Ohr für seine Anliegen stossen. Doch auch bei Barack Obama hat er immer wieder versucht, Einfluss auf die Nahostpolitik der USA zu nehmen, des öfteren mit Erfolg. Zur Entspannung der Lage im Nahen Osten hat dies wenig beigetragen. Umso heikler wäre es, wenn der Oberbefehlshaber einer der grössten Armeen der Welt in seiner Nahostpolitik ganz nach der Pfeife des israelischen Premiers tanzen würde.
So beeilte sich der israelische Botschafter in Washington, Michael Oren, der «New York Times» einen Brief zu schreiben: «Israel mischt sich nicht in die Innenpolitik der Vereinigten Staaten ein – ganz im Gegensatz zur Andeutung im Artikel – und legt grossen Wert auf die breite Unterstützung beider Parteien, die es in Amerika geniesst.» Oren nimmt auch Bezug auf ein Telefonat, in welchem Netanyahu Romney über die Lage im Iran gebrieft haben soll: «Das Telefonat dauerte ein paar Minuten, und es ging um verschiedene Themen, nicht nur um den Iran.»
«Weltweite Anti-Israel-Kampagne»
Zwischen Benjamin Netanyahu und der «New York Times» soll laut der israelischen Online-Zeitung Haaretz.com das Verhältnis schon länger getrübt sein. Netanyahus Berater Ron Dermer habe erst vor ein paar Wochen der Zeitung einen Brief geschickt, wonach Netanyahu wegen der ständigen Kritik an seiner Politik keine Kommentare mehr in der «New York Times» publizieren würde.
Einen Monat später habe Steve Linde von der «Jerusalem Post» an einem geschlossenen Anlass erzählt, dass Netanyahu ihm gesagt habe, die «New York Times» sei einer der Hauptfeinde Israels, weil sie «eine weltweite Anti-Israel-Kampagne auf der Agenda hat». Auf Druck von Netanyahu habe Linde kurz darauf eine Richtigstellung veröffentlicht und von seiner Aussage Abstand genommen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.04.2012, 14:02 Uhr
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17 Kommentare
Die Regierungen in Israel sind so dünnhäutig, wenn es um solche klaren und bestehenden Verbindungen und Verknüpfungen geht. Die Reaktion ist ja ein Schuldbekenntnis erster Klasse und wie immer kommen die Schutzbehauptungen paralell dazu. Die einzige Demokratie im mittleren Osten hat Administrationen die das fast ad absurdum führen. Wie kann ein Volk vertrauen, dass diese Haltung ewig gut geht? Antworten
Wenn eine Zeitung sowohl als zu pro-jüdisch als auch isrealfeindlich bezeichnet wird, scheint sie ziemlich unabhängig zu sein. Netanyahu mag seine Verdienste als Soldat haben, aber als Regierungschef hat er sein Land dem Frieden nicht näher gebracht und das Ansehen Israels im Rest der Welt vermindert. Antworten
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