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«Ein Verbrechen in der Dimension von Abu Ghraib»

In den USA sorgt ein Militärprozess gegen US-Soldaten für Empörung. Sie sollen afghanische Zivilisten getötet und deren Körperteile als Souvenir aufbewahrt haben.

Streitet eine Teilnahme ab: Der angeklagte Soldat Adam W.

Streitet eine Teilnahme ab: Der angeklagte Soldat Adam W.
Bild: Keystone

Nehmen ihren Sohn in Schutz: Die Eltern von Adam W.

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Mitglieder einer US-Infanterie sollen im Frühjahr 2010 afghanische Zivilisten brutal ermordet, Körperteile abgeschnitten und als Trophäen benutzt haben. Es handelt sich um das schlimmste Verbrechen von US-Soldaten in Afghanistan. Die US-Medien haben ihnen den Namen «Kill Team» gegeben. Nun wird ihnen der Prozess gemacht. Bei einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe. Die Anklageschrift zu den Gerichtsverhandlungen hat die schrecklichen Details zu den Ereignissen ans Tageslicht gebracht.

Fünf Soldaten, Calvin G., Adam W., Jeremy M., Andrew H. und Michael W. , sind der vorsätzlicher Tötung angeklagt. Sie sollen im Frühjahr 2010 drei Afghanen brutal ermordet haben. Zwei von ihnen haben in der Folge den Leichen Körperglieder abgeschnitten und als Souvenir aufbewahrt. Schädel, Finger, Beine und Zähne teilten sie sich untereinander auf. Ihnen droht nun die Todesstrafe. Sieben weiteren Soldaten wird vorgeworfen, die Fälle vertuscht zu haben. Ausserdem sollen sie das Haschisch ihrer Opfer geraucht und Fotos der Leichen geschossen haben.

Kaltblütige Ermordung

Der Vater des 22-Jährigen Adam W. nimmt seinen Sohn in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur AP in Schutz. Adam W. habe seinen Eltern am 14. Februar 2010 per Internetchat zudem gesagt, dass seine Einheit «ein paar unschuldige Jungs in seinem Alter» getötet habe. Adam W. habe über die Vorfälle Bescheid gewusst, eine Teilnahme daran streitet er jedoch ab. Rädelsführer Calvin G. habe ihn gezwungen, stillzuhalten. Der Vater hat laut der «Seattle Times» vergeblich versucht, die zuständigen Militärbehörden in den USA zu informieren. Erst im Mai 2010 stiessen die Ermittler schliesslich auf die erschreckenden Vorfälle.

Bei allen drei Mordfällen sind die Soldaten nach dem gleichen Muster vorgegangen. Zuerst wurden Splittergranaten gegen die Zivilisten geworfen, danach wurde auf sie geschossen. Die Soldaten waren in der umkämpften Provinz Kandahar stationiert. Für den 25-jährigen Rädelsführer und Sergeant Calvin G. war es der dritte Kriegseinsatz. Zuvor kämpfte er auch schon im Irak. Er soll vor seinen Kameraden geprahlt haben, schon alles Mögliche verbrochen zu haben. Stets sei er ungeschoren davon gekommen.

Ähnliche Dimensionen wie Abu Ghraib

In den USA befürchten Experten einen ähnlichen Aufruhr wie nach der Aufdeckung von Abu Ghraib im Jahr 2004. Damals hatten amerikanische Gefängniswärter irakische Häftlinge wiederholt gedemütigt und die Taten auf Fotos festgehalten. Die Veröffentlichung der Bilder sorgte weltweit für Empörung. «Solche Sachen schaden uns enorm», erklärte der amerikanische Politexperte Michael O’Hanlon vom Brookings Institute dem amerikanischen Fernsehsender CBS. «Der Fall um das Kill Team könnte überproportionale Auswirkungen annehmen, wie bei Abu Ghraib oder der Koranverbrennung in Florida.» Ein Militärgericht wird sich Ende dieses Monats mit den Fällen beschäftigen. (jak)

Erstellt: 10.09.2010, 11:49 Uhr

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