Ausland

«Ein Deal müsste die Taliban legalisieren»

Aktualisiert am 12.09.2011 7 Kommentare

Der Militärexperte Stephen Biddle hat die amerikanischen Streitkräfte während Jahren in ihrer Afghanistan-Politik beraten. Nun stellt er die Abzugsstrategie von US-Präsident Barack Obama in Frage.

Zweifelt an Obamas Abzugssstrategie: Militärexperte und Historiker am Council of Foreign Relations Stephen Biddle. (Bild: Youtube.)

Zweifelt an Obamas Abzugssstrategie: Militärexperte und Historiker am Council of Foreign Relations Stephen Biddle. (Bild: Youtube.)

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US-Soldaten in Afghanistan

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Biddle über die US-Strategie in Afghanistan

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Wenige Stunden nach den Anschlägen in New York vor zehn Jahren erklärte der damalige US-Präsident George W. Bush dem Terror den Krieg – und liess sich damit nach Meinung des US-Militärexperten Stephen Biddle auf eine «äusserst ambitionierte Militärstrategie ein».

«Das Besondere an 9/11 war die psychologische Wirkung. Die Amerikaner glaubten, sie seien unverwundbar. Niemand war durch Krieg bedroht», sagte Biddle gegenüber der «Süddeutschen Zeitung». Mit seiner Kriegserklärung habe Bush das bis anhin empfundene Sicherheitsgefühl wieder hergestellt.

«Die bösen Kräfte sichern sich ab»

Nach vielen Kriegsjahren in Afghanistan will der heutige US-Präsident Barack Obama die Truppen aus dem Land abziehen, und den dortigen Sicherheitskräften die Kontrolle übergeben. Als Kenner des Landes und langjähriger Berater des kürzlich ausgeschiedenen Kommandeurs David Petraeus zweifelt Biddle an Obamas Abzugsstrategie.

«Die Fixierung auf das Jahr 2014 nährt eine gewaltige Erwartung in Afghanistan und Pakistan. Der Westen könnte die Region verlassen, ohne dass die Probleme gelöst sind. Deswegen sichern sich die bösen Kräfte ab. Die Chancen auf ein regierbares, politisch stabiles Land sinken», erklärte Biddle gegenüber der «Süddeutschen».

Der Jagd auf Talibananführer ein Ende setzen

Um das Ziel der Amerikaner – eine Versöhnung mit den Taliban – zu erreichen, müsste laut Biddle eine andere Strategie gefahren werden: «Wir sollten die Botschaft vermitteln, dass wir über 2014 hinaus im Land bleiben. Die Herausforderung besteht darin, eine komplexe Botschaft auf mehreren Kanälen zu versenden, so dass jeder die für ihn richtige Nachricht erhält.»

Das Angebot, das die Nachricht enthalten sollte, ist für Biddle eindeutig: «Die Taliban müssen der Gewalt abschwören und sich von al-Qaida distanzieren. Die dritte Bedingung – die Verfassung – ist verhandelbar.» Der Deal müsse die Taliban legalisieren, er müsse der gezielten Jagd auf ihre Anführer ein Ende setzen: «Wir brauchen einen Prozess der Vertrauensbildung, sonst wird das alles nichts».

(wid)

Erstellt: 12.09.2011, 20:09 Uhr

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7 Kommentare

Andres Müller

12.09.2011, 12:04 Uhr
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"Die Verfassung ist verhandelbar", das ich nicht lache, wie böse. Die USA haben den Krieg durch Förderung von Korruption bis hin zur Duldung von Kinderarbeit und Drogenanbau verloren, viele Menschen sagen gar die Russen hätten mehr getan. Die USA haben die Sharia bereits jetzt als Justizgrundlage zugelassen, was müsste denn noch verhandelt werden? Biddle gehts um Bodenschätze und die Ölpipeline. Antworten


Zelokan Zel

12.09.2011, 21:33 Uhr
Melden 12 Empfehlung

USA und NATO haben auf der ganze Linie versagt und den Krieg verloren...war ja auch nicht anders zu erwarten.
Im virtuelle Neusprech ist sogar eine Niederlage einen Sieg.
Und der schönste Satz ist ohne Zweifel: "Wir sollten die Botschaft vermitteln, dass wir über 2014 hinaus im Land bleiben.,,,"...und das alles aus Nächstenliebe und Demokratie...wers glaubt!
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