«Dieser Präsident zieht allen Ministerinnen die Hosen aus»
Von Sandro Benini. Aktualisiert am 22.02.2012 22 Kommentare
Bildstrecke
Dossiers
Artikel zum Thema
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Am Montag begann in Bolivien der Karneval, und dazu spielte vor dem Präsidentenpalast in La Paz die Musik auf, genauer: eine Fasnachtstruppe, die eine Art bolivianische Version der Basler Schnitzelbänke vorbereitet hatte. Bald erschien auch Staatschef Evo Morales auf der Bühne, um unter dem Gejohle des Publikums die Verslein der Fasnächtler mitzusingen. Oppositionelle Parlamentarierinnen und Vertreterinnen feministischer Organisationen fanden das gar nicht lustig. Die Senatorin Jeanine Añez polterte, die Strophen seien «vulgär und völlig daneben»: «Alles, was da gesungen wurde, war eine einzige Respektlosigkeit gegenüber den Frauen. Und dem Präsidenten hat es offensichtlich bestens gefallen.»
Ministerinnen ohne Hosen
Die bolivianischen Schnitzelbänkler spielten vor allem auf Evo Morales' Ruf an, ein unverbesserlicher Schürzenjäger zu sein. Eines ihrer Schenkelklopf-Sprüchlein lautete zum Beispiel in freier Übersetzung:
«Dieser Präsident macht sich nichts draus/ zieht allen Ministerinnen die Hosen aus/ Jetzt betteln die Armen um Almosen/ mal sehn, ob es reicht für neue Hosen.»
Oder: «Unser Präsident, heieiei/ liebt zwar nur eine, aber vernascht gleich drei.»
Für besondere Empörung sorgte ein Verslein über die Organisation Bartolina Sisa, die unter dem indigenen Präsidenten Evo Morales für die Rechte eingeborener Frauen kämpft. Evo Morales sang es inbrünstig mit:
«Bartolina Sisa, euch kennen alle/ mit Don Evo geht ihr grad in die Falle.»
Dass es sich um schlüpfrigen, aber letztlich harmlosen Karnevalshumor handle, liess die Feministin María Galindo nicht gelten: «Der Spruch über Bartolina Sisa ist eine widerwärtige Verhöhnung des Kampfes indigener Frauen für mehr politische Rechte.» Besonders empört war Galindo, weil sich keine einzige Politikerin der Regierungspartei MAS (Bewegung zum Sozialismus) vom Auftritt des Präsidenten distanzierte, im Gegenteil: Die Ministerin für Transparenz und Bekämpfung der Korruption, Nardy Suxo, sang sogar noch mit.
220 Franken für seinen Sohn
Schlimmer noch als die Feministinnen dürfte Marisol Peredo, eine von Evo Morales' ehemaligen Geliebten, das Verhalten des Staatschefs finden. Während seiner Zeit als Oppositionspolitiker zeugte Morales mit ihr ein Kind. Doch er weigerte sich, Unterhalt zu bezahlen, und als ihn seine Ex-Freundin verklagte, verschanzte er sich hinter seiner parlamentarischen Immunität. Der Fall ging bis vor das Verfassungsgericht, das im Juni 2004 festhielt, Evo Morales verletze «durch seine Weigerung, angemessene familiäre Unterstützung zu leisten, die fundamentalen Rechte seines Sohnes». Dafür gebe es keine parlamentarische Immunität. Danach bezahlte der Kämpfer für Solidarität und Gerechtigkeit, für ein besseres Bolivien und eine humanere Welt seinem Sohn umgerechnet 220 Franken im Monat. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.02.2012, 17:49 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
22 Kommentare
Ausland
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Bitte warten


