Die Romneys und die Vielweiberei
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 27.01.2012 40 Kommentare
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Mitt Romneys mormonischer Glaube verbietet ihm Alkohol zu trinken oder zu rauchen. Doch trotz aller Nüchternheit, die der republikanische Präsidentschaftskandidat ausstrahlt, gleicht seine Familiengeschichte einem Abenteuerroman, inklusive Vielweiberei und allerlei Irrungen und Wirrungen in Mexiko.
Romneys erster mormonischer Ahne, ein Engländer namens Miles Romney, wäre zudem gewiss stolz, wenn er wüsste, dass sein reicher Nachfahre allein in den Jahren 2010 und 2011 über vier Millionen Dollar an die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage spendete. Der Romney-Vorfahre hörte 1837 einem der ersten mormonischen Missionare zu, die Kirchengründer Joseph Smith nach England beordert hatte – und er biss an, denn 1841 erreichte Miles Romney per Schiff New Orleans und reiste von dort weiter in die Mormonenkolonie Nauvoo im Staat Illinois.
Miles Park Romney landet im Gefängnis
Dort wurde Mitt Romneys schillernder Ur-Urgrossvater Miles Park Romney geboren, der mit der gesamten Mormonengemeinde Nauvoo verliess, nachdem ein Mob Joseph Smith umgebracht hatte. Die Mormonen unter Führung des bedeutsamen Brigham Young siedelten schliesslich im heutigen Staat Utah nahe des Grossen Salzsees, gründeten Gemeinden und erregten den Argwohn ihrer Nachbarn wie der Bundesregierung im fernen Washington, weil sie nicht von der Polygamie lassen wollten.
1882 erliess der Kongress den Edmunds Act, wonach in Polygamie lebende Mormonen ihr Wahlrecht verloren. Miles Park Romney wurde wegen «unerlaubten Beischlafs» sogar ins Gefängnis gesteckt und sein Besitz konfisziert. Laut seinem Biografen Thomas Romney versteckte sich der Vorfahre einmal sogar in einem Planwagen, um den Agenten des Bundes zu entgehen. 1885 flohen Miles Park Romney und andere Mormonen mit dem Einverständnis Brigham Youngs sodann in den mexikanischen Staat Chihuahua, um dort mit ihren diversen Ehefrauen und Kindern Landwirtschaft zu betreiben. Der mexikanische Diktator Porfirio Diaz billigte die Ansiedlung.
Michael Romney, einer der Urenkel von Miles Park Romney, beschrieb die Vielweiberei in Chihuahua als durchaus erträglich: «Über Miles wurde gesagt, er habe die Polygamie so perfekt wie nur möglich gelebt», so Michael. «Du hast zwei oder drei Frauen, und es ist keineswegs ideal, aber er hat das gut gemacht». Völlig anders stellte sich die Situation für die Frauen dar. Im hohen Alter verfasste Hannah Romney, Miles Park Romneys erste Gemahlin, eine Biografie für die Familie, in der sie ihre Gefühle beschrieb, als Miles eine zweite Frau ins Bett nahm. «Es war mehr, als ich ertragen konnte», klagte sie. Denn nichts füge einer Frau mehr Schmerz zu, «als wenn der Ehemann eine zweite Frau nimmt.»
Mitt der Missionar
Mitts Vater George Romney wurde in Mexiko geboren, doch zog seine Familie wie viele Mormonen nach dem Ausbruch der mexikanischen Revolution 1910 zurück in die Vereinigten Staaten. George wurde berühmt als dreimaliger Gouverneur Michigans, er leitete den Autokonzern American Motors und landete schliesslich im Kabinett Richard Nixons. Ausserdem war er an der Konvertierung von Mitts junger Braut Ann zum mormonischen Glauben beteiligt. Anns Vater Edward Davies, ein Ingenieur und Erfinder, war bekennender Atheist und stellte sich zunächst quer, als Mitt seine Braut den Mormonen zuführen wollte.
Mit George Romney traf Edward Davies schliesslich eine Übereinkunft: Mormonische Missionare durften im Beisein von Anns Mutter im Wohnzimmer der Familie mit Ann sprechen. Bald aber konvertierten neben Ann auch ihre beiden Brüder, darunter Roderick Davies, der in Grossbritannien studierte, auf Betreiben Mitt Romneys aber von mormonischen Missionaren besucht wurde. «Dank Mitt Romney war der gesamte Nachwuchs des anti-religiösen Edward Davies in weniger als einem Jahr dem mormonischen Glauben beigetreten», kommentierte die Zeitung Boston Globe. Mitts Ur-Urgrossvater Miles Park Romney wäre sicherlich stolz gewesen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.01.2012, 07:11 Uhr
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40 Kommentare
Ich mag ihn ja auch nicht, aber für allfällige Verfehlungen seiner Vorfahren kann er nun wirklich nichts. Und ich glaube auch nicht, dass Verderbtheit und Gier genetisch vererbt sind (sonst müsste man die Kinder einiger heutiger hiesiger CxO's schon mal präventiv unter Dauerbeobachtung stellen). Kritisiert ihn lieber für das, was er selber ist als für das, was seine Vorfahren waren. Antworten
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