«Die Ausführung war offensichtlich schlecht»
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Als das Beben begann, konnte Alberto Rozas seine sieben Jahre alte Tochter Fernanda noch in den Eingang des Badezimmers ziehen. Vater und Tochter umklammerten einander, als sie plötzlich den Boden unter den Füssen verloren, im 12. Stock eines neuen Hauses im chilenischen Concepción. «Das Erdbeben und der Fall waren eine einzige entsetzliche Sache», sagte Alberto Rozas der Nachrichtenagentur AP am Sonntag. Viele tausend Chilenen erlebten am frühen Sonntagmorgen ebenfalls, dass ihre Häuser dem Beben nicht standhielten.
Alberto Rozas hatte noch Glück. Als der Wohnkomplex aus Glas und Beton zusammenbrach, wusste er zunächst nicht, wo oben und unten war, doch dann orientierte er sich am Vollmond, der durch das kaputte Fenster in seine Wohnung schien. Vater und Tochter konnten ins Freie klettern. Bis auf ein paar Schnitte, Prellungen und Kratzer kamen sie heil davon. Die Nachbarn aber waren unter den Trümmern des Hauses eingeschlossen. Helfer versuchten, sich mit elektrischen Sägen und einer generatorbetriebenen Ramme durch den Beton zu arbeiten.
Zorn auf Bauunternehmen
Die Konsequenzen des Bebens allein für dieses Haus: 23 Bewohner konnten sich retten, sieben Leichen wurden geborgen und vermutlich 60 Menschen waren am Sonntag noch darin eingeschlossen. Der Zorn der Bewohner richtete sich gegen das Bauunternehmen, das den 14 Stockwerke zählenden Komplex erst im Juni eröffnet hatte. Zwar veröffentlichte die Firma Socovil eine Erklärung, wonach alle Bauauflagen erfüllt wurden. Doch Alberto Roza schenkte dem keinen Glauben: «Die Ausführung war offensichtlich schlecht.»
Hausbewohner Abel Torres war gerade von seinem Job in einem Nachtclub in seine Wohnung im sechsten Stock zurückgekehrt, als um 03.34 Uhr Ortszeit die Erde zu beben begann. «Mein Fernseher fiel mir auf den Kopf, und plötzlich sah ich Sternchen», sagte der 25-Jährige. Zusammen mit seinem Mitbewohner stapelte er Möbelstücke, um durch ein Fenster zu entkommen - ohne Kleidung und bedeckt mit Staub.
Fürsorge für Kind rettet Eltern
Im ersten Stock waren Maribel und Gunther Alarcon gerade zu ihrem zwei Jahre alten Sohn geeilt, als die Katastrophe begann. Die Fürsorge für das schreiende Kind war ihre Rettung: Das Kinderzimmer blieb als einziger Ort in der Wohnung heil. «Wir haben viel gebetet», sagte Maribel Alarcon.
Elf Stockwerke weiter oben schliefen Vater und Tochter Rozas nebeneinander, als das Erdbeben losbrach. Als sie sich aus den Trümmern gerettet hatten, brachte Rozas seine Tochter zu ihrer Mutter. Danach kehrte er zurück, um den Feuerwehrleuten den Aufbau des eingestürzten Hauses zu erklären. Aus den Trümmern rettete er Medizin und einige Kleidungsstücke für Fernanda - und seine Gitarre. (mt/ddp/Michael Warren)
Erstellt: 01.03.2010, 14:40 Uhr














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