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Der ungeliebte Kandidat

Eine Analyse von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 08.02.2012 12 Kommentare

Mitt Romneys gestrige Niederlage wird die Diskussion über seine Kandidatur erneut aufflammen lassen – der Mann vermag beim republikanischen Parteivolk keinen Enthusiasmus zu entfachen.

Rückschlag: Mitt Romney am Dienstag in Denver, wo er eine empfindliche Niederlage gegen Rick Santorum kassierte. 2008 hatte er Colorado noch klar für sich entschieden.

Rückschlag: Mitt Romney am Dienstag in Denver, wo er eine empfindliche Niederlage gegen Rick Santorum kassierte. 2008 hatte er Colorado noch klar für sich entschieden.
Bild: Keystone

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Er tat, als sei er bereits zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten gesalbt. Und wo immer im Lande er sprach, ging er vor allem auf Barack Obama los, den vermeintlichen Gegner beim amerikanischen Hauptwahlgang im Herbst. Nun steht Mitt Romney vor einem beträchtlichen Debakel: Statt seine Siegesserie mit klaren Erfolgen in Florida und Nevada fortzusetzen und einen weiteren Schritt hin zur republikanischen Nominierung zu tun, wurde der ehemalige Gouverneur von Massachusetts gestern Nacht gleich mehrmals abgewatscht. Er verlor die Vorwahl in Missouri sowie die Parteiversammlungen in Minnesota und Colorado.

In allen drei Bundesstaaten setzte sich der politisch längst totgesagte Ex-Senator Rick Santorum durch und bezeugte damit den Einfluss sozialkonservativer Christen in der republikanischen Partei. Santorum könnte jetzt weiter im Aufwind segeln, weniger um ihn aber geht es heute als vielmehr um Mitt Romney. Er mag sich staatsmännisch und präsidial geben, doch bewies die gestrige Schlappe, dass Teile der republikanischen Basis Romney nach wie vor misstrauen: Sie glauben, er sei ein Opportunist, weil im Herzen ein gemässigter Politiker und kein wahrer Konservativer.

Auf dem platten Land regelrecht überfahren

Selbst bei seinen Anhängern vermag Romney kaum Enthusiasmus zu erzeugen, was unter anderem die im Vergleich zum Wahljahr 2008 niedrige Wahlbeteiligung bewies. Und nicht nur gewann der Spitzenreiter im mittelwestlichen Missouri am Dienstag keinen einzigen Landkreis – eine erstaunliche Tatsache! –, er verpasste auch einen sicher geglaubten Sieg in Colorado, wo er bei den Parteiversammlungen 2008 gegen Senator John McCain immerhin mit 61 Prozent triumphiert hatte. Vor allem auf dem platten Land wurde Romney regelrecht überfahren.

Zu entrückt scheint er vielen Republikanern, zu reich obendrein in einer amerikanischen Ära, die von grassierender sozialer Ungleichheit geprägt ist. Romneys Argument, als erfolgreicher Geschäftsmann wisse er, wie die amerikanische Wirtschaft wieder auf Touren gebracht werden könne, ist ausserdem nicht ungefährlich: Kommt die Wirtschaft vor dem Wahltag im November in Schwung, hat sich dieses Argument erledigt. In einer vielbeachteten Umfrage vom Montag lag Romney zudem klar hinter Präsident Obama, womit seine Behauptung, der wählbarste der republikanischen Kandidaten zu sein, doch einigermassen erschüttert wurde.

Die dreifache Pleite am Dienstag wird nun neuerlich Zweifel an der Statur Mitt Romneys schüren und jenen in der Partei Auftrieb verleihen, die eindringlich vor seiner Krönung zum Präsidentschaftskandidaten warnen. Mitt Romney mag sich am Ende durchsetzen, grosse Wetten auf ihn abzuschliessen aber, wäre nach den gestrigen Ereignissen verfrüht.

Erstellt: 08.02.2012, 15:14 Uhr

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12 Kommentare

Andreas Moser

08.02.2012, 15:37 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Und, wieso wird in diesem Artikel nicht auch Ron Paul erwähnt? Ron Paul hat kaum Kapital hinter sich und macht verhältnismässig viele Stimmen. Er hat die aktivste Community im Netz und holt bei den Jungen die Stimmen! Antworten


Bruno Haefliger

08.02.2012, 18:29 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Ron Paul ist der einzige Kandidat, eingeschlossen Obama, der dem 3.Weltkrieg eine klare Absage erteilt. Moegen ihn die Medien desswegen nicht ? Ausserdem erhaelt Paul von Mitgliedern der US Streitkraeften und Veteranen, mehr Spenden als alle anderen Kandidaten zusammen. Interessant dass Paul als aeltester Kandidat, sich der groessten Anhaengerschaft unter den jungen Amerikanern erfreut.. Antworten



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