Ausland

Der Videogame-Agent

Aktualisiert am 11.01.2012 6 Kommentare

Zum ersten Mal hat Iran einen US-Bürger zum Tod verurteilt. Die Anschuldigungen, die Amir Hekmati gestanden haben soll, klingen wie aus einem Spionagefilm. Oder geht es doch nur um politisches Kalkül?

Seine militärnahe Vergangenheit macht es für ihn nicht einfacher: Hekmati posiert mit irakischen Soldaten. (Undatierte Aufnahme)

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Atomstreit mit dem Iran

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Es ist die jüngste Provokation in den eskalierenden Beziehungen zwischen Washington und Teheran: Mit Amir Mirsai Hekmati hat die iranische Justiz einen Amerikaner zum Tod verurteilt – zum ersten Mal überhaupt. Der 28-jährige amerikanisch-iranische Doppelbürger war bereits im September im Iran festgenommen worden. Laut seiner Familie wollte er im Herkunftsland seiner Eltern die Grossmutter besuchen.

Das Gericht in Teheran sah es jedoch als erwiesen an, dass Hekmati als Spion eingereist war. Die Mission des ehemaligen US-Soldaten soll unter anderem darin bestanden haben, iranische Dienststellen zu sabotieren und für den US-Auslandsgeheimdienst CIA zu spionieren.

Der Pentagon-nahe Lebenslauf

Tatsächlich weist Hekmatis Lebenslauf Passagen auf, die Teherans Anschuldigungen zumindest nicht ganz unplausibel erscheinen lassen. Hekmati ist dekorierter ehemaliger Sergeant der US-Marines, wie das «Wall Street Journal» (WSJ) schreibt. Im Irak diente er als Übersetzer für Arabisch, das er an der Sprachschule des Pentagons gelernt hatte.

Nach seiner Zeit bei den Marines heuerte Hekmati im Frühling 2010 laut WSJ beim weltweit zweitgrössten Rüstungskonzern BAE Systems an, sein Engagement dort währte jedoch nur wenige Monate. Dann habe er zu einer staatlichen Behörde gewechselt, schreiben verschiedene US-Medien, ohne jedoch genauer zu werden.

Das angebliche Geständnis

Weitere Informationen zu Hekmatis Hintergrund kommen nur noch von iranischer Seite. Im Dezember legte Hekmati angeblich ein Geständnis ab, staatliche iranische Medien veröffentlichten dieses als Video. In einem Bericht vom Dezember fasst die englischsprachige «Tehran Times», das Wesentliche aus dem angeblichen Geständnis zusammen und schreibt Hekmatis Lebenslauf folgendermassen fort: Hekmati habe nach seiner Zeit im Irak für verschiedene Firmen in der Sicherheits- und Spionagebranche gearbeitet. Unter anderem habe ihn die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) angeworben, eine Forschungsabteilung des Pentagon.

Danach habe ihn der Videogame-Entwickler Kuma Games Company rekrutiert. Dabei, so die Zusammenfassung des angeblichen Geständnisses, handle es sich aber nicht um eine harmlose Firma aus der Unterhaltungsindustrie. Kuma erhalte Geld von der CIA. Ziel der kostenlosen Spiele sei es, die öffentliche Meinung im Nahen Osten zu beeinflussen.

Angriff auf Iran: Das Spiel

Solche Vorwürfe aus Teheran sind für die Firma nichts Neues: Bereits 2006 wies der Kuma-CEO entsprechende Anschuldigungen zurück, wie ein Blog der «New York Times» berichtet. Seine Firma führe wohl Aufträge für die US-Streitkräfte aus, mit Spionage habe das aber nichts zu tun.

Ein Blog aus der Gamer-Szene meint jedenfalls den Beweis erbracht zu haben, dass Hekmati tatsächlich für Kuma gearbeitet hat – und zwar an einem Projekt des US-Verteidigungsministeriums, das US-Soldaten das Erlernen von Fremdsprachen erleichtern sollte. In Videogames von Kuma haben die Spieler Aufgaben zu erfüllen, die an die realen Kriege der USA in Afghanistan und im Irak erinnern. Ein anderes Spiel heisst schlicht und einfach: Angriff auf Iran.

Faustpfand im Kalten Krieg

Das alles macht die Sache für den zum Tod verurteilten Hekmati nicht einfacher – auch wenn bisher völlig unklar ist, wie das angebliche Geständnis zustande kam. Auch das Gerichtsverfahren an sich konnte nicht von unabhängigen Beobachtern verfolgt werden. Hekmatis Eltern, die über eine Website eine Kampagne zu Amirs Befreiung führen, zeigen sich «schockiert und verängstigt». «Wir glauben, dass dieses Urteil das Resultat eines Prozesses ist, der weder transparent noch fair verlaufen ist.»

Bekannt ist lediglich, dass Hekmati 20 Tage Zeit hat, um Berufung einzulegen. Iran hat schon in der Vergangenheit ausländische und auch US-Staatsangehörige mit harten Urteilen belegt. Jüngstes Beispiel sind die Wanderer, die im Herbst nach über zwei Jahren freikamen. Das Regime in Teheran habe nicht die Gewohnheit, US-Bürger hinzurichten, gibt das US-Magazin «Time» auf seinem Blog «Global Spin» zu bedenken.

Viel eher, so glauben Kommentatoren in den USA, werde Hekmati Teheran als Faustpfand im andauernden und eskalierenden Konflikt um das iranische Atomprogramm und Sanktionen des Westens dienen. Als «weitere Geisel im Kalten Krieg zwischen dem Iran und den USA» bezeichnet ein Analyst Hekmati gegenüber der «Washington Post». Die Iraner seien froh um «jeden Hebel, den sie gegenüber den USA in die Hände bekommen. Deshalb ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Iraner Herrn Amir Hekmati hinrichten.» (ami)

Erstellt: 10.01.2012, 22:23 Uhr

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6 Kommentare

Telemachos Hatziisaak

10.01.2012, 23:01 Uhr
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Dieser Irano-Amerikaner ist weder "Faustpfand", noch "Geisel". Leider übernimmt der Tagesanzeiger hier notorisch die Diktion des angelsächsisch dominierten Nachrichtenagenturwesens. Dieser Mann ist schlicht und einfach ein in flagranti erwischter und verhafteter illegaler US-Spion, der entsprechend den Gesetzen des Landes, dem er Schaden zugefügt hat, verurteilt werden soll. Antworten


Parvaneh Ferhadi

11.01.2012, 07:12 Uhr
Melden 4 Empfehlung 0

Man merkt schon an der Pressekampagne aus den U.S.A., dass da was dran ist und der Iran wohl nicht allzu falsch liegen wird. Genau wie bei den drei "Wanderern", welche in einem Gebiet unterwegs waren, wo auch die Einheimischen nicht hingehen und wo die PJAK immer wieder mal über die Grenze infiltriert. Für U.S. Medien sind natürlich U.S. Amerikaner prinzipiell mal unschuldig. Böser, böser Iran. Antworten



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