Der Schamane, das Kokain und der Präsident

Aktualisiert am 04.08.2010 2 Kommentare

Wegen Drogenbesitzes ist der bolivianische Schamane Valentín Mejillones festgenommen worden. Das ist peinlich für Präsident Evo Morales.

Symbolische Stabsübergabe: Aymara-Priester Valentin Mejillones mit einem schamanistischen Ritual bei der Amtseinführung von Evo Morales.

Symbolische Stabsübergabe: Aymara-Priester Valentin Mejillones mit einem schamanistischen Ritual bei der Amtseinführung von Evo Morales.
Bild: Reuters

Die Szene war denkwürdig und wurde auf Fotos festgehalten. Bei der Amtseinführung im Jahr 2006 liess sich der erste indianische Präsident von Bolivien, Evo Morales, von einem Aymara-Priester weihen. Valentin Mejillones ist nicht irgendein Priester, sondern der oberste Schamane des südamerikanischen Landes. Der 55-jährige Schamane spricht gerne über Koka. Bei der symbolischen Stabsübergabe sprach er Sätze wie «In Bolivien spürt man den Geruch nach Koka, nach Evo». Oder auch «Koka lügt nicht».

Mit dem Koka, das auch für Rituale verwendet wird, hat Valentin Mejillones nun ein Problem. Genauer: Er ist in einen Drogenskandal verwickelt, wie mehrere Medien berichten. Ist der oberste Schamane von Bolivien gar ein Kokainhändler?

Drogenlabor mit 240 Kilo Kokainpaste

Fakt ist: Valentin Mejillones muss sich wegen Besitzes von 240 Kilogramm Kokainpaste verantworten. In seinem Haus entdeckten Polizisten ein Drogenlabor. Bei der Razzia wurden Mejillones' Sohn und ein kolumbianisches Ehepaar festgenommen. Der Aymara-Priester stellt sich nun als Opfer dar. Er gab zu seiner Verteidigung an, er sei von den Kolumbianern ausgetrickst worden. Sie hätten ein Zimmer in seinem Haus in El Alto angemietet, um dort «Haarpomade und Kräuterpastillen herzustellen».

«In flagranti» habe man die Täter erwischt, liessen die Behörden verlauten. Mejillones sei ein gewöhnlicher Verhafteter und eines Drogendelikts angeklagt. Er sitzt nun vorerst im berüchtigten Gefängnis San Pedro von La Paz.

Evo Morales: Koka ja, Kokain nein

Für Staatspräsident Evo Morales dürfte die Festnahme des Schamanen unangenehm sein, obwohl kein direkter Zusammenhang besteht. Kritiker werfen ihm vor, beim Thema Koka zu lasch zu sein. «Die Regierung zerstört das Image des Landes», kritisierte der Soziologe Fernando Untoja. Sie drücke beim Drogenhandel beide Augen zu. Auch die Vereinten Nationen stellten kürzlich fest, dass die Kokainproduktion in Bolivien zunehme. Der populäre Aymara Morales ist Ehrenvorsitzender der Kokabauern, das Anbaugebiet Chapare im Tiefland gehört zu den Hochburgen seiner Wählerschaft. Morales wirbt für die Verwendung von Koka zu medizinischen und spirituellen Zwecken und wollte das Gewächs sogar in der Nationalfahne unterbringen. Sein Motto lautet zwar: Koka ja, Kokain nein. Doch vier Jahre nach der Amtseinführung dürfte die Weihe durch den Schamanen etwas peinlich für den bolivianischen Präsidenten sein.

Vizepräsident Alvaro Gracia betonte, Morales habe sich den Priester für seine Angelobung nicht ausgesucht: «Ob er Priester ist oder nicht: Wenn er ein Verbrechen begangen hat, werden wir ihn nicht vor der Justiz beschützen».

Bolivien ist der drittgrösste Kokainproduzent der Welt, die Zucht der Koka-Pflanze für den traditionellen Gebrauch ist aber legal. Die Blätter werden gekaut, zu Tee weiterverarbeitet oder Lebensmitteln und Kosmetika beigemischt. (vin)

Erstellt: 04.08.2010, 12:19 Uhr

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2 Kommentare

Rolf Schumacher

04.08.2010, 12:30 Uhr
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Das Problem ist nicht das Coca welches in Bolivien konsummiert wird. Denn da hat es soviel mit der Landeskultur zu tun wie einst das Cannabis bei uns. Die Doppelmoral ser westichen (aufgeklärten? oder verklärten) Kultur ist schier unausstehlich. Novartis stopft uns ganz legal mit Drogen voll. Weshalb darf man Heroin im westlichen Spital legal einsetzen, aber den Schamanen das Coca nehmen? Antworten


Peter ganz

04.08.2010, 12:35 Uhr
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Wuerde man den Bauern nur ein klein wenig mehr bezahlen fuer Agrar Produckte, waeren einige nicht im Kokain Handel verwickelt, das bringt einiges mehr an Einnahmen. Auch Schweizer Firmen mit Sitz am Genfersee haben kein Interesse den Bauern ein wenig mehr zu bezahlen. Kaffee zum Beispiel. Habe lange in Suedamerika gelebt kenne das Problem. Antworten



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