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Der Arm des Wallstreet-Sheriffs reicht bis in die Schweiz

Aktualisiert am 31.01.2012 36 Kommentare

Der US-Staatsanwalt Preet Bharara hat die Oberaufsicht über Hunderte Strafverfahren. Er jagt Hedgefondsmanager, Mafiabosse, Terroristen und seit Neustem auch Schweizer Banker.

Hat es auch auf Schweizer Banker abgesehen: Preet Bharara erklärt eine Anklage wegen Insiderhandels in New York. (5. November 2009)

Hat es auch auf Schweizer Banker abgesehen: Preet Bharara erklärt eine Anklage wegen Insiderhandels in New York. (5. November 2009)
Bild: Keystone

US-Staatsanwälte

Die United States Attorneys, auch Federal Prosecutors genannt, vertreten die US-Regierung in ihrem jeweiligen Distrikt. Es gibt 93 solche Staatsanwälte, die dem US-Justizministerium angegliedert sind. Ihnen obliegt die Durchsetzung des Bundesrechts. Dafür stehen ihnen bis zu 350 stellvertretende US-Staatsanwälte und bis zu 350 weitere Mitarbeiter zur Seite. (Quelle: Wikipedia)

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Nominal umfasst der Southern District of New York der federalen Strafverfolgungsbehörden nur die Stadtteile Manhattan, die Bronx sowie sechs Landkreise im Norden der US-Finanzmetropole. Doch Staatsanwalt Preet Bharara und seine Truppe von 200 Anwälten bringen mit dem langen Arm der US-Justiz auch elf Banken in der Schweiz in Bedrängnis. Für Wegelin & Co. war der Würgegriff bereits tödlich. Die Besitzer der ältesten Schweizer Privatbank sahen sich vor einer Woche gezwungen, sämtliche Aktivitäten ausser dem US-Geschäft zu verkaufen.

Anfang Januar haben die US-Steuerbehörden gegen drei Wegelin-Mitarbeiter Klage eingereicht. Die New Yorker Staatsanwaltschaft wirft den Wegelin-Bankern vor, in den Jahren 2005 bis 2010 US-Steuerzahlern dabei geholfen zu haben, Gelder in der Höhe von 1,2 Milliarden Dollar vor den US-Steuerbehörden zu verstecken. Dazu seien Scheinfirmen in Liechtenstein, Panama und Hong Kong eingerichtet worden.

Ankläger aufseiten der Amerikaner ist Staatsanwalt Preet Bharara. Dem geborenen Inder, der 1970 in die USA einwanderte, eilt ein Ruf eines unabhängigen Staatsanwalts voraus. Die «New York Times» bezeichnet ihn als «Sheriff der Wallstreet». Den Titel hat er sich mit hartnäckigen Klagen gegen Insiderhandel verdient. Persönlich erschien Bharara während seines letzten grossen Falls an jedem Prozesstag im Gerichtssaal. Schliesslich wurde der Hedgefonds-Gründer Raj Rajaratnam im letzten Oktober zu elf Jahren Gefängnis verurteilt, der längsten Strafe, die in den USA bisher für Insiderhandel ausgesprochen wurde.

«Bharara stellte sicher, dass das Zielpublikum der Wallstreet-Händler versteht, zu welch aussergewöhnlichem Einsatz die Behörde bereit ist, um solchen Vergehen nachzuspüren und das Recht durchzusetzen», kommentierte der ehemalige New Yorker Strafverfolger Neil M. Barofsky in der «New York Times». Bharara hatte zum ersten Mal in einem Insiderfall einen Lauschangriff ausgeführt. Die Tonbandaufnahmen trugen zum Schuldspruch auf der ganzen Linie bei.

Mafiajäger – gegen Korruption und Terrorismus

Die Technik wurde im Rahmen von Bhararas früherer, fünfjähriger Tätigkeit als stellvertretender Staatsanwalt häufig eingesetzt. Bis 2005 war er für Anklagen gegen Mafiabosse der Familien Gambino und Colombo sowie asiatische Banden verantwortlich. Dann wurde er Oberster Berater des New Yorker Senators Charles Schumer. US-Präsident Barack Obama ernannte ihn im Mai 2009 zum US-Staatsanwalt (siehe Infobox).

Preet Bharara hat die Oberaufsicht über Hunderte straf- und zivilrechtliche Verfahren. Neben dem Kampf gegen Wirtschaftskriminalität hat er sich auch dem Kampf gegen Korruption verschrieben. Dabei hat er auch schon mehrere Volksvertreter angeklagt, darunter drei Mitglieder des New Yorker Senats.

Eine seiner Top-Prioritäten ist schliesslich der Kampf gegen den Terrorismus. Auch in diesem Bereich sind einige der wichtigsten Fälle der USA bei Bharara angesiedelt. So ermittelt er gegen Mitglieder von al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel, der fundamentalistischen somalischen Terrorgruppe al-Shabab und der libanesischen Hizbollah. Gegenüber der «New York Times» rechtfertigte er diese Ermittlungen in Übersee so: «Da das Verbrechen global geworden ist, muss auch der Arm des Gesetzes noch länger werden.» Und er fügte an: «Wir können nicht warten, bis die Bomben explodieren.»

Jeden Zweifel beseitigen

Wenn Bharara zuschlägt, muss der Schlag sitzen. Nachdem er letztes Jahr Ermittlungen gegen die Deutsche Bank wegen Hypothekarbetrugs fallen gelassen hatte, wurde ihm vorgeworfen, er renne dem nicht systembedrohlichen Insiderhandel nach und lasse die Schuldigen der Finanzkrise laufen.

Er erwiderte, dass er gerne gegen alle Bösewichte der Wallstreet vorgehen wolle. «Doch müssen wir eine Anklage präsentieren, die jeden Zweifel beseitigt.» Angesichts einer minutiösen Arbeit der Staatsanwaltschaft sahen offenbar auch die Verantwortlichen bei der Bank Wegelin & Co. keinen Ausweg mehr. (rub)

Erstellt: 31.01.2012, 19:09 Uhr

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36 Kommentare

Hans Hugentobler

31.01.2012, 19:54 Uhr
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Man muss dem Mann dankbar sein, sind doch inzwischen Banken der Mafia nicht unähnlich, und einzelne Banker den Mafiabossen nicht unähnlich. Man kann sich inzwischen auch halbwegs die Geschäftspraktiken von Wegelin+Co vorstellen. Sicher kein Ruhmesblatt für die Bank und den Schweizer Finanzplatz. Normalbürger empören sich mit Recht. Antworten


Peter Rusterholz

31.01.2012, 19:59 Uhr
Melden 69 Empfehlung

Es ist wie bei Hildebrand. Ein wichtiges Auftreten und die Linken glauben Zorro den Rächer der Mittellosen vor sich zu haben und jubeln. Leider merken sie nicht, dass er nur seinen eigenen Bankenplatz stärken und es auf das Schweizer Volksvermögen abgesehen hat. Zu Ende gedacht natürlich auf Kosten der Sozialwerke. Antworten



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