Ausland

Debakel im Iran

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 08.12.2011 8 Kommentare

Die USA erwogen, die im Iran abgestürzte CIA-Drohne durch einen Kommandoeinsatz zu bergen oder zu zerstören. Das Flugzeug war Teil einer CIA-Kampagne gegen Teheran.

Im Auftrag der CIA unterwegs: Tarnkappendrohne RQ-170 Sentinel. Bild: aerowiki.blogspot.com

Im Auftrag der CIA unterwegs: Tarnkappendrohne RQ-170 Sentinel. Bild: aerowiki.blogspot.com

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Der Absturz einer amerikanischen Drohne über dem östlichen Iran am vergangenen Wochenende hat neuerlich ein Licht auf verdeckte US-Aktionen gegen Teheran geworfen. Das unbemannte Flugzeug vom Typ RQ-170 Sentinel war laut iranischen Angaben abgeschossen worden, was in Washington jedoch umgehend dementiert wurde: Die Elektronik der Drohne habe versagt, worauf sie ausser Kontrolle geraten sei.

Derart um Geheimhaltung bemüht war die CIA, dass neugierige Medien zunächst belogen wurden: Bei der Maschine, verlautete am vergangenen Sonntag aus dem Hauptquartier der Nato-Truppen in Afghanistan, handle es sich «wahrscheinlich um ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug, das am Wochenende Einsätze im westlichen Afghanistan geflogen sei». Am Montag bestätigten dann ungenannte Regierungsmitarbeiter in Washington, dass die abgestürzte RQ-170 eine CIA-Drohne gewesen sei. Ihr Verlust ist äusserst brisant, da das Flugzeug über hochmoderne Sensoren und Kameras verfügt.

Drohne mit Tarnkappen-Eigenschaften

Auch wird die von Lockheed Martin in Kalifornien entwickelte RQ-170 nicht wie die seit längerem eingesetzten Predator- und Reaper-Drohnen von einem Propeller angetrieben, sondern von einem Düsenmotor. Eine geheime Beschichtung verleiht der RQ-170 Tarnkappen-Eigenschaften, so dass sie vom Radar unbemerkt über feindlichem Territorium kreisen kann. Bekannt geworden war die Existenz der exotischen Maschine 2009, als sie auf einem Flugfeld in Afghanistan fotografiert wurde.

Es ist unklar, warum der Selbstzerstörungsmechanismus der abgestürzten RQ-170 versagt hat. Laut Insidern in Washington wurde anfänglich erwogen, die Drohne durch einen US-Kommandoeinsatz auf iranischem Boden zu bergen oder zu zerstören, um die Enthüllung geheimer Technologien zu verhindern. Dem Vernehmen nach trug der Flugkörper nur geringe Schäden davon, als er in einer entlegenen Region abstürzte. Der Einsatz von Sonderkräften oder eine Bombardierung des Wracks der RQ-170 durch US-Bomber wurde indes verworfen, da es sich um einen kriegerischen Akt auf iranischem Territorium gehandelt hätte.

Peking profitierte schon einmal vom Absturz eines US-Fliegers

US-Dienste fürchten nun, die hochentwickelten Technologien der Drohne könnten Russland oder China in die Hände fallen. Washington ist überzeugt, dass die Entwicklung des neuen chinesischen Tarnkappenjägers J-20 erst möglich wurde, nachdem Agenten Pekings einen 1999 über dem Kosovo abgestürzten F-117-Tarnkappenjäger der amerikanischen Luftwaffe seziert hatten. Die RQ-170 ist unter anderem in der Lage, radioaktive Emissionen aus grosser Höhe zu messen. Die Maschine kann Handys abhören, und ihre hochmodernen Kameras verfügen über extreme Auflösungsfähigkeiten.

Deshalb dürfte die RQ-170 vor allem iranische Atomanlagen aufklären. Die USA beschuldigen den Iran, insgeheim an Atomwaffen zu arbeiten, was von Teheran bestritten wird. Bereits 2007 hatte der damalige Präsident George W. Bush ein sogenanntes «Presidential finding» unterzeichnet, mit dem Geheimaktionen im Iran autorisiert wurden. 2010 wurde das iranische Atomprogramm durch den Computervirus Stuxnet, der nach Ansicht von Experten gemeinsam von Israel und den USA entwickelt wurde, um Jahre zurückgeworfen. Ebenfalls im Vorjahr wurden mehrere iranische Nuklearwissenschaftler durch Bombenanschläge ermordet.

Obwohl Teheran behauptete, ein Netz von US-Informanten und -Agenten ausgehoben zu haben, ereignete sich im Oktober und November neuerlich eine Serie verdächtiger Explosionen in mehreren iranischen Städten und militärischen Anlagen, darunter in einem Entwicklungszentrum für Raketen 50 Kilometer westlich von Teheran. Zwar hatte Präsident Ronald Reagan 1981 ein Verbot von US-Mordanschlägen unterzeichnet, doch ist unklar, ob diese Anordnung noch immer in Kraft ist. So autorisierte Präsident Obama etwa die Tötung von Terrorverdächtigen durch US-Kommandos und Drohneneinsätze. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.12.2011, 12:24 Uhr

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8 Kommentare

Max Untreu

08.12.2011, 16:17 Uhr
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Der Krieg scheint schon lange im Gange zu sein. Und während die westliche Wertegemeinschaft vor dem angeblich agressiven und gefährlichen Iran warnt, werden gezielt Wissenschaftler und so genannte Terrorverdächtige getötet. Terrormethoden um sich gegen behaupteten Terrorismus zu wehren - wie pervers ist das denn. Antworten


Peter Kaegi

08.12.2011, 15:28 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Muss denn die USA um jeden Preis einen globalen Konflikt provozieren! Antworten



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