Ausland
Das fliegende Phantom
Aktualisiert am 17.05.2012 11 Kommentare
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F-22 Kampfjet vollzieht spektakuläres Manöver. (Quelle: Youtube.com)
Max Ungricht ist Aviatikfachmann und Kenner der Luftfahrtbranche. Als Chefredaktor zeichnet er für die Schweizer Fachzeitschrift «Cockpit» verantwortlich.
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Der F-22 Raptor gilt als gefährlicher Jäger. Allerdings nicht nur für die Ziele, auf die er es abgesehen hat, sondern auch für die Piloten, die im Cockpit des US-Kampfflugzeuges Platz nehmen. Schon seit seiner Lancierung im Dezember 2005 wurden Probleme mit der Luftversorgung registriert. Immer wieder klagten die Piloten nach ihren Einsätzen über Schwindel und Orientierungslosigkeit (DerBund.ch/Newsnet berichtete im letzten September ausführlich).
Am 16. November 2010 geriet die Situation ausser Kontrolle: Pilot Jeffrey Haney stürzte mit einer F-22 in Alaska ab. Heute liegt der Verdacht nahe, dass sein «gesteuerter Flug in den Boden» in direktem Zusammenhang mit der mangelhaften Sauerstoffversorgung stand. Die US-Flugaufsichtsbehörde reagierte im Mai 2011 und verhängte für sämtliche 150 Flugzeuge des Typs ein Startverbot. Das Flugverbot hielt nicht lange. Im September hoben die ersten Maschinen bereits wieder vom Boden ab. Eine Klärung der Vorfälle fand nicht statt. «Diese Haltung ist typisch für das US-Verteidigungsministerium, das sich in militärischen Angelegenheiten sehr bedeckt hält», sagt Aviatikexperte Max Ungricht gegenüber DerBund.ch/Newsnet.
Piloten verweigern den Flug
Anfang dieses Monats gingen mehrere Piloten in die Offensive, wie die «Los Angeles Times» berichtete. Ihre öffentlich ausgesprochene Verweigerung, den Kampfjet weiter zu fliegen, könnte sie zwar den Job kosten, verfehlte aber die Wirkung nicht. Wegen Sicherheitsbedenken hat das US-Verteidigungsministerium die Luftwaffe am Dienstag angewiesen, den Einsatz ihrer modernsten Kampfjets einzuschränken. Verteidigungsminister Leon Panetta verfügte nach Angaben des Pentagons, die F-22 Raptor vorerst nicht mehr auf Langstreckenflügen, sondern nur noch im Umkreis von Flughäfen einzusetzen, um im Notfall jederzeit eine Landung zu ermöglichen.
Das neuerliche «Grounding» reiht sich nahtlos in die pannenreiche Geschichte des vermeintlichen Vorzeigeobjekts der US-Luftwaffe. Der F-22 ist mit durchschnittlichen Systemkosten von etwa 189 Millionen US-Dollar das gegenwärtig teuerste Jagdflugzeug der Welt. Ob er das viele Geld auch Wert ist, darf immer stärker bezweifelt werden: Schon bei früheren Testflügen kam es zu Computerausfällen und zwei weiteren Abstürzen, die allerdings nicht tödlich endeten.
«Ein typischer Striker»
Trotz dieser Vorkommnisse gilt der F-22 ungebrochen als «modernstes Kampfflugzeug der Welt», wie der Hersteller Lockheed Martin sein Flugzeug selber anpreist. «Der F-22 ist ein typischer Striker der 5. Generation», sagt Ungricht. Ein Flugzeug, das aufgrund seiner teuren Stealth-Technik (Tarnkappentechnik) mittels Radar schlecht erkennbar ist. Dieser Kampfjet sei wie gemacht, um in fremde Lufträume einzudringen und andere Kampfflugzeuge sowie Erdziele oder Schiffe zu bekämpfen, sagt der Aviatikexperte.
Mangels Vergleichsflügen mit anderen Flugzeugen könne kaum gesagt werden, «was der Raptor kann oder eben nicht kann», sagt Ungricht. Was über den Kampfjet erzählt wird, sei grossartig, doch ob er dies auch wirklich kann, sei dahingestellt. «Die Experten tappen im Dunkeln», so Ungricht.
Heutige Stealth-Technik könnte bald veraltet sein
Kommt dazu, dass die Stealth-Technik, das eigentliche Prunkstück des Flugzeugs, ein Vorteil auf Zeit ist. Staaten wie Israel oder China besässen bereits die Möglichkeit, Tarnkappenflugzeuge auf dem Radar zu erkennen, sagt Ungricht. «Weitere Länder dürften diesbezüglich in fünf bis zehn Jahren nachziehen, dann ist die heutige Stealth-Technologie kein Vorteil mehr», sagt Ungricht.
Eine sehr teure Investition, die irgendwann keinen Sinn mehr ergibt und sogar zur Schwäche werden könnte: Die Stealth-Technologie setzt voraus, möglichst alle Sensoren, Treibstoffe und Waffen innerhalb zu tragen, um den maximalen Tarneffekt zu erzielen. «Das schränkt natürlich ein», sagt Ungricht. Kampfjets wie der Eurofighter, die Rafale oder der Gripen sind diesbezüglich im Vorteil, weil sie beispielsweise mehr Waffen und Zusatztanks mit sich tragen können, sagt Ungricht.
Möglicher Export
Ist die nun geltende Flugeinschränkung vielleicht sogar der Anfang vom Ende? Wird der F-22 in wenigen Jahren ganz von der Bildfläche verschwunden sein? Für Ungricht ist dies ein unwahrscheinliches Szenario. Im Gegenteil: Der Aviatikexperte kann sich gut vorstellen, dass das Flugzeug in ein paar Jahren in den Export geht. Dies obwohl die Amerikaner ursprünglich sagten, dass sie die Maschine nicht verkaufen wollen. Länder wie Israel hätten bereits Interesse signalisiert. Auch Japan oder Taiwan wären mögliche Abnehmer, meint Ungricht.
Stellt sich bloss die Frage, ob sich diese Länder das leisten wollen: ein teures Kriegsgerät, von dem, ausser die Amerikaner, niemand wirklich weiss, was es kann und das immer wieder schlechte Presse hat. Das Problem mit der Luftversorgung soll jedenfalls noch dieses Jahr gelöst werden. Das US-Verteidigungsministerium hat dafür 50 Millionen Dollar dafür gesprochen, wie das Magazin Wired schreibt. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.05.2012, 22:23 Uhr
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11 Kommentare
"was über diesen Kampfjet erzählt wird sei grossartig"... naja das mag kreigstechnisch ja stimmen, aber ich finde die distanzlosigkeit dieser aussage trotzdem etwas problematisch. es geht ja immerhin darum auch menschen zu töten, da mit dem wort grossarig zu hantieren, ist meiner meinung nach etwas naiv. Antworten
Die Amerikaner geben Milliarden für Kriegsspielzeuge und Überwachung der eigenen Bürger aus, gleichzeitig verlottert aber immer mehr die Infrastruktur im Land und immer mehr Bürger verarmen und haben nicht mehr genug Geld für Gesundheitsleistungen und Grundnahrungsbedürfnisse. Antworten
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