Das erfundene Baby, das Amerikas Christen liebten
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 18.06.2009 10 Kommentare
Der Geburt des Baby-Girls, dessen Mutter ihr bereits den Namen «April-Rose» verliehen hatte, fieberten Hunderttausende devoter amerikanischer Christen entgegen. Eine Freundin der werdenden Mama, «Rachel», beschrieb, wie die Wehen einsetzten und das Kind geboren wurde – was über eine Million Besucher auf den Blog der Mutter lockte.
Leider handelte es sich dabei um einen traurigen Schwindel, der über Monate amerikanische Abtreibungsgegner beglückt hatte: Die hehre Story der lediglich als B. bekannten Schwangeren, die ein bereits im Mutterleib als todkrank diagnostiziertes Baby austragen und nicht abtreiben wollte, war eine Erfindung der 26-jährigen Sozialarbeiterin Beccah Beushausen aus einem Vorort Chicagos.
Von einer Puppenmacherin enttarnt
Am vergangenen Wochenende wurde die Betrügerin von der Zeitung «Chicago Tribune» einem breiteren Publikum vorgestellt, nachdem sie zuvor bereits im Internet enttarnt worden war.
Dabei war alles so wunderbar gewesen und B. in den Monaten ihrer vermeintlichen Schwangerschaft zu einer Heldin amerikanischer Abtreibungsgegner geworden. Auf ihrem Blogspot berichtete sie, unterlegt mit Bibelzitaten und einem christlichen Soundtrack, über ihre hoffnungslose Schwangerschaft, womit sie einer rasch wachsenden Gemeinde von Bewunderern das Herz wärmte. Zu einem Symbol wurde die unbekannte Schwangere, die sich tapfer dazu entschlossen hatte, ihr krankes Kind auf die Welt zu bringen, nur um das Baby innerhalb von Stunden oder Tagen zu verlieren.
Die Christen sandten Geschenke und Geld
Evangelikale Webseiten dirigierten ihre Leser auf Beccahs Blog, Fans sandten Geschenke oder gar Geld und am Tag der angeblichen Geburt fieberte ein breites Publikum mit. Nach der Entbindung und dem Tod von «April-Rose», die nach wenigen Stunden gestorben war, stellte Beushausen ein Foto ins Internet, auf dem sie mit einem in Tüchern gewickelten «Baby» zu sehen war – was ihr zum Verhängnis wurde.
Denn Elizabeth Russell, eine Puppenmacherin im Staat New York, erkannte sofort, dass es sich bei «April-Rose» um eine ihr bekannte Puppe handelte. Als Russell daraufhin in einem eigens eingerichteten Blog Beushausen auffliegen liess, erhielt sie zunächst hasserfüllte E-Mails von Fans, die den Schwindel nicht wahrhaben wollten. Kurze Zeit später wurde Beushausen identifiziert und bestätigte den Schwindel. Die Sache tue ihr «mehr leid, als Sie glauben können», schrieb sie letzten Sonntag und kündigte an, Geld und Geschenke wohltätigen Institutionen aushändigen zu wollen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.06.2009, 11:56 Uhr
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