Ausland

Das Pentagon fahndet nach dem Wikileaks-Gründer

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 22.06.2010 8 Kommentare

Wikileaks will angeblich weitere Pentagon-Interna veröffentlichen. Der Informant wird der Spionage beschuldigt.

Ein Informant, ein angeblicher Journalist, der sich ans FBI wendet, potenzieller Landesverrat, ein untergetauchter Impresario: Zusehends seltsamer und zugleich brisanter werden die Vorgänge um die Website Wikileaks, die von Whistleblowern gelieferte Interna aus Unternehmen und Regierungen veröffentlicht.

Zuletzt hatte die vom australischen Ex-Hacker Julian Assange betriebene Website im April weltweites Aufsehen erregt, als sie ein bis dahin geheimes amerikanisches Armeevideo des Einsatzes eines Kampfhubschraubers 2007 in Bagdad zeigte, bei dem 14 Menschen, unter ihnen 2 Angestellte der Nachrichtenagentur Reuters, ums Leben gekommen waren.

Gerüchte kursieren

Nun kursieren Meldungen, wonach Wikileaks in Kürze ein ebenso brisantes Video des amerikanischen Luftangriffs auf das afghanische Dorf Garani veröffentlichen werde. Bei dem Angriff 2009 waren bis zu 140 Zivilisten, unter ihnen viele Kinder und Jugendliche, getötet worden. Das amerikanische Militär hatte zunächst behauptet, bei den Toten handle es sich überwiegend um Taliban-Kämpfer.

Beide Videos sollen Wikileaks von dem amerikanischen Armeegefreiten Bradley Manning zugespielt worden sein, der Ende Mai unter mysteriösen Umständen im Irak wegen Spionageverdachts festgenommen wurde. Der 22-jährige Manning diente bei einer nachrichtendienstlichen Einheit. Er flog auf, nachdem er Anfang Mai per E-Mail und Internet-Chats den amerikanischen Ex-Hacker Adrian Lamo kontaktiert hatte. Obschon sich Lamo gegenüber dem Gefreiten als «Journalist» identifiziert und Manning Vertraulichkeit zugesichert hatte, informierte er kurze Zeit später unter bislang ungeklärten Umständen das FBI – weil Manning unter anderem behauptet hatte, mehr als 200'000 brisante Dokumente über die amerikanischen Beziehungen zu arabischen Regierungen an Wikileaks weitergereicht zu haben. «Hillary Clinton und mehrere Tausend Diplomaten rund um die Welt kriegen einen Herzinfarkt, wenn sie eines Morgens aufwachen und eine Deponie vertraulicher Dokumente finden, die publik geworden sind», so Manning zu Lamo.

«Sie versuchen, ihn aufzutreiben»

Er habe darin «eine Bedrohung des nationalen Interesses» gesehen und sich darum an die US-Behörden gewandt, rechtfertigt Lamo seinen Vertrauensbruch. Laut der teilweise veröffentlichten Kommunikation zwischen Manning und Lamo hatte sich der Gefreite «weltweite Diskussionen, Debatten und Reformen» im Gefolge der Publikation der Dokumente erhofft.

Amerikanischen Presseberichten zufolge sucht das Pentagon inzwischen fieberhaft nach dem Wikileaks-Gründer Julian Assange. Er soll sich angeblich in Australien aufhalten. «Sie versuchen, ihn aufzutreiben», bestätigt die isländische Parlamentsabgeordnete Birgitta Jonsdottir, eine Vertraute von Assange, die US-Fahndung. Bereits 2008 hatte die Spionageabwehr der US-Armee Wikileaks in einem vertraulichen Report beschuldigt, die «Sicherheit der Vereinigten Staaten» zu bedrohen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.06.2010, 21:09 Uhr

8

Kommentar schreiben







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

8 Kommentare

Patrick Ryf

22.06.2010, 10:39 Uhr
Melden

Unter dem Deckmantel der Nationalen Sicherheit, hat sich die Korruption in den USA und ihren Vasallen-Staaten zu einem unglaublichen Krebsgeschwür entwickelt. Wenn die Verbrechen der Bush-Clinton-CIA Drogen- Waffen- und Menschenhandelsmafia ans Tageslicht kommen, werden Weltweit die Masken fallen. Der Tag naht, wo sich diese Verbrecher nicht mehr hinter ihren Geheimdiensten verstecken können. Antworten


Peter Müller

22.06.2010, 11:54 Uhr
Melden

Ich schliesse mich dem Kommentar von Herrn Ryf an! Spannend wird es auch werden, wenn die Handlangereien unserer so genannten "Volksvertreter" in Bern, reihenweise aufgedeckt werden. Z.B. die Schredder-Aktion des Bundesrates nach der Tinner-Affaire! Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre


Online-Wettbewerb

Gewinnen Sie einen Tageseintritt im Bernaqua.
Jetzt mitmachen!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!