Ausland
«Cano wird nicht leicht zu ersetzen sein»
Interview: Fabienne Klenger. Aktualisiert am 06.11.2011 16 Kommentare
«Tages-Anzeiger»-Korrespondent Sandro Benini.
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Der Chef der Farc, Alfonso Cano, wurde von der kolumbianischen Armee getötet. Was bedeutet das für die Rebellenorganisation?
Der Tod Canos ist für die Farc ein schwerer Rückschlag, aber nicht das Ende. Nachdem der legendäre Farc-Anführer Manuel Marulanda im März 2008 einem Herzinfarkt erlegen war, gab es Zweifel, ob der aus einer Mittelschichtsfamilie stammende Anthropologe Cano sich gegen die anderen Farc-Kommandanten überhaupt durchsetzen könne. Er hat sich nicht nur durchgesetzt, sondern es ist ihm auch gelungen, die Befehlsstrukturen innerhalb der Guerillaorganisation zu straffen und die Farc militärisch teilweise zu reorganisieren. Cano wird also nicht leicht zu ersetzen sein.
Wie sind die Reaktionen in Kolumbien auf den Tod Canos?
Präsident Juan Manuel Santos vermeldete den Tod in einer knappen Mitteilung. Er gab keine Einzelheiten über den Ablauf der Ereignisse bekannt, die dem Farc-Chef das Leben gekostet haben. Er rief die Guerilleros einmal mehr auf, den bewaffneten Kampf aufzugeben: «Sonst endet ihr entweder im Gefängnis oder im Sarg», sagte Santos. Ansonsten bemüht man sich in Kolumbien in solchen Fällen jeweils, nicht in offenen Triumphalismus auszubrechen – nicht zuletzt aus Angst vor Racheaktionen der Farc. Mehrere namhafte Politiker haben dem Militär gratuliert und die Hoffnung geäussert, mit dem Tod Canos würden die Chancen steigen, den seit Jahrzehnten dauernden Kampf zwischen Farc und Staat friedlich zu beenden.
Wer könnte Nachfolger Canos werden?
Als aussichtsreichste Anwärter gelten Luciano Marín alias „Iván Márquez“ und Timoleón Jiménez alias «Timochenko», wobei sich Ivan Márquez Experten zufolge eher durchsetzen dürfte. Es sei wahrscheinlich, dass die Frage der Nachfolge innerhalb der Farc-Führungsstruktur für Spannungen sorge, was die Guerilla natürlich zusätzlich schwächen würde. Iván Márquez ist für die internationalen Beziehungen der Farc zuständig. Er gilt als weniger stur und ideologisch verbiestert als Cano; unter seiner Führung wäre es eher denkbar, dass die Farc Friedensverhandlungen mit der Regierung aufnimmt. Márquez hat sich in den 80er Jahren während seines Studiums radikalisiert und ist der Farc beigetreten. Nach einiger Zeit verliess er die Guerilla wieder, um sich der linken Partei Unión Patriótica anzuschliessen. Er brachte es sogar zum Parlamentsabgeordneten. Als militärische und paramilitärische Einheiten begannen, die Politiker der UP systematisch zu ermorden, kehrte Márquez zur Farc zurück. 2007 traf er mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zusammen.
Und Timochenko?
Timochenko ist seit 1982 Farc-Mitglied. Seine militärische Ausbildung absolvierte er teilweise in Osteuropa. Er gilt eher als Hardliner.
Die kolumbianische Armee konnte zuvor mit Raul Reyes und Jorge Briceño Suarez alias «Mono Jojoy» bereits einige Farc-Chefs eliminieren. Wie stark ist die Terror-Organisation heute noch?
Sie ist deutlich schwächer als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren, aber militärisch besiegt ist sie nicht. Unter Canos Führung sind die Farc sogar wieder gefährlicher geworden und vermochten der kolumbianischen Armee teilweise empfindliche Verluste zuzufügen. Es ist sicher zu früh, den endgültigen Sieg über die marxistischen Dschungelkämpfer auszurufen. Das hat man schon in der Vergangenheit mehrmals getan. Und es hat sich immer als falsch erwiesen.
Was hält die Farc denn immer noch am Leben?
Die Farc verdienen am Kokainhandel sehr viel Geld. Sie können deshalb moderne Waffen kaufen und in verarmten Gebieten als Organisation auftreten, die jungen Leuten zumindest einen regelmässigen Sold, Kleidung und eine tägliche Mahlzeit bietet. Daneben gibt es immer wieder Berichte von Zwangsrekrutierungen; in bestimmten Zonen müsse beispielsweise jede Bauernfamilie mindestens einen Sohn oder eine Tochter an die Farc abtreten. Zumindest einige Anführer der Guerilla, die wie Cano oft aus mittelständischen Familien stammen und über eine akademische Ausbildung verfügen, hängen wohl immer noch kommunistischen Idealen an und glauben, mit ihrem Kampf zur Befreiung der Volkes beizutragen.
Wie will Kolumbien die Guerilla weiter bekämpfen?
Santos wird weiterhin auf militärische Aktionen setzen. Daneben ist er eher zu Verhandlungen mit der Farc bereit als sein Vorgänger Álvaro Uribe. Nach seiner Beförderung zum Farc-Chef hatte Alfonso Cano mehrmals versucht, mit der Regierung ins Gespräch zu kommen – wohl nicht zuletzt, weil er sich militärisch immer mehr unter Druck fühlte. Santos stellte aber unmissverständliche Bedingungen, etwa die Freilassung sämtlicher Entführter. Darauf ist Cano nicht eingegangen. Es wird spannend sein zu sehen, ob sich dies unter seinem Nachfolger ändert.
Lässt sich der Krieg gegen die Farc militärisch überhaupt gewinnen?
Neben den Gewinnen aus dem Kokainhandel und der Armut der Landbevölkerung profitieren die Farc von einem weiteren Faktor: Der Geographie des Landes, die den Rebellen unzählige dicht bewaldete, äusserst schwer zugängliche Rückzugsgebiete und Verstecke bereithält. Die Farc sind zwar ausserstande, den Staat militärisch zu besiegen, aber bisher deutet alles darauf hin, dass ihr umgekehrt auch der Staat nicht wirklich Herr zu werden vermag. Hoffen kann man einzig darauf, dass die Führung der Organisation die Aussichtslosigkeit ihres Kampfes irgendwann einsieht und in eine Verhandlungslösung einwilligt. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich in Lateinamerika eine Guerillaorganisation zu einer politischen Partei wandelt.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.11.2011, 22:40 Uhr
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Die FARC wird von der EU offiziell als Terrororganisation klassifiziert. Unverständlich hingegen, dass unsere Frau Calmy Rey dieser Bande, die mit Kindersoldaten und Zwangsrekrutierten eine Drogen-Multi leitet und ehrliche Kolumbianer erpresst und entführt, immer noch erlaubt, die Schweiz als Zentrum ihrer Aktivitäten in Europa zu missbrauchen und sich weigert der EU-Linie zu folgen Antworten
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