Ausland

Bye bye, Auto

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 06.04.2012

Die Liebe zum Auto scheint in den USA zu erkalten. Die Verkäufe an junge Amerikaner brechen ein. Die Industrie registriert zwei alarmierende Trends und kontert mit einer neuen Strategie.

1/7 Als Autos noch den American Dream symbolisierten: Ein Cadillac 62 Cabriolet, Baujahr 1959. Das Modell war Herzstück einer Spezialausstellung mit Oldtimern anlässlich des 110. Geburtstags des Pariser Autosalons im letzten Jahr. (3. Februar 2011)
Bild: Reuters

   

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Nirgendwo wurde es mehr besungen und nirgendwo geriet es mehr zum kultischen Objekt: Das Auto gebar in den Vereinigten Staaten eine eigene Kultur mit Jack Kerouac, der die Highways bereiste, und mit Familienvätern in Suburbia, die alle drei Jahre einen neuen Ford oder Chevy kauften. Das Auto erst machte Amerika möglich, weshalb es elegisch gefeiert wurde in der Popmusik, im Film und in der Literatur.

Die amerikanische Liebe zum Auto aber scheint zu erkalten. Denn zum Verdruss der Autoindustrie zeigen junge Amerikaner, die in den Achtziger- und Neunzigerjahren geboren wurden, deutlich weniger Interesse am einstigen Statussymbol als frühere Generationen. Die Zahl der sogenannten Millennials ist riesig, doch kaufen Amerikaner zwischen 21 und 34 nur noch 27 Prozent aller Autos. 1985 waren es noch 38 Prozent. Für die Autobauer geradeso alarmierend ist ein anderer Trend: Erwarben 1998 noch zwei Drittel aller 19-Jährigen den Führerschein, so lernt jetzt weniger als die Hälfte das Autofahren.

Junge Amerikaner zieht es wieder in die Städte

Das mag unter anderem an der schlechten Konjunktur der vergangenen Jahre liegen: Ein Auto ist teuer, die Arbeitslosigkeit unter jungen Amerikanern noch immer hoch. Dass die Kosten für Benzin und Versicherung angestiegen sind, könnte die Jungen ebenfalls vom Autokauf abgehalten haben. Die Industrie aber vermutet, bei den Millennials habe allgemein das Interesse am eigenen Auto nachgelassen.

«Wir müssen uns der Realität stellen, dass die jungen Leute von heute anscheinend nicht mehr so an Autos interessiert sind wie frühere Generationen», warnte etwa der Chef von Toyota USA, Jim Lentz, auf einer Industrietagung im vergangenen Jahr. Schuld daran könnte die neue Urbanität sein: Junge Amerikaner zieht es wieder vermehrt zurück in die Städte. Fast ein Drittel der Jungen wohnt in der Stadt, ein grösserer Anteil als bei vergangenen Generationen. Und über vier Fünftel der Millennials gaben bei einer Umfrage an, lieber in der Stadt als in den Vorstädten leben zu wollen.

Mietautos gibts in Städten auch stundenweise

In den Städten aber kann der Besitz eines Autos schon der knappen Parkplätze wegen eine lästige Sache sein. Zumal Nahverkehrssysteme und Mietwagen zusehends Ersatz bieten. In der Hauptstadt Washington, wohin es besonders viele junge Amerikaner zieht, können Autos stundenweise angemietet werden, auch nimmt der Veloverkehr rapide zu. Ausserdem bietet Washington auch im internationalen Vergleich gute Bus- und U-Bahnverbindungen.

Die Autobauer wollen dennoch nicht aufgeben: «Man sagt, die Millennials hätten kein Geld; aber sie haben Geld und es gibt auch Potenzial, weshalb man ihnen einfach ein Produkt geben muss, das sie wollen», glaubt John McFarland, ein junger Marketing-Stratege, der bei General Motors für die Millennials zuständig ist. Um die Jungen anzulocken, will General Motors im kommenden Sommer den Kleinwagen Chevrolet Spark in den Farben «Techno Pink» und «Limonade» anbieten. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.04.2012, 13:34 Uhr

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