USA reformieren Finanzmärkte
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 27.03.2009 27 Kommentare
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Es waren deutliche Worte, die Timothy Geithner vor wenigen Stunden vor dem Finanzausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses wählte. Gemeinsam mit Präsident Barack Obama will der Finanzminister eine neue Ära einläuten: Hedge-Funds, Derivate und ganze Anlage-Unternehmen sollen ab einer gewissen Grösse per sofort unter Staatsaufsicht gestellt werden.
Gemäss der «Financial Times Deutschland» will die Regierung für die Aufsicht eine unabhängige Behörde schaffen. Diskutiert werde auch, ob die Notenbank die Aufgabe übernehmen könnte.
Offizielle Händler, kontrollierte Bilanzen
Hedge-Fonds und Derivate sollen künftig nur noch über kontrollierte Ausgabestellen ausgegeben werden können. Diese werden von der neuen Aufsichtsstelle beobachtet. Die Unternehmen werden von der Behörde auf ihren Verschuldungsgrad hin überwacht – und können gezwungen werden, ihre Kapitalbasis zu stärken.
«Wir reden hier nicht von kleineren Korrekturen, wir reden von fundamental neuen Spielregeln», sagte der Finanzminister den Parlamentariern. Eine starke, einheitliche Aufsicht über «alle Finanzprodukte» wolle er, und «eine strenge Durchsetzung der Regeln».
«Ein System, das Betrug anzog»
Von einer grundsätzlich neuen Ethik auf den amerikanischen Finanzmärkten spricht die «New York Times», von einer Finanzwelt, wo bald «vorsichtige, anständige Typen» jene ersetzen, die auf der Jagd nach dem nächsten Vermögen gefährliche Risiken in Kauf nehmen.
«Unser bisheriges System belohnte kurzfristigen Profit statt langfristigen Erfolg», räumte auch Geithner vor dem Kongress ein. «Es ist ein System, das Betrug angezogen hat.» Die Komplexität der Finanzprodukte habe sogar das Risikomanagement der kompetentesten Institutionen weltweit übertroffen.
Der Kongress muss den Vorschlägen Geithners noch zustimmen. Vor allem demokratische Abgeordnete haben jedoch in den vergangenen Tagen bereits ihre Zustimmung zu den Plänen der Regierung angekündigt – sie waren es auch, die nach den Riesen-Boni für die Manager der geretteten AIG nach mehr Einfluss des Staates in der Finanzbranche riefen. Barack Obama will den Reformplan nächste Woche am Weltfinanzgipfel in London vorstellen.
Näher an Europa gerückt
Mit den Vorschlägen nähern sich Obama und Geithner der Haltung der europäischen Länder, insbesondere von Deutschland und Frankreich. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy hatten bereits an einem Treffen im Vorfeld des Weltfinanzgipfels darauf beharrt, dass Konjunkturprogramme mit mehr staatlicher Aufsicht auf den Finanzmärkten einhergehen müssen. Die USA zeigten sich bisher zurückhaltend gegenüber den europäischen Plänen, am Vorgipfel war von amerikanisch-europäischen Spannungen zu hören. Vor zwei Tagen jedoch liess der französische Premierminister François Fillon verlauten, Obama habe sich offenbar der europäischen Position genähert. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.03.2009, 14:04 Uhr
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27 Kommentare
Isa Gasser bringt es auf den Punkt. Und das Schema ist stets das gleiche: ein Problem kreieren (Chaos und Panik verursachen (in diesem Fall an den Finanzmärkten)) und dann mit der Lösung kommen (Kontrolle). Das Ziel ist stets das gleiche und von Anfang an klar: mehr Kontrolle+Macht. Nur kann man das nicht aufzwingen. Aber wenn man zuerst Chaos und Angst verbreitet, dann rufen WIR danach. Antworten
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