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Als wäre er Bane persönlich
Aktualisiert am 20.07.2012 81 Kommentare
Über zehn Tote und mindestens 50 Verletzte in Aurora, einem Vorort von Denver, US Bundesstaat Colorado.
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Christopher Nolans Batman-Trilogie ist finster. Genauso wie ihr Menschenbild. Die Helden sind verzweifelt, die Bösewichter auch. Es ist eine nihilistische Zerstörungswut, die im Mainstream-Kino so nur hier zu sehen ist. Filme, die von einer Art Endzeit der Werte erzählen – und genau deshalb den Nerv ihrer Zeit treffen.
Doch schon über Nolans zweitem Batman-Film lag ein realer Hauch des Todes: Heath Ledger, Darsteller des «Joker», starb 2008 wenige Monate vor der Premiere an einem Medikamenten-Cocktail. Er erlebte nicht mehr, welch ein Triumph seine Darstellung dieses letztlich namenlosen zynischen Anarchisten wurde. Für das Multimillionen-Publikum war es, als würde sich hier einer seinen Oscar direkt ins Jenseits holen.
Nun startet der dritte Teil der Düster-Trilogie gar mit einem Amoklauf. Und wieder stellt sich die Frage, ob hier die Kunst das Leben imitiert, oder umgekehrt.
«Stirb, Filmkritiker!»
Denn «The Dark Knight Rises» (Der Dunkle Ritter erhebt sich) lud sich in den letzten Tagen nicht nur mit Politik auf, sondern auch mit Gewalt. So stellte die populäre Filmkritik-Website Rottentomatoes.com ihre Leserkommentare für den Film vor Tagen ab. Die wenigen Kritiker, die dem Film nicht höchstes Lob zollen, waren von Fans übel beschimpft und bedroht worden.
Einige zitierten Bane, den Bösewicht im Film selber, und drohten den Kritikern mit «schwerer Bestrafung». Andere wurden konkret: «Stirb in einem Feuer!» oder «Man sollte dich mit einem Gummischlauch ins Koma prügeln.» Und das sind nur jene, die in den Medien zitiert wurden. Die Website nahm die Kommentare alle vom Netz. Aber Rottentomatoes-Chef Matt Atchity bestätigte, dass seine Leute eine Flut von Todes- und Vergewaltigungsdrohungen schon vor Veröffentlichung abfingen.
Zur selben Zeit, als manche Fans ihre Loyalität zum Film in Gewaltfantasien gegen Kritiker auslebten, wurde «The Dark Knight Rises» auch politisch gebrandmarkt. Im vergifteten Politklima der USA von heute erhält eben alles sofort einen Stempel. Nolans neuester Batman-Film bekam sogar zwei: Für die einen gilt er als reaktionäre Faschisten-Fabel, für die anderen ist er eine hinterlistige Übung in linker Gehirnwäsche.
«Radikalkonservative Fantasie»
Beides wird auf den Inhalt zurückgeführt. Bane, der Böse, greift die Börse von Gotham City (eine Art Comic-New-York) an. Er und eine weitere Hauptfigur, Catwoman, bemühen Slogans und Erklärungen, die direkt bei der realen Occupy-Bewegung abgekupfert scheinen. Nach dem Motto: Die 1 Prozent gegen die 99 Prozent. Die Superreichen gegen den Rest von uns. Und Batman, ein Superreicher namens Bruce Wayne, der sich in der Nacht als Flattermann verkleidet, stoppt die kommunistischen Terroristen.
«Mitt Romney wird sich freuen», ärgerte sich die Filmkritikerin des linksliberalen britischen «Guardian». Das sei bestimmt ein Film ganz nach dem Gusto des selber superreichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Der Film sei eine «ziemlich dreiste radikalkonservative Kapitalismus-Fantasie. Eine Selbstjustiz-Vision, die verlangt, dass man für die Wünsche der Reichen kämpfen soll, wenn sie einem vormachen, sie wollten Gutes tun».
Ist Nolan also ein Reaktionärer? Ist sein Film ein Manifest gegen Linke in den USA? Die amerikanischen Rechtskonservativen selber sehen es genau umgekehrt. Für sie ist es kein Zufall, das Bane gleich ausgesprochen wird wie Bain, die Investmentfirma von Mitt Romney. Der König der Rechtsaussen-Radiosendungen, Rush Limbaugh, stürzte sich sofort darauf. Er nennt es Barack Obamas «Batman-Kampagne» und «enthüllte» sie vor zwei Tagen seinen Hörern.
«Hirntotes Kinopublikum»
«Dieser Film wird ein Riesenpublikum haben», erklärte Limbaugh, «viele hirntote Leute werden ihn sehen, die Popkultur-Truppe. Sie werden ‹Bane› hören, aber ‹Bain› verstehen. Der Plan ist: Wenn diese Leute sich im Herbst dann endlich in den Wahlkampf einklinken, wenn Obama und die Demokraten ständig über Romney und Bain reden, dann werden all diese Leute zurück an den Batman-Film denken: ‹Oh, klar, ich weiss, wer das ist.› Und wenn diese Hirntoten dann wählen gehen, was wird da wohl passieren?»
Die Verschwörungstheorie war geboren. Weiterverbreitet wurde sie nicht nur von Limbaugh, dem Sprecher von 20 Millionen ziemlich extremistischen Hörern. Auch Frank Luntz, ein Ex-Berater von Präsident George W. Bush, raunte: «Hollywood hats wieder getan. Romney wusste schon lange von dem Film. Er hätte sich besser vorbereiten sollen.»
Christopher Nolan wies diese Spekulationen inzwischen als «bizarr» zurück. (Limbaughs Reaktion: «Wir haben sie entlarvt!») Aber niemand weiss, ob der Attentäter von Denver die Komplottidee von rechts schon aufgesogen hatte. Ein Grossteil der Amokläufer der letzten Jahrzehnte hatte in den USA einen rechtsextremen Hintergrund.
Allerdings war der andere Teil der Täter in der Regel schlicht psychisch labil. Auf einen solchen Menschen könnte genau das anziehend wirken, was auch das Riesenpublikum der Nolan-Filme fasziniert: die Aura von Schurken, die selbst in ihrer Menschenverachtung noch tragisch wirken. Dafür spricht womöglich, dass der Attentäter ins Kino eindrang mit einer Maske vor dem Mund. Eine angeblich riesige und muskulöse Erscheinung, sagen Zeugen. Er begann zu schiessen, als es hinter ihm auf der Leinwand schon ballerte.
Als wäre er Bane persönlich. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.07.2012, 16:24 Uhr
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81 Kommentare
"Als wäre er Bane persönlich.."
Was für ein pathetisches Ende des Textes mit extra viel emotionellem Geschwurbel.
Unterirdisches Niveau!!
Dies soll wohl die links/rechts Stimmung aufheizen - v.a. da man bis jetzt gar nichts weiss! Bloss dass der Attentäter eine Gasmaske hatte, gross war und die Vorwürfe von wegen Bain/Bane lächerlich sind - und ihr kopiert diesen Medienmüll aus den USA auch noch!
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Die USA hat abgewirtschaftet ist sozial am Boden und somit auch am Ende angelangt, ich war dieses Jahr drüben und bin regelrecht erschrocken am Verfall der USA sowohl wirtschaftlich wie auch moralisch.Den Höhepunkt erreicht die USA mitte Ende 80er Jahren danach ging es nur noch steil bergab, die Produktion ,Jobs wurden ausgelagert.Mitt Romney ist sozusagen der Höhepunkt der USA und die Quittung. Antworten
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