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Als Obama das «Licht am Horizont» verkündete
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 03.05.2012 9 Kommentare
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Es war Wahlkampf pur, sechs Monate vor dem Wahltag: Mitten aus der afghanischen Nacht meldete sich Barack Obama vom US-Luftwaffenstützpunkt Bagram in Afghanistan via Fernsehen gestern Abend in amerikanischen Wohnzimmern. Hamid Karzai mochte eine «strategische Vereinbarung» über die afghanisch-amerikanische Zusammenarbeit nach dem US-Abzug 2014 bekommen, der demokratische Präsident aber bekam bei seinem geheim gehaltenen Nacht-und-Nebel-Auftritt in Kabul noch mehr: Eine grosse Bühne nämlich, auf der sich der Wahlkämpfer Obama wunderbar entfalten konnte.
«In der Dunkelheit vor dem afghanischen Sonnenaufgang können wir am Horizont das Licht eines neuen Tages ausmachen», dichtete Obama in Bagram an die Adresse der amerikanischen Wähler. Seht her, wollte er sagen, ich löse ein, was ich euch im Wahlkampf 2008 versprochen habe – nämlich zuerst den Krieg im Irak zu beenden und danach den Waffengang in Afghanistan. Ausserdem hatte der Wahlkämpfer bereits vorher suggeriert, dass er ein entscheidungsfreudiger und aussenpolitisch starker Präsident sei, indem er den Todestag Osama Bin Ladens zwar nicht zelebrierte, aber immerhin als politisches Ereignis ausschlachtete – zum Ärger seiner republikanischen Widersacher.
Als Obama Romney als Weichei bezeichnete
Obama, kritisierte lauthals der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, politisiere den Jahrestag der Tötung Bin Ladens, ja er versuche sogar, daraus ein Ereignis zu machen, welches die Amerikaner spalte. Unrecht hat Romney damit keinesfalls, da Obamas Wahlkampftruppe schon vor dem Jahrestag versucht hatte, Romney als Weichei zu zeichnen, das womöglich nicht den Mumm gehabt hätte, den Befehl zur Ausschaltung Bin Ladens zu erteilen. Auch Senator John McCain, Obamas Gegenkandidat von 2008, meldete sich umgehend zu Wort und beklagte den «Freudentanz» des Präsidenten am Jahrestag.
Bei Wirtschaftsthemen bietet Obama seinem republikanischen Herausforderer Romney ohnehin reichlich Angriffsfläche: Der amtierende Präsident gilt vielen Amerikanern mit seinen ordnungspolitischen Vorstellungen als zu europäisch. Am rechten Rand wird Obama immer wieder als Sozialist bezeichnet, der den Einfluss des Staates ausweiten und die Freiheit der Bürger beschneiden will.
Schwächelnde Konjunktur als Last
In der Aussenpolitik hingegen kann er sich als starker Führer präsentieren. Seine Erfolge im Kampf gegen den Terror werden auch von den Republikanern nicht grundsätzlich infrage gestellt. Ein konsequentes Vorgehen gegen die Feinde der USA gehört schliesslich zur Doktrin der Konservativen.
Aussenpolitische Erfolge sind bisher in jedem neueren US-Wahlkampf vom Amtsinhaber hervorgezerrt worden. Dennoch treibt es Barack Obama bunter als viele seiner Vorgänger: Er muss diesen Wahlkampf inmitten einer noch immer schwächelnden Konjunktur und vor dem unangenehmen Hintergrund einer hohen Arbeitslosenrate führen, weshalb ein Auftritt wie der gestrige in Bagram einerseits eine willkommene Ablenkung bietet und andererseits der profunden Kriegsmüdigkeit der Amerikaner Rechnung trägt. Das vom Präsidenten in Bagram erwähnte Licht am Horizont ist schliesslich nichts anderes als das nahende Ende der Kriege gegen den Terror – nahezu zehn Jahre nach 9/11.
Politberater: «Obama hat seine Versprechen gehalten»
Politberater zollen Obama respekt: «Er ist in einer ungewöhnlich starken Position», sagt Politikberater Doug Hattaway, der in den demokratischen Vorwahlen 2008 für Obamas damalige Konkurrentin Hillary Clinton gearbeitet hatte. «Er hat seine Versprechen bezüglich Afghanistan und Irak gehalten, die Tötung von Osama bin Laden in Auftrag gegeben und Amerika stark und sicher gemacht.»
Als Stratege zollt er Obama für den Überraschungsbesuch in Afghanistan durchaus Respekt. «Die Wirtschaft wird für die meisten Leute das beherrschende Thema bleiben, aber es kann absolut nicht schaden, seinen Erfolg im Bereich (der Sicherheitspolitik) zu unterstreichen», sagt Hattaway.
Romney ist angesichts des Triumphgeheuls aus dem Weissen Haus in einer misslichen Lage. Als Republikaner muss er die Tötung Bin Ladens gut heissen, als Wahlkämpfer darf er keine Gelegenheit zu einem Angriff auf den Amtsinhaber verpassen. Hinzu kommt, dass Romney der Jagd auf den Terrorchef vor einigen Jahren noch durchaus kritisch gegenüber stand. Es sei es nicht wert, «Himmel und Erde in Bewegung zu setzen und Milliarden von Dollar auszugeben, um eine einzelne Person zu fangen», sagte er 2007 der Nachrichtenagentur AP. Später revidierte er seine Meinung. «Selbstverständlich» hätte auch er den Tötungsbefehl gegeben.
Artikel mit Material der Nachrichtenagentur dapd. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.05.2012, 16:53 Uhr
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9 Kommentare
Zweifelsohne, schlecht informierte Bürger können mit solchen Aktionen beeidruckt und für Obama gewonnen werden. Auf gut informierte Bürger wird dieses Fotoshooting keinen Meinungs-Einfluss haben. Im Gegenteil: Dank des Obama-Besuchs gingen Bomben hoch, die mehrere Menschenleben forderten. Antworten
Das ist Obama. Mit primitven Ausdrücken macht er Wahlkampf. Besser würde er die riesigen Probleme in seinem Land zu lösen versuchen. Er ist ja auch nur Präsident geworden, weil er ein riesiges Wahlkampfbudget hatte und zu den besten Sendezeiten seine Werbung starten konnte. Versprechen hat er keine eingelöst. Gratuliere zu einem solchen Präsidenten. Antworten
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