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46-mal die Notrufnummer gewählt

Aktualisiert am 27.03.2012 52 Kommentare

Der gewaltsame Tod von Trayvon Martin versetzt die USA in Aufruhr. Rassistische Motive werden dem Todesschützen vorgeworfen. Nun sind neue Details zum Vorfall bekannt geworden.

1/19 Sein Tod bewegt Hunderttausende: Undatierte Aufnahme des 17-jährigen Trayvon Martin, der am 26. Februar 2012 erschossen wurde.
Bild: Reuters

   

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Er habe Trayvon Martin in Notwehr erschossen: Dies hatte Bürgerwehr-Mitglied George Zimmerman ausgesagt, nachdem er den 17-Jährigen auf offener Strasse mit einem Schuss getötet hatte. Gestern nun wurden die Details zum angeblichen Angriff des Jungen auf das Bürgerwehr-Mitglied bekannt, wie die «New York Times» berichtet.

Laut einer Aussage, die George Zimmerman gegenüber der Polizei von Sanford (Florida) gemacht hat, soll Trayvon Martin ihn vor dem tödlichen Schuss geschlagen haben. Er sei dem Jungen zwar zunächst gefolgt. Nachdem er ihn aber aus den Augen verloren hätte, sei er wieder zu seinem Auto zurückgekehrt. Martin habe sich ihm daraufhin plötzlich von hinten genähert und ihn angesprochen, worauf es zu einem Wortwechsel gekommen sei. Dann, sagt Zimmerman, habe der Junge ihn so stark gestossen, dass er zu Boden gefallen sei, und habe begonnen, seinen Kopf gegen den Bürgersteig zu schlagen. Dabei sei es schliesslich auch zum Bruch der Nase gekommen. Laut «Welt online» gibt es einen Zeugen, der vom Fenster aus gesehen haben will, wie der 40 Kilo leichtere Junge auf dem am Boden liegenden Zimmerman sass und ihn schlug – ein anderer Zeuge nahm es umgekehrt wahr.

Martin von der Schule suspendiert

Die Aussage von George Zimmerman war zuerst von einer amerikanischen Lokalzeitung publiziert und am Montag von der Polizei in Sanford bestätigt worden. Die Familie des getöteten Trayvon Martin nahm zu den Vorwürfen in einer Pressekonferenz Stellung: «Sie haben meinen Sohn getötet», sagte die Mutter Sybrina Fulton, «und jetzt wollen sie auch noch seinen Ruf töten.» Mit der Veröffentlichung der Aussage wolle die Polizei ihren Sohn dämonisieren.

Benjamin Crump, der Anwalt der Familie Martin, verwies ausserdem auf das letzte Telefongespräch, das Trayvon Martin kurz vor seinem Tod mit seiner Freundin geführt haben soll. Daraus gehe ganz klar hervor, dass der 17-Jährige von einem unbekannten Mann verfolgt werde, Angst habe und flüchten wolle. «Er sagte, dieser Mann beobachte ihn, also werde er seine Kapuze über den Kopf ziehen», berichtete das Mädchen, das anonym bleiben will. Sie habe ihn angewiesen, er solle davonrennen.

Früher am selben Tag war bekannt geworden, dass Trayvon Martin für zehn Tage von der Highschool suspendiert worden war, weshalb er sich überhaupt bei seinem Vater in Sanford aufgehalten hatte. In seiner Schultasche sei ein Beutel mit Spuren von Marihuana gefunden worden. Seine Familie hatte allerdings abgelehnt, das Thema zu kommentieren. Nach Aussagen von Anwalt Crump bestehe zwischen dieser Episode und dem Tod des Jungen keinerlei Zusammenhang.

Immer wieder «verdächtige Schwarze» gemeldet

Der Fall Trayvon Martin hat in den USA eine neue Diskussion um Rassismus ausgelöst. Viele sind der Meinung, dass der Junge noch leben könnte, wäre er nicht schwarz gewesen. Die Gleichung «Weiss gegen Schwarz» greift hier aber offenbar zu kurz. Denn wie schon letzte Woche bekannt wurde, hat Zimmerman selbst südamerikanische Wurzeln. Seine Mutter sei Peruanerin, weshalb ihn seine Familie als «Hispanic» beschreibt.

Die Notrufnummer der Polizei habe Zimmerman vor diesem Tag schon mindestens 46-mal gewählt. Dabei meldete er offen stehende Garagen, freilaufende Hunde, spielende Kinder, Abfall auf der Strasse, zu laute Partys, zwei fremde Latinos an einem Pool oder «herumstrolchende Sieben- bis Neunjährige». Und immer wieder habe Zimmerman über verdächtige Schwarze berichtet, schreibt die «Welt online» weiter.

Die Proteste auf den Strassen Amerikas halten derweil an: Tausende Menschen fordern weiterhin die Verhaftung George Zimmermans und die Aufhebung des Stand-Your-Ground-Gesetzes in Florida: Dort und in 21 anderen Staaten der USA ist es legitim, zur Waffe zu greifen, wenn man sein Hab und Gut bedroht sieht. Rund 500 Menschen nahmen an der Pressekonferenz der Familie Martin im Verwaltungszentrum von Sanford teil, Hunderte weitere Menschen hatten sich draussen eingefunden. Viele von ihnen trugen T-Shirts mit der Aufschrift «Sehe ich verdächtig aus?» oder «Nur weil ich einen Kapuzenpulli trage, bin ich kein Krimineller». Dies in Anspielung auf die Kontroverse, die um die Kleidung von Trayvon Martin losgebrochen war, weil er am Abend seines Todes einen Kapuzenpulli getragen hatte. (fko)

Erstellt: 27.03.2012, 11:58 Uhr

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52 Kommentare

lia schneider

27.03.2012, 13:00 Uhr
Melden 138 Empfehlung 0

ach, weil man Hispanic ist, kann man also kein Rassist sein? DAS greift wohl jetzt zu kurz. Und dass ein Schmalhans wie Trayvon einen 40kg schwereren Mann überwältigt, muss mir keiner erzählen. Schade, dass Rassenhass immer noch über den gesunden Menschenverstand geht. Antworten


Pascal Huber

27.03.2012, 15:20 Uhr
Melden 103 Empfehlung 0

Es wäre wünschenswert, dass die (Welt)-Presse sachlich über diesen Fall berichtet. Es stellt sich die Frage, warum vom Opfer ein Foto veröffentlicht wird, auf dem er als 12- 13 jähriges Unschuldslamm zu sehen ist? Relative neu und erschreckend ist auch, dass der Täter als "Weisser Hispanic" beschrieben wird. Rassismus pur - von allen Beteiligten! Antworten



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