Trump und die dunklen Geschäfte im Glasturm

Eine Spur der Russland-Affäre führt nach Genf – zu Schweizer Firmen, einem Anwalt und einer reichen kasachischen Familie.

Die Präsentation des Trump-SoHo-Projektes 2007 in New York: Tevfik Arif, Ivanka Trump und Donald Trump (v. l. n. r.). Foto: Bloomberg, Getty

Die Präsentation des Trump-SoHo-Projektes 2007 in New York: Tevfik Arif, Ivanka Trump und Donald Trump (v. l. n. r.). Foto: Bloomberg, Getty

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie ein mahnender Finger aus Glas ragt das Hotel Trump SoHo aus dem Häusermeer Manhattans. 46 Stockwerke ist das 2008 vollendete Gebäude hoch, über 300 Dollar kosten die billigsten Zimmer pro Nacht, in den oberen Etagen werden Luxuswohnungen zum Kauf angeboten. Dass das Hotel mit dem Namen des US-Präsidenten derzeit die amerikanischen Medien beschäftigt, hat aber nichts mit seiner Ausstattung zu tun: Trump SoHo steht exemplarisch für die Beziehungen, die Trump vor seiner Wahl ins Weisse Haus zu Oligarchen und Mafiosi in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion gepflegt haben soll.

Schon im Wahlkampf warnte das Magazin «Newsweek», dass die finanziellen Verbindungen des Präsidentschaftskandidaten zu Feinden Amerikas «eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellen». Nun werden diese Verbindungen und die Ermittlungen des neu eingesetzten Sonderermittlers des FBI zu einer Bedrohung für Trumps Präsidentschaft.

Die Geschäftspartner Trumps beim Bau des 450 Millionen Dollar teuren Wolkenkratzers im Stadtteil SoHo im südlichen Manhattan sind bekannt: Die amerikanische Immobilienfirma Bayrock gehört dem kasachischen Millionär und Lebemann Tevfik Arif, der nach einer Orgie mit russischen Prostituierten auf einer türkischen Jacht kurzzeitig hinter Gittern landete. Firmendirektor war Felix Sater, ein aus Russland stammender amerikanischer Geschäftsmann mit Verbindungen zur Mafia und Vergangenheit im Gefängnis, der auch einige Jahre ein Berater von Trump war.

Wegen Verdachts der Geldwäsche wird auch in der Schweiz ermittelt.

Neu ist nun eine Spur, die von diesen Geschäftspartnern Trumps nach Genf führt – zu Schweizer Firmen, einem Anwalt und einer schwerreichen ­kasachischen Familie.

Am Ufer des Genfersees leben der ehemalige Bürgermeister der Stadt Almaty und ehemalige kasachische Energieminister, Wiktor Chrapunow, sein Sohn Ilijas und seine (mittlerweile geschiedene) Frau Leila Chrapunowa. Die kasachische Justiz wirft ihnen betrügerische Immobiliengeschäfte während Chrapunows Amtszeit vor: Mindestens 300 Millionen Dollar soll die Familie auf Konten von Briefkastenfirmen in der Schweiz, in Grossbritannien, Panama und anderen Ländern verschoben haben. Ein Joint Venture mit der US-Firma Bayrock soll ebenso der Geldwäsche gedient haben wie der Kauf von ­Luxuswohnungen im Hochhaus Trump SoHo.

Die Stadt Almaty hat den 68-jährigen Chrapunow und seine Familie wegen dieses Immobilienkaufs vor einem New Yorker Gericht verklagt und will den ehemaligen Bürgermeister zu einer eidesstattlichen Aussage in die USA holen. Damit sollen Beweise für den Vorwurf der Geldwäsche in Trump SoHo gesammelt werden. Chrapunows Anwälte versuchen nun, die Vorladung mit allen legalen Mitteln zu verhindern. In der Schweiz fühlt sich der Kasache offenbar sicherer.

Video – ein Trump-Bier gefällig?

Präsident der geteilten Staaten von Amerika heisst das Getränk einer ukrainischen Brauerei.

Wiktor Chrapunow floh im November 2007 mit seiner Frau Leila nach Genf, wo sein Sohn Ilijas damals studierte. Er sieht sich als Kritiker und Opfer des kasachischen Regimes des autoritär regierenden Präsidenten Nursultan Nasarbajew. In der Schweiz bekam er Aufenthaltsrecht und wird pauschal besteuert. In den ersten Jahren ihres Schweiz-Aufenthalts soll die Familie ihre Millionen zum Grossteil in Immobilien angelegt haben. Das Vermögen habe seine Frau erarbeitet, erklärte Chrapunow dem «Tages-Anzeiger» in einem persönlichen Gespräch vor zwei Jahren: Er selbst habe nicht einmal ein Schweizer Konto.

Lobbyisten im Bundeshaus

Die kasachische Justiz schickte an die Schweiz ein Auslieferungsbegehren, das jedoch abgelehnt wurde, weil Chrapunow in Kasachstan kein faires Verfahren erwarten könne. Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche würden aber weiterhin laufen, bestätigt der Genfer Staatsanwaltschaft Jean-Bernard Schmid. 2011 suchten Herr und Frau Chrapunow in der Schweiz um Asyl an, auch dieses Verfahren läuft noch. Und nun, seit 6. März 2017, liegt in Bern ein Auslieferungsersuchen aus der Ukraine gegen Ilijas Chrapunow. Dem 33-Jährigen wird vorgeworfen, er habe durch einen ukrainischen Helfer E-Mail-Accounts hacken lassen. Das Justizdepartement bestätigt dem «Tages-Anzeiger» das Ersuchen aus Kiew. Es werde derzeit geprüft, sagt eine Sprecherin, ein Entscheid sei noch nicht gefallen.

Um Druck auf die Schweizer Justiz auszuüben, den Fall Chrapunow zu beschleunigen, heuerte die kasachische Regierung vor einigen Jahren Lobbyisten an. 2015 enthüllte die NZZ, dass eine Interpellation von Nationalrätin Christa Markwalder zum Stand der Ermittlungen gegen Chrapunow von den Kasachen mithilfe der PR-Agentur Burson-Marsteller formuliert worden war. Der Skandal machte für die Kasachen weiteres Lobbying gegen die Chrapunows in der Schweiz vorerst unmöglich. Dafür beschäftigen sie nun umso mehr die US-Justiz.

Je mehr US-Medien über die Verbindungen Trumps in die Länder der ehemaligen Sowjetunion berichten, desto häufiger taucht auch der Name Wiktor Chrapunow auf. Er wird als einer der Geschäftspartner Trumps genannt, «mit angeblichen Verbindungen zu kriminellen Organisationen oder Geldwäsche», wie die Zeitung «USA Today» schreibt.

Trump SoHo spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die kasachischen Kläger behaupten, dass die Schweiz 2012 begonnen habe, Vermögen der Chrapunows einzufrieren und die Familie deshalb den Profit aus illegalen Geschäften lieber in Immobilien in den USA investiert habe. Von der Staatsanwaltschaft Genf kommt dazu weder Bestätigung noch Dementi.

Die geschäftlichen Aktivitäten der Chrapunows in der Schweiz begannen etwa gleichzeitig mit ihrer Flucht aus Kasachstan nach Genf.

Chrapunows Sprecher in der Schweiz, Marc Comina, entgegnet, dass amerikanische Medien lediglich die von den kasachischen Behörden erhobenen Vorwürfe wiedergeben würden: «Diese Anschuldigungen gegen die Familie Chrapunow sind falsch und rein politisch motiviert. Wir haben es mit einer Diktatur zu tun, die ihre Gegner zum Schweigen bringen will.» Um die Anschuldigungen glaubwürdiger erscheinen zu lassen, versuche Kasachstan, das westliche Rechtssystem zu instrumentalisieren. Sämtliche geschäftlichen Aktivitäten seiner Klienten seien in Übereinstimmung mit den Gesetzen der Schweiz, der USA und anderer Länder erfolgt, so Comina. Konkrete Fragen zu den Aktivitäten der Chrapunows und ihren Firmen beantwortet der Sprecher der Familie nicht.

Die geschäftlichen Aktivitäten der Chrapunows in der Schweiz begannen etwa gleichzeitig mit ihrer Flucht aus Kasachstan nach Genf. Firmen wurden gegründet, Immobilien gekauft und Verbindungen zu Bayrock aufgebaut – jener Firma, die Trump SoHo baute und weitere Projekte mit Trump plante. Unter den vielen Briefkastenfirmen, die die kasachische Justiz den Chrapunows zuordnet, befindet sich auch Kaz Bay, ein Joint Venture der Schweizer Firma Helvetic Capital und Bayrock. Verwaltungsrat von Helvetic Capital und Co-Direktor des Joint Ventures mit Bayrock ist der Genfer Anwalt Marc Gilliérion. In Mails, die dem TA vorliegen, wird Leila Chrapunowa als Eigentümerin der Schweizer Firma genannt.

In einer Dokumentation des niederländischen TV-Senders Zembla über Trumps Ostkontakte beschreibt der amerikanische Anwalt Frederick Oberlander die Firma als Geldpipeline: Kaz Bay sei geschaffen worden, «um Millionen Dollar von New York nach Europa zu schaffen». Oberlander vertritt den Staat New York in einer zivilrechtlichen Klage gegen Bayrock. Der Schweizer Anwalt der Chrapunows, Marc Gilliérion, beantwortete die Fragen des «Tages-Anzeigers» nicht.

Steuerhinterziehung, Börsenbetrug

Der Schweizer Teil des Firmenkonstrukts, Helvetic Capital, wurde etwa zur selben Zeit aufgelöst, als in New York neue Firmen für den Kauf der Luxuswohnungen im Hochhaus Trump SoHo entstanden. Laut «Financial Times» flossen für den Kauf 3,1 Millionen Dollar. Die Zeitung will auch Beweise haben, dass hinter den Firmen Chrapunows Tochter steht, die in Kalifornien lebt. Auch wenn Trump vom Immobilienkauf der Chrapunows möglicherweise nichts wusste, profitierte er doch davon – als Mitbesitzer von Trump SoHo.

Was Bayrock betrifft, liegt vieles im Dunkeln. Und was bekannt ist, wirkt nicht gerade hochseriös: Als Investor für den Bau von Trump SoHo holte sich die Firma die isländische Investmentgruppe FL Group, hinter der russische Oligarchen vermutet werden. FL gab 50 Millionen Dollar für Trump SoHo, was aber nicht als Investition, sondern als Kredit an Bayrock deklariert wurde – und der Gewinn als Zinszahlung. Der New Yorker Anwalt Frederick Oberlander bewertet das als Steuerhinterziehung. Trump bewilligte den Deal damals mit eigenhändiger Unterschrift.

Der damalige Direktor von Bayrock, Felix Sater, hatte zuvor im Gefängnis gesessen, weil er das Gesicht eines Kontrahenten mit einem zerbrochenen Cocktailglas bearbeitet hatte. Eine weitere Gefängnisstrafe wegen Mitwirkung an einem gross angelegten Börsenbetrug vermied Sater, indem er zum Zeugen für das FBI gegen die Mafia in New York wurde. Später wurde er Berater von Trump mit einem Büro im Trump Tower. Die Beziehung soll laut Sater eng gewesen sein. Trump behauptete hingegen unter Eid, er kenne Sater kaum.

Luxushotel am Genfersee

Trumps östliche Geschäftspartner versuchten auch selbst, in der Schweiz Fuss zu fassen. In einer Präsentation aus dem Jahr 2008 stellt Bayrock seine Projekte vor, Hotels und Luxusresidenzen unter dem Namen Trump in den USA und ein Grossprojekt in Europa: der Umbau des Hotels du Parc Kempinski auf dem Mont Pélerin bei Vevey zu «ultra-­luxuriösen Residenzen». Bayrock kündigte damals den Kauf des Hotels «mit einem Partner» an. Gemeint war der Schweizer Investmentfonds Swiss Development Group (SDG), hinter dem Wiktor Chrapunows Sohn Ilijas stand.

SDG habe den Chrapunows dazu gedient, «die Bewegungen und Investitionen des Familienvermögens zu verbergen»: Das sagte in einem Gerichtsverfahren in den USA unter Eid Nicolas Bourg aus, ein ehemaliger Vertrauter von Ilijas Chrapunow und Direktor einer Investmentfirma. Heute hat SDG einen Schweizer Eigentümer, die kasachische Justiz vermutet aber, dass die Familie Chrapunow weiterhin die Fäden zieht.

Ist der markante Belle-Epoque-Bau bei Vevey auch ein Gemeinschaftsunternehmen der Chrapunows mit Trumps dubiosem Partner Bayrock? Eine Sprecherin von Bayrock verneint: Es gebe kein Business in der Schweiz. Der Schweizer Sprecher von SDG will Fragen zu Chrapunow und Bayrock nicht beantworten, weil er davon «keine Ahnung» habe. Bayrocks ehemaliger Direktor Felix Sater stellte in sein Profil im sozialen Netzwerk Myspace allerdings eine Liste mit seinen erfolgreichsten Immobilienprojekten: Neben Trump SoHo gehört dazu auch das Hotel du Parc, oberhalb des Genfersees. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.05.2017, 07:27 Uhr

Artikel zum Thema

Der Beamte des Diktators

Porträt Wiktor Chrapunow war das Ziel der Auftraggeber von FDP-Nationalrätin Christa Markwalder. Kasachstan will seinen Kopf. Zu Recht? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Politblog Was Demokratie kann – und was nicht
Outdoor Geheimwaffe Laktatstufentest
Geldblog Aktienverkauf: Der perfekte Zeitpunkt

Werbung

Auswärts essen? Die Gastrokolumne.

Per Mausklick zur Gastrokritik: Wo es der Redaktion am besten mundet, kommen vielleicht auch Sie auf den Geschmack.

Die Welt in Bildern

Stillgestanden: Freiwillige Zivilschützer aus Hong Kong haben sich für eine zweitägige Grossübung in der Metropole Schutzanzüge übergestreift. (21. Mai 2017)
(Bild: Dale de la Rey) Mehr...