So glatt kann Pop sein

Von Julian Zahnd. Aktualisiert am 03.05.2012

Pompöse Songs und grosse Gefühle: Martin Kilger ist dem Kitsch verfallen. Für ein Konzert in Bern unterbricht er seine Deutschland-Tour.

Er tut Gutes und manchmal auch zu viel des Guten: Martin Kilger.

Er tut Gutes und manchmal auch zu viel des Guten: Martin Kilger.
Bild: zvg

Konzert

Mahogany Hall, Sonntag, 6. Mai, 21 Uhr. www.mahogany.ch

Martin Kilger will Gutes tun. «Tut-Gut-Tour» nennt er deshalb die kleine Konzertfolge, in der er momentan seine verheissungsvolle Botschaft verkündet, wobei ihm Songs wie «Glückstag» oder «Göttin» die Mission erleichtern dürften. Das alles tönt kitschig – und ist es auch: Angesichts der überdimensionierten Gefühlsmasse, die der Heidelberger in seine sich irgendwo zwischen Xavier Naidoo und Herbert Grönemeyer tummelnde Musik verpackt, kommt allmählich der Gedanke auf, dass Kilger etwas zu viel des Guten tun will.

Doch ganz so einfach abtun kann man den munteren Teutonen nicht. Immerhin scheint Kilger in seiner Heimat eine nicht unwesentliche Grösse zu sein. «Die Ärzte»-Mitglied Bela B ist von der Musik des Popsängers derart angetan, dass er ihn zwischenzeitlich unter Vertrag nimmt und mit ihm ein Album produziert, das jedoch nie veröffentlicht wird. Der guten Laune Kilgers tut dies jedoch keinen Abbruch: Mittlerweile steht er vor seinem vierten Album «Leben oder nicht», teilt die Bühne an seinen Konzerten mit dem rappenden Sohne Mannheims Metaphysics oder auch mal mit dem Stadtorchester Ravensburg, woraus eine üppige Live-Performance resultiert.

Einmaliger Schweiz-Auftritt

Und nun macht Martin Kilger auf seiner Deutschland-Tournee einen kleinen Abstecher in die Schweiz und landet in der Mahogany Hall. Das Orchester wird er auf der bescheidenen Bühne kaum unterbringen können, wohl aber die aus Schweizer Musikern bestehende Band, deren Aufgabe es sein wird, die Songs in hörenswerte Live-Arrangements zu packen. Auch Metaphysics wird zur Stelle sein, um den Abend mit seinen stilsicheren Rap-Einlagen zusätzlich aufzuwerten.

Die Songs von Martin Kilger mögen etwas gar gründlich geschliffen und harmlos sein. Angesichts des Live-Aufgebotes dürfte sich ein Besuch in der Mahogany Hall aber dennoch lohnen. (Der Bund)

Erstellt: 03.05.2012, 09:10 Uhr

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