Himmeltraurigschöne Löcher

Auf «Fürne Königin» löst der Oberländer Singer und Songwriter Trummer die Versprechen seiner ersten beiden Mundartalben ein.

Trummer ist ein Meister in der Poesie des Nebensächlichen. (zvg)

Trummer ist ein Meister in der Poesie des Nebensächlichen. (zvg)

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Und irgendwann steht das Glücksrad still. Und die Königinnen taumeln genauso wie die Frauen am Bügelbrett. Einen Song lang hält Trummer die Welt an. Als unerschrockener Herkules tritt er auf, um der Geschichten eines Augenblicks habhaft zu werden, in dem sich eine ganze Liebe spiegelt. Da ist die junge Frau, die ihren Liebeskummer loswerden will. Am Telefon. «Gschyd wär anders», sagt sie mehr als einmal. Ein Befund, der auch für die Antwort des Angerufenen gilt. In dessen Warten, allein in der Dämmerung auf einem Parkplatz mit dem Handy am Ohr, macht sich jene atemlose Ewigkeit breit, in der das Ungefähre plötzlich Konturen bekommt.

Dreizehn Songs hat der Oberländer Singer und Songwriter für sein drittes Mundartalbum «Fürne Königin» auf dem Jahrmarkt der Glücksritter und Herzensprinzessinnen zusammengestohlen. Ein charmanter Dieb ist Trummer, galant auch und aufmerksam, kratzt an der Plastikhaut des «Neon Liecht Meitschi» und wischt ihm die Träne weg, die den Kajalstrich verschmiert. Es sind diese kleinen Gesten, um die herum Trummer seine launigen Geschichten schreibt. Als Meister der Poesie des Nebensächlichen zeigt sich der 31-Jährige. Genügt ihm doch ein Städtekalender, um in «Was me mitnimmt» die Dissonanzen zu skizzieren, die vielleicht mal in einem Drama enden.

Dramen, die er nicht näher zu schildern braucht. Denn in seiner Stimme ist dieser melancholische Tonfall, der immer ein wenig vom Ende der Geschichte vorwegnimmt, ohne es zu verraten.

Irritierender Sirenengesang

Die Verspieltheit prägt nicht nur die Texte, von verführerischer Leichtigkeit ist auch die Musik: Mit Adrian Weyermann, Robert Aeberhard, Hendrix Ackle, Muso Stamm, Didier Bärtschi, Pascal Steiner, David Schnee, Bruno Fischer, Simon Heggendorn und Benjamin Hartwig hat Trummer eine Musikerriege um sich geschart, die das Flirrende seiner Texte mit viel süffigen Harmonien grundiert. Da schluchzt mal das Akkordeon, da schwelgen die Gitarren und die Geigen um die Wette, derweil sich Saxofon und Klarinette auf ihre Paraderolle als Herzschrittmacher besinnen.

Die ansteckende Chilbi-Seligkeit, die in «Neon Liecht Meitschi» und dem Titelsong «Fürne Königin» gar prächtig inszeniert wird, kommt immer wieder auch ins Stocken, weil Trummer das Karussell anhält, sich absetzt und in himmeltraurigschöne Löcher stürzt, wo nur noch Platz für die Gitarre oder die Bassgeige ist. Wie im finalen «Hol mi zrügg», einem der hinreissenden Songs, mit denen Trummer die Versprechen seiner beiden ersten Mundartalben einlöst.

Ein rundum gelungenes Album also, wären da nicht die irritierenden Sirenengesänge: Die glasklaren Stimmen von Nadja Stoller, Valeska Steiner und Shirley Grimes wirken allzu keimfrei neben Trummers Rumpelgesang, werden stellenweise gar zum Reinigungsprogramm, das die wunderbare raue Patina der Songs wegpoliert.

CD & Konzerte«Fürne Königin» (Endorphin Entertainment/Irascible) erscheint am 4. März. Auftritte: 2. März Progr Bern, 5. März Rustico Pub Frutigen, 2. April Altes Schlachthaus Herzogenbuchsee, 21. April La Cappella Bern, 30. April Hirschen Erlenbach. (Der Bund)

Erstellt: 24.02.2011, 15:11 Uhr

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