Das muntere DJ-Gucken
Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 12.07.2012 1 Kommentar
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Das Programm
Donnerstag, 12. Juli
Hauptbühne
17.45–18.45 Uhr: Noel Gallagher’ High Flying Birds 20.30–22 Uhr: Norah Jones 23.15–0.45 Uhr: Gorillaz Sound System
Zeltbühne
16.15–17.30 Uhr: Thees Uhlmann 19.15–20.30 Uhr: Edward Sharpe & The Magnetic Zeros 22–23.15 Uhr: Friendly Fires 0.45–2 Uhr: Birdy Nam Nam
Waldbühne
16.15–17.30 Uhr: The Birthday Girls 19.15–20.30 Uhr: Liricas Analas 22–23.15 Uhr: Anna Aaron 0.45–2 Uhr: Knackeboul
Freitag, 13. Juli
Hauptbühne
13–14 Uhr: Dick Brave & The Backbeats 15.45–17 Uhr: Casper 19–20.30 Uhr: Züri West 21.45–23.15 Uhr: Lenny Kravitz 0.30–1.45 Uhr: Don Rimini
Zeltbühne
14–15.15 Uhr: Other Lives 17.15–18.30 Uhr: Yodelice 20.30–21.45 Uhr: Nneka 23.15–0.30 Uhr: Parov Stelar Band 2–3.15 Uhr: Digitalism
Waldbühne
14–15.15 Uhr: Death By Chocolate 17.15–18.30 Uhr: Pablopolar 20.30–21.45 Uhr: James Gruntz 23.15–0.30 Uhr: Webba 2–3.15 Uhr: Copy & Paste
Samstag, 14. Juli
Hauptbühne
13–14 Uhr: Xavier Rudd 15.45–17 Uhr: Frank Turner And The Sleeping Souls 19–20.30 Uhr: Patent Ochsner 21.45–23.15 Uhr: The Roots 0.30–2 Uhr: Example
Zeltbühne
14–15.15 Uhr: Kraftklub 17.15–18.30 Uhr: Dry The River 20.30–21.45 Uhr: The Subways 23.15–0.30 Uhr: Bonaparte 2–3.15 Uhr: Fritz Kalkbrenner
Waldbühne
14–15.15 Uhr: Monophon 17.15–18.30 Uhr: Abu 20.30–21.45 Uhr: Lo & Leduc feat. Pacomé 23.15–0.30 Uhr: Plüsch 2–3.15 Uhr: Tim & Puma Mimi
Sonntag, 15. Juli
Hauptbühne
11.30–12.45 Uhr: Phenomden 14–15.15 Uhr: Stress 16.30–18 Uhr: Jan Delay & Disko No1 19.30–21 Uhr: Snow Patrol
Zeltbühne
13–14 Uhr: Boy 15.15–16.15 Uhr: Santigold 18.15–19.30 Uhr: Plan B 21–22.15 Uhr: Leningrad Cowboys
Waldbühne
12.45–14 Uhr: The Clowns 15.15–16.30 Uhr: Labrador City 18.15–19.30 Uhr: Bastian Baker 21–22.15 Uhr: Traktorkestar
Es sind nur noch Tickets für Donnerstag und Sonntag erhältlich. www.starticket.ch
Eine exakte Statistik existiert nicht, aber das 29. Gurtenfestival dürfte als Jahrgang mit der durchschnittlich niedrigsten Personaldichte pro auftretende Band in die Geschichte eingehen. Schuld daran ist ein Programmschwerpunkt, der dieses Jahr besonders auffällt: die grosse Parade der DJs und Soundsystems. Das heisst – für den etwas weniger fashionablen Musikfreund – es wird so einige Auftritte geben, bei denen die Arbeit des Lichttechnikers spektakulöser sein wird als das schiere Musikschaffen auf der Bühne.
Plattenaufleger im Bacardi-Dom
Da wird zum Beispiel am Sonntagmorgen um 2 Uhr ein jüngerer Herr namens Fritz Kalkbrenner die Zeltbühne besteigen, die einzig mit einem DJ-Podest bestückt sein wird. Er wird den Leuten Musik vorspielen, die Musik wird mal etwas leiser, dann wieder etwas lauter sein, zwischendurch wird er die Hände in die Höhe recken, und den Leuten wird sein freundlicher und melodieverliebter Mix aus Trance und Techno gefallen.
Einige jedoch werden nicht ganz verstehen, warum der Fritz Kalkbrenner nun als Live-Act im Programm geführt wird, der Plattenaufleger im Bacardi-Dom hingegen nicht. Und ein paar auftretende Bands werden sich fragen, warum dieser Fritz dieselbe Gage einstreicht wie sie, die mit einem Tross aus Musikern, Technikern und Lichtbedienern durch die Welt reisen.
Zur Not auch mal die Ehefrau ans Konzert schicken
Dass man mit wenig Aufwand etwas sowohl visuell wie auch musikalisch Eindrucksvolles schaffen kann, wird das Gorillaz Sound System unter Beweis stellen, der weniger personalaufwendige Ableger der Band um den Kreativ-Leader Damon Albarn. Wer oder was da nun genau auf und hinter der Bühne steht, wird sich kaum eruieren lassen. Aber man beschränkt sich hier nicht nur auf das blosse Abspielen von Musik. Ein DJ, ein Perkussionist, ein Schlagzeuger und ein Visual Director werden für das musikalische und optische Wohl besorgt sein.
Das ist dann gar nicht mehr so weit weg von der Idee der 1969 gegründeten Avantgarde-Band The Residents. Ihr Konzept: Die Mitglieder dieser anonymen und kostümierten Band sollen so austauschbar sein, dass sie zur Not auch mal die Ehefrauen ans Konzert schicken könnten.
Den Franzosen kommt nicht mehr allzu viel in den Sinn
Eher nicht die Ehefrau zum Auftritt schicken wird, wer sich selber auf den rassigen Namen Don Rimini tauft. Hinter diesem Pseudonym versteckt sich allerdings kein behaarter Goldketten-Papagallo, sondern ein französischer Elektro-Produzent namens Xavier Gassemann. Auch er wird den Gurten zur Grossraumdisco umfunktionieren, auch bei ihm werden sich die Beleuchtungskörper verrenken wie die Verrückten.
Doch dem kleinen Mann auf dem grossen DJ-Podest wird es nicht gelingen, zu vertuschen, dass den Franzosen in Sachen Sound-Design seit dem ausformulierten Ed-Banger-Disco-Klimbim nicht mehr allzu viel in den Sinn kommen will.
Strom und Gemüse
Am Samstagmorgen um 2 Uhr dürfte der Freund des Elektro-Kleinformats ziemlich ins Schlenkern geraten. Im Zelt tritt das aus unerfindlichen Gründen noch immer als innovativ geltende deutsche Duo Digitalism auf, zeitgleich mit dem Berner Elektropunk-Duo Copy & Paste auf der Waldbühne. Die Berner werden die besseren Gastgeber sein, so viel sei hier schon verraten.
Doch damit noch nicht genug der Einzelkämpfer. Example nennt sich der Engländer, der höchst geschmacksunsicher zwischen Rap und «Radio Energy»-Elektro pendelt. Weit gehaltvoller ist das musikalische Angebot der Turntable-Franzosen Birdy Nam Nam, die die Arbeit an ihren Musikwiedergabegeräten wenigstens noch mit sportivem Elan betreiben. Und die wundertollen Tim & Puma Mimi werden die zum Live-Act aufgeblasenen DJs und Laptop-Projekte lehren, was ein schniekes Soundsystem ist. Der Schweizer und die Japanerin machen elektronische Musik auf Frischgemüse, und das klingt so viel liebenswürdiger, aber auch viel gefährlicher als alles, was wir heuer auf den Grossbühnen des Gurtens so zu hören bekommen werden.
Verzückender Soul mit schlurfigem Reggae-Einschlag
Da wären wir auch schon bei den Freuden der 29. Gurtenfestival-Austragung. Santigold aus den USA hat unlängst das Tonwerk der ersten Jahreshälfte veröffentlicht: «Master of My Make-Believe» vermengt heutigen Worldbeat mit Indie-Haltung und Pop-Anwandlungen. Ihr Song «Disparate Youth» ist der wohlgestaltetste Sommerhit der letzten Jahre.
Auch der Auftritt der Nigeria-Deutschen Nneka darf unter keinen Umständen verpasst werden. Das Warm-up neulich im Bierhübeli hat lauter verzückte Menschen zurückgelassen; Soul mit schlurfigem Reggae-Einschlag und einem Gitarristen, der unüberhörbar in den Achtzigerjahren sozialisiert worden ist.
Hippies und Goldkinder
Und dann ist da auch noch ein Schweizer namens Abu. Viel zu wenig ist von ihm bis jetzt überliefert; bloss ein Debüt-Album, auf dem dieser bärtige Herr mit seiner sonderbar brüchigen Stimme auffällt, rockend, poppend und schmachtend, am liebsten alles zur selben Zeit. Ein Mann, der – falls die Welt aufmerksam ist – noch dicke Stricke zerreissen wird.
Was haben wir noch? Den musikalischen Strom-Punk-Zirkus des Herrn Bonaparte zu bester Sendezeit auf der Zeltbühne. The Roots, seit gefühlten zwanzig Jahren im Amt der besten Hip-Hop-Live-Band (langsam an der Zeit, dass sie wieder einmal einen richtig tollen Hip-Hop-Studio-Song schreiben).
Und dann ist da noch die sonderbare Gruppe Edward Sharpe & The Magnetic Zeros. Eine Hippie-Grossfamilie, die den Kopf-pro-Band-Durchschnitt wieder auf einen erträglichen Wert hinaufschraubt. Musikalisch knüpft das Kollektiv an die wilden Siebzigerjahre an, an die Zeit, als das Gurtenfestival noch Internationales Folkfestival Bern-Gurten hiess: Hippiemusik inklusive Latzhosen, Batik-Stoff und Holzgitarren. Da wird der Don Rimini Augen machen. (Der Bund)
Erstellt: 12.07.2012, 08:32 Uhr
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1 Kommentar
The Roots, seit gefühlten zwanzig Jahren im Amt der besten Hip-Hop-Live-Band (langsam an der Zeit, dass sie wieder einmal einen richtig tollen Hip-Hop-Studio-Song schreiben). -> Hallo??? The Roots haben 2011 ein Album raus gegeben!!! Antworten

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